Nach Nord-Portugal mit Zwischenstopp im Bordeaux

Portugal erreicht man auf unterschiedlichen Routen

Es gibt unterschiedliche Anfahrtsrouten nach Portugal. Jede Route für sich bietet zahlreiche Möglichkeiten. Entweder nur für kurze Zwischenstopps bis hin zur Erweiterung des Urlaubs. Mit ausschlaggebend bei der Wahl des Anfahrtsweges ist, wo man in Portugal seinen Urlaub starten wird. D.h. beginnt man die Rundreise im Süden an der Algarve oder startet man oben im Norden. Oder man hat bereits einen festen Urlaubs-Standpunkt. Wir starten unsere Rundreise im Norden und arbeiten uns dann in Richtung Algarve vor. Daher haben wir uns für die Strecke über das Elsass, das Bordeaux und das Baskenland entschieden. Das Elsass haben wir bereits früher schon mit dem Kastenwagen erkundet. Auch das Baskenland haben wir schon unsicher gemacht. Allerdings nicht mit dem Wohnmobil, sondern per Flugzeug und Mietwagen. Diese beiden Ziele standen daher bei uns dieses Mal nicht im Fokus. Das Bordeaux haben wir bisher noch nicht kennengelernt. Leider reicht unsere Zeit für eine umfassende Erkundung des Bordeaux nicht aus. Daher blieb es beim kurzen reinschnuppern. Was wir gesehen haben hat uns sehr gut gefallen. Und zwar so gut, dass wir beschlossen haben, diese Region beim nächsten Urlaub in Frankreich ausführlich kennenzulernen.

Das Weinanbaugebiet St-Émilion

Aus der bekannten Weingegend von St-Émilion stammen einige der Spitzenweine Frankreichs. Die Weinberge reihen sich dort nahezu nahtlos aneinander. Es gibt eine Vielzahl von Weingütern. Vom kleinen Familien-Weingut bis hin zum prunkvollen Château. Der Laie hat damit die Qual der Wahl. So erging es auch uns. Wir wussten zwar, dass wir einen St-Émilion Grand Cru kennenlernen bzw. verkosten wollten. Hatten aber keine Ahnung für welches Weingut wir uns entscheiden sollten.

Gott sei Dank wurde uns die Wahl mit der Auswahl unseres Übernachtungsquartiers abgenommen. Wir nächtigten bei Dominique Dupuy vom Château Arnaud de Jacquemeau. Dieses liegt nur ein paar Kilometer entfernt vom Dorf St-Émilion. Wir standen mit unserem Wohnmobil auf einem direkt an einen der Weinberge angrenzenden Wiesenstreifen. Die kleine Kellerei mit dem angrenzenden Wohnhaus lag gleich gegenüber. Der 84jährige und sehr enthusiastische Senior-Chef des Weingutes ließ es sich nicht nehmen uns seine Kellerei zu zeigen. Beim gut 1stündigen Rundgang bekamen wir noch nebenher ein kleines und sehr interessantes Wein-Seminar. Auch die daran anschließende Verkostung der Weine wurde von ihm geradezu zelebriert. Bevor wir den ersten Schluck probieren durften wurde uns erst Schritt für Schritt erklärt, wie ein Wein richtig verkostet wird. Und nicht zu vergessen auf was dabei alles zu achten ist. Die Verkostung war wirklich sehr lehrreich und kurzweilig. Und der St-Émilion Grand Cru war nicht nur ein Genuss, sondern auch absolut unschlagbar was das Preis-Leistungsverhältnis angeht. So ist es nicht verwunderlich, daß ein paar Flaschen dieses guten Tropfens ihren Weg in unseren Kastenwagen gefunden haben.

Das Winzerdorf St-Émilion ist ein Touristenmagnet schlechthin. Im Sommer ziehen Karawanen von Touristen durch das Dorf. Sogar jetzt Mitte April war es sehr gut besucht. St-Émilion steht zu Recht unter Denkmalschutz. Es wird zudem von der UNESCO zum Welterbe gerechnet. Das kleine Dorf thront majestätisch auf einem Hügel aus Kalkstein. Es ist von malerischen Gassen durchzogen. Gefühlt beherbergt mind. jedes zweite Haus eine Weinhandlung. Ich habe noch nie eine solche Dichte von Vinotheken erlebt. Selbst bei diesem enormen Wettbewerb scheinen dabei alle ihren Schnitt machen zu können. Kein Wunder, enthalten doch die Weinpreise unserem Eindruck nach mehr oder weniger saftige Touristenaufschläge. Also besser den St-Émilion beim Weingut vor Ort, in einer Vinothek außerhalb oder im gut sortierten Supermarkt kaufen.

Bordeaux, die Stadt des Klassizismus

Nach all den kleinen und überschaubaren Dörfern und Städten im Bordeaux hat uns die Stadt Bordeaux ein wenig überfordert. Allein das Finden eines Parkplatzes für unser Wohnmobil war ein zeit- und nervenintensives Unterfangen. Das es nicht auch noch sehr kostspielig wurde haben wir allein dem Umstand eines parkkostenfreien Sonntages zu verdanken. Sein Wohnmobil parkt man daher am besten etwas außerhalb und fährt dann anschließend mit der Straßenbahn ins Zentrum.

An der für den Autoverkehr gesperrte Brücke Pont de Pierre starteten wir mit unserer Erkundung der Stadt. Bereits von der Brücke hat man einen schönen Blick auf die Sehenswürdigkeiten am Ufer der Garonne, wie z.B. das Grand Théâtre. Die pompösen Häuser im klassizistischen Stils stehen dort eng aufgereiht nebeneinander wie Perlen auf der Schnur. Auch in den Straßen der Altstadt wiederholt sich dieses Bild. Wir waren auf jeden Fall davon beeindruckt und erschlagen zugleich. Das haben wir so im ersten Moment nicht erwartet. Überall herrschte rege Geschäftigkeit. Und es waren Unmengen an Touristen und Einheimischen auf den Straßen unterwegs. Die Geschäfte haben nämlich auch am Sonntag geöffnet. Wenn wir es nicht besser wüssten, dann hätten wir meinen können in Paris zu sein. Aufgrund des Flairs & des Trubels hat sich für uns die Analogie zu Paris geradezu aufgedrängt. Für uns war es an diesem Tag einfach zu viel. Vielleicht lag es aber auch nur an dem superheißen Wetter. Die gepflasterten Wege/Straßen in den Straßenschluchten verdoppelten die Hitze. Nach einer Zeit wurde jeder Schritt in der gefühlten Sauna zur Qual. Nach knapp 3 Stunden des Herumlaufens haben wir vollkommen erschöpft aufgegeben. In dieser Zeit haben wir dennoch sehr viel von Bordeaux gesehen und einen guten ersten Eindruck bekommen.

Bei der Erkundung des Quartiers St-Michel fühlten wir uns stark an Frankreichs ehemalige Kolonien erinnert. Wir fühlten uns aufgrund des Warenangebotes und der Passanten wie in Marokko oder Algerien. Über die Porte d’Aquitaine am Place de la Victoire ging es dann über die Rue Sainte Catherine zum Grand Theâtre. Das Einkaufsviertel rund um die Rue St-Catherine, Bordeaux Haupteinkaufsstraße, ist ein Eldorado für Shopping-Begeisterte. Von dort ging es weiter zum Esplanade des Quinconces mit dem Monument aux Girondes. Der Besuch hier ist ein Muss für alle, die Trödel und Antiquitäten lieben. Hier gibt es in mehreren Reihen fest installierte Stände mit allem was das Trödelherz so begehrt. Über die Promenade entlang der Garonne ging es dann zurück zur Pont de Pierre.

Bordeaux bietet noch so viel mehr. Unzählige Museen, Kirchen und Stadtviertel warten darauf erkundet zu werden. Bordeaux bietet für jeden Geschmack etwas. 1-2 volle Tage lassen sich in Bordeaux bestimmt sehr kurzweilig verbringen.

Dune du Pilat, die größte Düne Europas

Die Dune du Pilat bei Pyla-sur-Mer nahe des Bassins von Arcachon war unser nächstes Ziel. Nach dem für uns anstrengenden Besuch von Bordeaux brauchten wir als Kontrast ganz viel Natur. Da kam uns Europas größte Düne gerade gelegen. Mit einer Länge von 2,9 km und 110 m Höhe ist sie wirklich sehr beeindruckend. Die Maßangaben schwanken. Es handelt sich nämlich um eine Wanderdüne, die aufgrund von meteorologischen Einflüssen Jahr für Jahr 1-5 Meter landeinwärts vorrückt.

Von oben vom Dünenkamm hat man eine atemberaubende Aussicht. Die Dune du Pilat wird zur Landseite von dichtem Kieferwald begrenzt. Auf der Seite zum Meer bietet sie einen unvergesslichen Ausblick über das blaue Meer und die gelben Sandmassen. Die Form der Düne ist asymmetrisch. Zur Kiefernwaldseite fällt sie sehr steil ab. Zur Meerseite dagegen läuft sie sanft aus. Das Erklimmen der Düne ist mitunter ein sehr anstrengendes & schweißtreibendes Unterfangen. Damit sich der Tourist jedoch nicht unbedingt durch den Sand nach oben zu kämpfen braucht gibt es als Alternative eine Treppe.

Die Dune du Pilat ist wirklich ein einzigartiges Naturerlebnis. Leider hat man die Düne nicht für sich alleine. Außer vielleicht ganz früh am Morgen. Die Masse an Touristen und das Drumherum mit den Buden an Touristen-Schnick-Schnack sind schon ein Wehrmutstropfen. Dennoch ist der Besuch in jedem Fall sehr lohnenswert.

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