In Neuharlingersiel wurde heute ein großes Kutterfest veranstaltet. Im kleinen Hafen waren dafür alle Fischerboote mit Wimpeln und Fahnen wunderschön geschmückt. Im Rahmen des Festes gab es die Möglichkeit die Fischerboote zu besichtigen und zu kurzen Ausfahrten mitzufahren. Rund um den Hafen waren eine Vielzahl von „Fressbuden“ und „Trinktempeln“ aufgebaut, d
amit bei der „anstrengenden“ Veranstaltung auch keiner verhungert oder verdurstet. Wir hatten den Eindruck, dass alles was in einem Umkreis von 50 km 2 Beine zum Laufen hat, war anwesend. Man könnte fast meinen, dass es sich um den Höhepunkt der Sommersaison handeln würde. Die Menschenmengen haben sich jedenfalls nur so durchgeschoben. Die Massen waren besonders angetan vom Shanty-Chor der zur Eröffnung des Kutterfestes diverse Seemannslieder zum Besten gegeben hat. Für uns war es allerdings das Zeichen nicht für das Verweilen sondern für einen schnellen Aufbruch. Wir geben zu, dass wir was Seemannslieder angeht, absolute Kulturbanausen sind. Mit einer leckeren Fischsemmel und noch besseren Miesmuscheln gestärkt haben wir uns daher auf direktem Weg zum JadeWeserPort in Wilhelmshafen aufgemacht. JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist Deutschlands einziger Container-Tiefwasserhafen. Seit dem 21. September 2012 ist der Hafen in Betrieb. Entstanden ist er aus 46 Millionen m3 Sand, der dem Meer entnommen und zur Landgewinnung aufgespült wurde. Es können Containerschiffe mit mehr als 18.000 20-Fuß-Containern vollbeladen und tidenunabhängig anlegen und ihre Ladung löschen. Dafür wurden die größten Containerbrücken der Welt aufgestellt. Lt. einem Prospekt sind Hafenbus-Touren über das Hafengelände möglich. Da wir noch nie einen Container-Tiefwasserhafen aus direkter Nähe gesehen haben (das was man bei einer Hafenrundfahrt in Hamburg vom dortigen Containerhafen so sieht, zähle ich hier nicht mit) wollten wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Um es gleich vorneweg zu nehmen, man versäumt nicht wirklich etwas, wenn man auf dieses Vergnügen verzichtet. Wir hatten vollkommen falsche Vorstellungen von der Hafenbustour bzw. davon wie nahe man rankommt. Die Vorzüge des Container-Hafens in Wilhelmshaven hat sich scheinbar noch nicht richtig in der Schiffswelt rumgesprochen und es ist dort absolut nichts los. Lediglich ein Containerschiff, das bereits im Begriff war den Hafen zu verlassen, haben wir zu Gesicht bekommen. Der Hafen ist darauf ausgelegt, 2,7 Millionen Container im Jahr zu bewegen. Letztes Jahr waren es nicht einmal 40.000 und dieses Jahr gehen Sie von 500.000 Containern aus.
Die riesige Fläche, auf der sich Logistikunternehmen ansiedeln sollten, ist von gähnender Leere gekennzeichnet. Lediglich 1 einziges Unternehmen hat sich bisher angesiedelt. Statt geschäftigem Gewusel scheint sich der Hafen im Dornröschenschlaf zu befinden. Keine einzige Containerbrücke war während der Rundfahrt in Betrieb. So richtig nahe ran fährt der Hafenbus auch nicht, so dass die Betrachtung aus relativer Entfernung erfolgt. Auch die interaktive Ausstellung im Hause des JadeWeserPort-InfoCenter hat es für uns nicht rausgehauen. Im Gegenteil, der Aufbau und die Machart dieser kleinen Ausstellung hat uns überhaupt nicht angesprochen. Die interaktiven Exponate sind aus unserer Sicht in erster Linie auf Kinder abgestellt und haben uns nicht wirklich vom Sockel gerissen. Obwohl die vom Guide während der Fahrt gegebenen Informationen recht interessant waren würden wir von einer Besichtigung abraten. Die Relation zeitlicher Aufwand/Kosten stehen aus unserer Sicht nicht im Verhältnis zum direkten/nahen Erlebnis eines geschäftigen Containerhafens.



