2 absolute Highlights der Provence: Corniche des Crêtes nach Cassis und der Grand Canyon du Verdon (Gorges du Verdon)

So ganz konnten und wollten wir es in puncto Befahrung der Küstenstraßen an der Côte d’Azur nicht ganz glauben und haben nochmals einen Versuch gestartet. Die D559 führt zwar immer am Meer entlang, allerdings ist die Strecke derart besiedelt und damit bebaut, dass in den seltensten Fällen das Meer zu sehen. Es gibt zwar ab und an Aussichtspunkte, an denen man einen Blick auf das Meer erhaschen kann, aber besonders zufriedenstellend ist es gemessen am zeitlichen Fahraufwand nicht. Die Küstenorte sind stark besucht und sehr touristisch und für Wohnmobile und selbst für unseren Kastenwagen gibt es so gut wie keine Parkplätze. Die Höhenbegrenzungsschranke bei 1,90 m lebe hoch ….! Also haben wir dieses Abenteuer rasch beendet und uns auf den direkten Weg  nach La Ciotat in der Provance begeben. Und das war im nachhinein gesehen das Beste was wir an diesem Tag machen konnten. La Ciotat ist der Ausgangspunkt für die Corniche des Crêtes, die nach Cassis führt. Diese Route bzw. Straße führt auf einer serpentinenreichen Küstenstrecke durch die „Berge“. Lt. Reiseführer gehört sie zu den eindrucksvollsten Küstenrouten Europas und führt über die höchsten Klippen Frankreichs. Wir können die Aussage des Reiseführers nur bestätigen. Die Fahrt ist wirklich sehr eindrucksvoll und ein Highlight der Reise. Es gibt immer wieder Aussichtspunkte mit Parkmöglichkeit, die einen wunderbaren Blick auf das Meer und die schroffen steil aufragenden Klippen geben. Sehr in Erinnerung wird uns der Aussichtspunkt Cap de la Canaille bleiben, wo der Fels 362m tief senkrecht ins Meer fällt und einen faszinierenden Blick auf die Stadt Cassis bietet. Ich muss zugeben, dass mir zu Anfang der Fahrt nicht ganz wohl war – die Strecke ist lt. Reiseführer nicht ganz ohne und entsprechende Hinweisschilder warnen davor, die Strecke bei Mistral oder Sturmwarnungen zu fahren. Auch sind einige Stellen sehr schmal und sehr steil. Die Strecke runter nach Cassis hat z.B. ein Gefälle von 20 %. Mein Mann ist ein geübter Autofahrer, wir hatten strahlenden Sonnenschein, der Verkehr hielt sich aufgrund Vorsaison in Grenzen und die Abmessungen unseres Kastenwagens sind nicht mit einem großen Wohnmobil zu vergleichen. Ich habe mich daher schnell entspannt und die Fahrt wirklich sehr genossen. Zur Hauptsaison möchte ich die Strecke allerdings nicht fahren denn dann ist anzunehmen, dass es keine Parkmöglichkeit bei den Aussichtspunkten gibt und die Ausweichmanöver bei Gegenverkehr sind dann stellenweise auch nicht ohne.

Cassis ist ein sehr nettes und lebendiges Hafenörtchen. Wir hatten den Eindruck, dass sich alles um den kleinen Hafen dreht. Hier wuselte es von Touristen und Einheimischen gleichermaßen. Ein Restaurant, Bistro, Cafe etc. reihte sich aneinander und veranlasste mich wieder einmal zu meiner Aussage: „Wie können die nur alle existieren, die nehmen sich ja gegenseitig das Geschäft weg?!“ Aber scheinbar funktioniert es, dann sonst gäbe es nicht so viele nebeneinander. Auch die obligatorischen Touristenläden mit allerlei provenzialischen Spezialitäten, Schnick-Schnack und Weinen haben nicht gefehlt. Aber genau diese Mischung hat es ausgemacht. Das Flair in Cassis war wirklich einmalig und es hat viel Spaß gemacht sich durch die kleinen Gassen des Hafenviertels treiben zu lassen.

Das absolute Highlight und ein absolutes Muss war allerdings die Fahrt um den Grand Canyon du Verdon. Dieser spektakuläre Canyon ist durch Bergstraßen auf beiden Seiten erschlossen. Wir sind mittlerweile schon gut in der Weltgeschichte rumgekommen und haben viel gesehen, aber der Canyon du Verdon hat uns zu wahren Begeisterungsstürmen hingerissen und wir sind einfach nur beeindruckt, was die Natur alles so er- bzw. geschaffen hat. Ganz zu schweigen, von den Erbauern der Straße, die eine –zumindest in der Vorsaison- bequeme Umrundung des Canyons ermöglichen (als eine der Hauptattraktionen der Provence lockt die Schlucht jährlich eine Million Besucher an).

Ein Blick auf das Bergdorf Moustiers-Ste.-Marie

Ausgangspunkt für unsere Rundfahrt war das Dörfchen Moustiers-Ste.-Marie, das dank seiner eindrucksvollen Lage (wie ein Nest vor einer Felsenwand) wohl als malerischstes Provence-Dorf gilt. Das Dorf ist wirklich sehr entzückend und darf u.E. auf keiner Tour fehlen. Von dort ging es erst einmal auf der Nordroute durch eine sehr ansprechende Wald- und Berglandschaft nach Castellane (Endpunkt des Tages). Kurz hinter Moustiers hat man schon die ersten spektakulären Blicke auf den Lac de Ste.-Croix mit dem Beginn des Canyons. Seine schroffen oben an den Kuppen bewachsenen Felswände strahlen grell im Sonnenlicht. Man möchte am liebsten immer wieder stehen bleiben, so fantastisch sind die Ausblicke, die sich einem bieten. Aber abgesehen von den Aussichtspunkten ist ein Stehenbleiben kaum möglich – wir sind auf der Strecke leider nicht alleine unterwegs. Bei dem Dorf La-Palud-sur-Verdon zweigt die

Panoramastraße Route des Crêtes

ab und die hat es wirklich in sich. Ein Highlight jagt das andere – die Ausblicke werden immer phantastischer und unsere Begeisterung nimmt gar kein Ende mehr. Es ist mittlerweile schon sehr später Nachmittag und es ist kaum mehr Verkehr; nur noch PKWs unterwegs und keine Wohnmobile. So ist das Fahren der teilweisen engen und sehr serpentinenreichen Strecke kein Problem und wir kommen voll auf unsere Kosten. Nach diesem einzigartigen Naturerlebnis ging es dann auf direktem Weg nach Castellane. Am nächsten Tag haben wir dann die Umrundung auf der Südroute fortgesetzt. Diese war zwar auch sehr beeindruckend, für uns aber kein Vergleich zur Route des Crêtes mit ihren einzigartigen Panoramen. Kurz vor Ende der Strecke wurde es mit der Corniche Sublime wieder spektakulär. Der Blick auf den Verdon mit seinem türkisblauen sich dahinschlängelnden Wasser – einfach unglaublich. Nach dieser mehr als gelungene Tour, die unbedingt nach einer Wiederholung verlangt, ging es dann auf direktem Wege nach Aix-en-Provence, wo wir bei einem ausgedehnten Treiben durch die Gassen der Altstadt den Tag haben ausklingen lassen.

Aix-en-Provance ist die heimliche Hauptstadt der Provence und das bunte Leben und geschäftige Treiben sucht seinesgleichen. Allein rund 25.000 Studenten leben hier und die Preise für kleinste Studentenbuden sind -vergleichbar mit München- astronomisch hoch (18 qm Appartment für 480 Euro). Überall in Aix gibt es schöne Plätze mit kleinen Cafes, Imbissbuden und Restaurants – einer schöner und einladender als der andere. Eine Vielzahl von Geschäften – von erlesen bis ausgefallen oder einfach nur mit Touri-Souvenirs- laden zum Shoppen ein. Es empfiehlt sich nicht mit leerem Magen die Erkundung zu beginnen. Überall warten kulinarische Verlockungen in Form von Feinkostläden auf und es fällt wirklich schwer, diesen köstlichen Versuchungen zu wiederstehen. Allein die diversen Wein- und Käseläden ziehen einen förmlich in seinen Bann. Aix kann auch mit ein paar Sehenswürdigkeiten aufwarten. Unter anderem das Atelier bzw. die Werkstatt von Paul Cézanne. Wir haben allerdings alle Sehenswürdigkeiten links liegen gelassen und uns ohne Plan und Ziel durch die Gassen der Altstadt treiben lassen. Das Flair ist unbeschreiblich und es macht einfach ganz viel Spaß. Aix-en-Provence ist trotz des ganzen Trubels und der Parkplatznot unbedingt einen Besuch wert. Am Besten außerhalb der Altstadt parken und mit dem Bus ins Zentrum fahren. Wir können aus eigener Erfahrung sagen, dass dies sehr problemlos funktioniert.

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Viel Flair beim Spaziergang durch Roussillion und das traumhafte Panorama von Saignon

Roussillion gehört zum Muss-Programm eines jeden Provence-Reisenden. Es darf sich nicht nur als „eines der schönsten Dörfer Frankreichs“ bezeichnen, sondern besitzt auch noch eindrucksvolle Ockerfelsen. Von der malerischen und verwinkelten Altstadt hat man an verschiedenen Stellen einen prächtigen ersten Blick auf die Ockerfelsen und bekommt damit schon einen kleinen Vorgeschmack auf die möglichen Rundgänge. Wir haben allerdings auf das Begehen der Rundgänge verzichtet, da wir bereits schon den Colorado Provencal bei Rustrel ausgiebig erkundet haben. Aufgrund eines bereits früheren Besuches wissen wir, dass die Ockerfelsen hier nicht sehr viel anders und auch nicht spektakulärer sind als im Colorado Provencal. Im Gegenteil, ich würde dem Colorado Provencal den Vorzug geben, da hier eindeutig weniger los ist. Die große Touristenmenge konzentriert sich aus meiner Sicht auf Roussillion, da es hier auch noch die Altstadt zu erkunden gibt. Das sich treiben lassen in Roussillion macht auf jeden Fall sehr viel Spaß. Aufgrund des hohen Touristenaufkommens gibt es eine große Anzahl unterschiedlicher attraktiver Läden, Cafes und Restaurants, die geradezu zum Erkunden und Stöbern einladen. Die Altstadt war auch bei uns gut besucht. Allerdings waren glücklicherweise gleichzeitig mit uns keine Busladungen an Touristen unterwegs, so dass wir noch alles mit „genügend Platz“ genießen konnten und nicht durch die Gassen geschoben wurden. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in der Altstadt bzw. in den Gassen schon „eng“ wird, wenn mehrere Busladungen gleichzeitig in Roussillion „einfallen“. Nichtsdestotrotz ist Roussillion wunderschön und lohnt zu Recht einen Besuch.

4 km südlich von Apt thront auf einer Bergnase das Dörfchen Saignon. Hier sagen sich wirklich Fuchs und Hase gute Nacht, „Ureinwohner“ scheint es nicht mehr allzu viele zu geben. Ein Restaurant, ein Touristenladen, diverse Ferienwohnungen und das war es dann schon auch. Trotzdem stößt man hier mit schöner Regelmäßigkeit auf den einen oder anderen Touristen. Der Anziehungspunkt dieses Dörfchens liegt im wirklich einmaligen und beindruckenden Ausblick vom vorderen Festungsfelssporn auf das verschachtelte Dorf und auf das Tal von Apt. Allein dieser Panoramablick ist einen Besuch in Saignon wert. Und von Apt aus ist Saignon wirklich schnell erreicht.

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Das mediterrane Hinterland der Cote Azur

Nachdem wir den Tag mit Kunst in Form des Besuchs der letzten Wohnstätte von Auguste Renoir in Cagnes-sur-Mer begonnen haben, ging es mit Kultur in dem wahnsinnig touristischen aber dennoch vom Flair her einzigartigen Örtchen St. Paul-de-Vence weiter.

Freier Eintritt am ersten Sonntag eines Monats.

Das Renoir-Museum war mit seinen wenigen verbliebenen Möbelstücken, in der Anzahl sehr überschaubaren Renoir-Büsten und Renoir-Gemälden für uns verwöhnte Kunstbanausen nicht so der Hit. Sehr schön war allerdings der große, sehr grüne Garten und der Panorama-Blick von demselbigen. Ich denke, es ist kein Verlust, auf diesen Kunstgenuss zu verzichten, es sei denn, man ist ein großer Fan von Renoir.

 

Das kleine und beschauliche auf einer Anhöhe gelegene Örtchen St.Paul-de-Vencemit seinen vielen ineinander verschlungenen Gassen, Galerien und diversen Läden erinnerte uns stark an die Toskana. Insbesondere der Panoramablick von oben auf das bezaubernde Örtchen ließ uns Parallelen zur Toskana ziehen.

Blick auf St. Paul-de-Vence

Es machte viel Spaß sich durch die Gassen treiben zu lassen und da es wirklich ein kleines Örtchen ist, war es auch sehr kurzweilig. Einziger Nachteil ist, dass es aufgrund seiner pittoresken Ausstrahlung sehr beliebt bei Touristen ist und diese in Heerscharen dort einfallen. Trotzdem lohnt sich ein Besuch dort; am Besten am frühen bis mittleren Vormittag. Eine mögliche, wenn auch bei weitem nicht so eindrucksvolle Alternative ist die nicht weit entfernte Stadt Vence, die mit einer kleinen Altstadt mit ebenfalls verwinkelten Gassen aufwarten kann.

Die Fahrt nach Gourdon über Serpentinen entlang an der Schlucht des Loup und umgeben von einem Gebirgsmassiv ist sehr eindrucksvoll. Stetig geht es nach oben.

Unser Stellplatz bei Gourdon.

Gourdon zählt angeblich zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Es liegt in 740 m Höhe auf einem Felssporn. Obwohl es für uns eher ein kleiner für Touristen restaurierter Weiler ist, macht es Spaß dort einen kleinen Spaziergang zu machen. Die Panoramaaussicht von dort oben ist wirklich atemberaubend schön. Man hat einen Blick bis zum Meer. Auch hier haben sich die Touristen die Klinke in die Hand gegeben – dies könnte allerdings auch daran gelegen haben, dass wir Gourdon an einem Sonntag spät nachmittag besucht haben. Abends, wenn alle Touristen ausgeflogen sind, ist es dort sehr ruhig und einsam und wir haben auf einem von dort fußnah gelegenen Wanderparkplatz wunderbar übernachtet.

Wir stellen immer wieder fest, dass nicht nur die Küste der Cote Azur extrem stark besiedelt ist, sondern dass auch jedes in Frage kommende Stückchen Land im Hinterland bebaut ist. Es sind dabei scheinbar nur geringe bzw. keine Grenzen gesetzt und so ziehen sich die Anwesen zahlreich die Hänge nach oben.

Das Städtchen Grasse ist bekannt für seine Parfümherstellung. Schon im 16. Jahrhundert hat sich dort die Produktion von Duftwässerchen entwickelt. In der geschützten Südlage von Grasse herrscht ein Mikroklima in dem Blüten für die Düfte besonders gut gediehen. Mittlerweile kommen 95 % der Blüten für die Duft bzw. Aromen-Herstellung aus Billiglohnländern, wie z.B. Indien, Türkei und Marokko. Das Grasse die Parfüm-Hauptstadt schlechthin ist, merkt man nur noch so am Rande durch ein Parfüm-Museum, in dem alles rund um die Parfümherstellung erklärt wird und durch einige touristische Läden, die allerhand „Duftsachen“ anbieten. Den kleinen unabhängigen Parfümhersteller Gaglewski übersieht man dabei fast. Er bietet in einem sehr kleinen wohltuend puristischen Laden eine überschaubare Anzahl selbst kreierter Düfte an. Einer wohlriechender wie der andere und ich konnte mich gar nicht recht für einen entscheiden. Mein holder Gatte hat dann das Entscheidungsproblem seiner Frau auf seine eigene Art und Weise gelöst. Er hat einfach beschlossen, alle 3 in Frage kommende Düfte seiner Frau als Geschenk zu verehren. Damit hat er wieder sein Bonuskonto für Tollpatschigkeiten und kleine und größere Malheurs „aufgefüllt“. Ich war auf jeden Fall selig und habe meine „Beute“ leicht und beschwingt zurück zum Wohnmobil getragen. Alleine wegen der Parfümherstellung lohnt es sich nicht nach Grasse zu fahren. Grasse hat jedoch eine sehr schöne Altstadt, durch deren Gassen man sich wunderbar treiben lassen kann. Ist man abseits der Touristen-/Geschäftsstraßen unterwegs, macht die Altstadt einen leicht maroden und renovierungsbedürftigen Eindruck. Einige Kaffees bzw. Straßenecken sind von Algeriern, Marokkaners etc. stark bevölkert, die den Hauptteil der Altstadtbevölkerung stellen.

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Der lange und teilweise „unvergessliche“ Anfahrtsweg in die Provence

Es gibt nicht nur viele Wege nach Rom, sondern es führen auch viele Wege in die Provence. Wir haben uns entschieden, über den Lago Maggiore, das Piemont, die italienische Rivera und die Cote Azur in die Provence zu fahren. Da wir dieses Mal nur 2 ½ Wochen unterwegs sind, ist nun etwas mehr Tempo als sonst in puncto Vorankommen angesagt und nicht jede Region, die auf der Strecke liegt harrt ihrer Erkundung durch uns. Eine ganz ungewohnte Erfahrung. Der Lago Maggiore ist aufgrund Dauerregen schnell abgehakt. Ein kurzer Spaziergang durch das schöne Cannobio und weiter ging es schon ins sonnige Piemont. In Alba fand eine große Weindegustation an verschiedenen Plätzen der Altstadt statt. Schweren Herzens haben wir von einer zeitintensiven Verkostung abgesehen und es lediglich bei einem Spaziergang durch die Altstadt von Alba belassen. Wir wurden dabei von verschiedenen Feinkost- und Weinläden auf die Probe gestellt, konnten uns aber noch gerade so beherrschen. Am Abend war es dann mit der Beherrschung vorbei. Wir haben in Neive unweit von Barbaresco auf einem Stellplatz übernachtet.

Ein sehr gutes Tröpfchen! 2011er Barbaresco mit Potential.

Neive gilt angeblich als eines der schönsten Dörfer der Langhe. Das Dorf ist eher ein Dörfchen und schnell erkundet. Der größte Reiz liegt wahrscheinlich in der Panorama- bzw. Postkartenansicht aus der Luft. Doch auch wenn das Dorf ist noch so klein ein paar Weinläden und Cantinas müssen schon sein. Ein paar Flaschen Barbaresco haben so ihren Weg in unseren Kastenwagen und während des Abendessens auch in unseren Gaumen/Magen gefunden. An der italienischen Rivera wollten wir Seeluft schnuppern, die Beine im Meer „baumeln“ lassen und eine wunderbare Fischplatte verdrücken. Aber daraus wurde mangels Parkmöglichkeit nichts. Wir hätten nicht mal eine Chance mit einem PKW gehabt. An allen möglichen und unmöglichen Plätzen standen die Autos. Scheinbar hat es am Samstag alle Welt ans Meer gezogen. Aus unserer Sicht haben die Italiener sowieso ein Faible fürs Meer – egal wie häßlich oder wie schön es drumherum ist.  Die italienische Rivera ist wahnsinnig touristisch und mit der dafür entsprechenden Infrastruktur (viele Hotels und Touri-Läden) versehen. Für uns war es ein Graus und unsere Flucht daher nur konsequent. Wer braucht denn schon die italienische Rivera, wenn die Cote Azur nur auf uns wartet? Ja, hätten wir uns im Vorfeld nur mal besser informiert. Die Cote Azur ist nichts für Wohnmobilfahrer. Parkplätze für die Womos sind absolute Fehlanzeige und auch die Campingplätze sind nicht gerade üppig vorhanden. In Cagnes-sur-Mer haben wir einen kleinen Campingplatz gefunden. Was für Renoir gut war, ist auch für uns akzeptabel (Renoir hat in Cagnes-sur-Mer die letzten 12 Jahre seines Lebens verbracht). Wir haben daher beschlossen, der unmittelbaren Küste der Cote Azur ganz schnell den Rücken zu kehren und somit Monaco, Nizza, Cannes und Saint Tropez keinen Besuch abzustatten.

Der erste Teil dieser Reise wird uns auch aufgrund eines Schreckmomentes gut in Erinnerung bleiben. Plötzlich hieß es „Wasser-Alarm“ – wir hatten erneut Wasser in den Staufächern im Boden. Der erste Gedanke war: „Oh nein, nicht schon wieder eine undichte Dusche“. Mittlerweile sind wir geübt, an diversen Stellen zu schrauben um gewisse „Innenansichten“ nehmen zu können. Die Dusche schien aber nicht die Ursache zu sein. Nachdem ich lange genug gedrängt habe, konnte ich meinen Mann –wenn auch nur zuerst um des lieben Friedens willen- überzeugen, auch den Wassertank zu überprüfen. Originalton meines Ehegatten: „Der Tank ist so dick und stabil, was soll da schon kaputt bzw. undicht sein“. Was mein Göttergatte jedoch nicht in seine Überlegungen mit einbezogen hat war, dass der Wassertank einen Revisionsdeckel hat. Und dass dieser, wenn der Deckel nicht fest zugedreht  ist und der Wassertank voll ist bei Berg- und Talfahrten Wasser an den Seitenrändern des Deckels herausdrückt. Ich wusste schon immer, dass Roberts schlechte Angewohnheit Verschlüsse nicht richtig zuzuschrauben uns irgendwann einmal zum Verhängnis wird. Nachdem mein lieber Robert nach Entdeckung der Ursache mehr als kleinlaut war, konnte ich ihm nicht mehr böse sein – zum Lachen war mir allerdings auch nicht zumute. Mal sehen, wie lange dieses Malheur in puncto fest Zuschrauben bei ihm nachhält.

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Wohnmobilparkplatz in Bath – die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

In Bath ist immer recht viel los und da war es für uns klar, dass wir nicht mit dem Kastenwagen nach Bath ins Zentrum fahren, sondern einen der zahlreichen Park & Ride-Plätze ansteuern. Gesagt und getan. Womit wir allerdings absolut nicht gerechnet haben ist, dass in Bath bei allen Park & Ride-Plätzen Höhenbegrenzungsbalken installiert sind und damit nur für normale PKWs eine Parkmöglichkeit besteht. Nun war guter Rat teuer. Wir sind dann auf die Idee gekommen, uns einen Campingplatz in Nähe von öffentlichen Verkehrsmitteln zu suchen. Grundsätzlich eine gute Idee, allerdings nicht an einem Bank-Holiday-Weekend, wo alles, das zwei Beine hat und noch krauchen kann, im Lande unterwegs ist. Es war absolut kein Plätzchen mehr zu kriegen. Wir haben uns dann langsam mit dem Gedanken befasst, Bath ganz sausen zu lassen, bis mein Göttergatte eine Eingebung hatte. Irgendwo in Bath muss es doch auch einen Parkplatz für Reisebusse geben. Der lag dann auch direkt im Zentrum, nicht weit von den römischen Bädern entfernt. Nachdem ich mit ein paar Busfahrern gesprochen hatte, haben wir beschlossen, dass wir hier stehen bleiben können. Der Nachteil ist allerdings, dass wir Parkgebühren für einen Bus zu entrichten hatten und die sind im Vergleich etwas happig. Aber nun waren wir schon einmal da. Eine Besichtigung von bzw. Spaziergang durch Bath ist aus meiner Sicht immer ein Muss. Nicht umsonst verlieh die UNESCO Bath als einziger Stadt in England den Status des Welterbes. Bath mit seiner georgianischen Architektur ist wirklich eine sehr elegante und mondäne Stadt. Einzigartig und auch sehr interessant sind die römischen Bäder bzw. dessen Überreste. In Bath sprudeln die einzigen heißen Quellen im Inselreich aus dem Boden und die Badeanlage ist heute das besterhaltene Zeugnis römischer Urbanität. Was die Badekultur angeht, da konnte schon damals den Römern keiner was vormachen.

Die kleine und beschauliche Stadt Winchester, die wir uns am nächsten Tag angesehen haben, ist das genaue Gegenteil von Bath. Klein, beschaulich und sehr gemütlich. Der ganze Stolz der Stadt ist die Kathedrale. Durch Winchester kann man sich gut treiben lassen und die Zeit verfliegt dabei wie im Flug. Sehenswert ist auch die noch in Betrieb stehende Wassermühle. Winchester ist wirklich ein bezauberndes und sehr empfehlenswertes Städtchen.

Der eine oder andere Leser wird sich nun sicherlich wundern bzw. fragen, wie wir auf einmal von Südwales wieder nach Südengland kommen. Unsere Erlebnisberichte müssten eigentlich mit West-Wales fortgesetzt werden. Wir sind nun allerdings schon auf der Rückreise in die Heimat. Umstände zu Hause lassen uns unseren Urlaub vorzeitig beenden. Wir werden noch Freunde in Brighton besuchen und dann am Montag Nachmittag mit der Fähre übersetzen. Über das vorzeitige Ende sind wir nicht traurig. Wir haben festgestellt, dass nach 7-8 schönen und erlebnisreichen Wochen in einem Land, ein Tapetenwechsel nicht schadet. Auf Dauer gleicht sich vieles und man ist leicht übersättigt. Wir werden auf jeden Fall nach Großbritannien zurückkehren, um auch noch den Rest von Wales sowie und Mittel-/Nordengland erkunden.

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Die Strand-Hot-Spots der Gower Halbinsel

Es ist unglaublich, wie viele tolle Strände es in England und auch in Wales gibt. Allerdings nicht die Art von Strand, die man sich vorstellen würde. Weicher und flockiger Sand, der schön durch die Zehen rinnt und auf dem es sich schön liegen und träumen lässt – Fehlanzeige! Die Strände schimmern zwar von weitem goldfarben. Dies liegt aber daran, dass sie nur bei Ebbe sichtbar sind und der Meeresboden diese Farbe aufweist. Bei Flut bleibt nur ein kleiner Streifen Strand, der dann weit weniger spektakulär anmutet. Aber die ganze einmalige Szenarie drumherum lässt dies einen sofort vergessen machen. Wildheit, Schroffheit und dennoch beeindruckend schön – wo bekommt man dies alles auf einen Blick!
Die schönsten, atemberaubendsten und mit wirklich phantastischem Panoramablick ausgestatteten Strände auf der Gower Halbinsel sind Rhossili Beach und die Three Cliffs Bay. Beide lassen sich auch wunderbar über den Küstenwanderweg erreichen.
Wir haben in Port Eynon, einer populären Badebucht, die direkt am Küstenwanderweg liegt auf einem Campingplatz Quartier bezogen. Die Massen dort sind wirklich ein Graus. Aber Gott sei Dank haben auch hier die meisten nichts mit Wandern am Hut.

Kilometer langer Sandstrand

Von dort ging es mit dem Bus zum Rhossili Beach und auf dem Küstenwanderweg in ca. 12 km wieder zurück nach Port Eynon. Die Busfahrt war wirklich lustig und der Busfahrer ein walisisches Original. Wenn doch nur der Dialekt für uns nicht so schwer verständlich wäre!!!
Der Blick von oben auf den Rhossili Beach wollten wir am liebsten einfrieren und mit nach Hause nehmen, so schön und einzigartig ist der Ausblick. Einer dieser typischen Kalender- oder Postkartenausblicke.
Gleich um die Ecke liegt Worm’s Head, ein Anziehungspunkt der Touristen. Die Wikinger gaben diesem Riff den Namen, da die Gesteinsschichten gut 1 km senkrecht aufgefaltet ins Meer reichen, wie ein Wurmfortsatz.

Worm’s Head

Diese Kalkklippen sind nur bei Ebbe begehbar. Rund um Rhossili findet man eine schroffe Klippenszenarie vor, die sich Richtung Port Eynon hin verändert. Es wird alles steiniger und karger. Nur Erika und Farne und Gräser gibt es dann noch und die Wege sind gesäumt von unzähligen Schafen. Da der Weg meist gerade dahin läuft und kaum Steigungen zu bewältigen sind, kann man sich voll und ganz auf das Panorama konzentrieren. Eine wirklich sehr schöne Küstenwanderung, die Einblick in wieder eine ganz andere Art der Küstenlandschaft gibt.
Zur Three Cliffs Bay sind wir von Oxwich aus gestartet. Einem kleinen Weiler, der über abenteuerliche Wege, da sehr schmale Straßen, zu erreichen ist. In Oxwich ging es erst einmal bei Ebbe gut 3 km am Strand entlang mit Blick auf die tolle Steilküste. Für uns Strandläufer gerade das Richtige. Einmal kurz am Ende eine Anhöhe hoch gekraxelt, einen kurzen Weg auf der Anhöhe gelaufen und schon hat sich uns der sehr romantische Blick auf die Three Cliffs Bay geboten.

Three Cliffs Bay

Das Glück war uns hold –es war Ebbe- und damit konnten wir den rötlich scheinenden Sandstrand bewundern und hatten auch die  Möglichkeit durch den Felsbogen zu schreiten, der sich unter den drei Klippenspitzen in der Mitte der Bucht öffnet. Dreimal darf geraten werden, woher der Strand wohl seinen Namen hat. Das Wetter war uns auf dieser Wanderung leider nicht durchgängig hold. Der Hinweg bei strahlendem Sonnenschein, ¾ des Rückwegs bei Bewölkung bzw. grauem Himmel und der Rest dann bei Regen. Ich scheine aber die Einzige gewesen zu sein, die sich über den Regen aufgeregt hat. Alle anderen sind unbeirrt ihren Tätigkeiten nachgegangen und haben ihre nasse bzw. teilweise durchnässte Kleidung scheinbar einfach ignoriert. Ich glaube, die Engländer haben ein eigenes, ganz spezielles Gen, dass sie gegen Regen immun macht. Wie sagte doch ein Mann, der seinen Drachen steigen ließ, mit breitem Lächeln im Gesicht: August in Wales! Die Wanderung war trotz allem sehr schön und ist nur weiter zu empfehlen.

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Der -vermeintlich- perfekte Übernachtungsplatz in Süd-Wales

Kaum haben wir die imaginäre Grenze zu Wales passiert wähnen wir uns in einer anderen Welt. Alle Straßen- und Hinweisschilder sind nicht nur in englischer Sprache, sondern auch in Walisisch. Der englische Dialekt oder Slang der Einheimischen ist für unsere Ohren nur sehr schwer zu verstehen und ich habe das Gefühl, die reden in einer Sprache, die ich nie gelernt habe. Wenn dann die Unterhaltungen auch noch in walisisch geführt werden, dann ist sowieso alles zu spät.

Nachdem wir einen Tag lang das Wye Valley, direkt an der „Grenze“ gelegen, erkundet haben, hat es uns dann wieder ans Meer gezogen. Die größeren Städte Cardiff und Swansea haben wir dabei ausgelassen. Die Beschreibungen im Reiseführer haben uns nicht wirklich darauf neugierig gemacht und was wir so beim Durchfahren zu Gesicht bekommen haben hat auch nicht dazu beigetragen uns ins Stadtzentrum zu ziehen.

Auf dem Weg nach Southerndown, einer Klippenattraktion an der Südküste von Wales, haben wir uns allerdings die kleine Ortschaft Cowbridge angesehen. Lt. Dumont Reiseführer wird Cowbridge heute gern als Bond Street von Wales bezeichnet und soll ein Ort der Schicken und der Reichen sein mit besten Einkaufsmöglichkeiten im gehobenen Preissegment sowie Gourmetadressen und feinen Weinbars. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen – wann bekommt man schon einmal eine walisische Theatiner- oder Maximiliansstr. zu Gesicht!!! Bei Ankunft in dieser sogenannten Nobelgegend sind uns allerdings erst einmal die Gesichtszüge entgleist und ich habe gleich noch einmal im Reiseführer nachgelesen, ob ich mich evtl. vertan habe. Auch eine Verwechslung mit einer anderen Stadt schied aus – wir waren an der richtigen Stelle bzw. in der richtigen Stadt. Es handelte sich dabei jedoch um eines der typischen englischen etwas größeren Dörfer. Auf der Highstreet waren die aus unserer Sicht ganz normalen und alles andere als gehobenen Läden zu finden. Auch keine Spur von Gourmetadressen und Weinbars. Oder diese haben sich nur gut vor uns versteckt. Auch die Häuser machten nicht den Eindruck, als wenn deren Eigentümer zu den Schönen und Reichen gehören. Was waren wir enttäuscht!!!!

Richtig beeindruckend und keinesfalls enttäuschend war die tolle Steilküste bei Southerdown. Die Kliffs dort bestehen aus Schichten von Kalkstein und Lehm. Der Lehm wurde stellenweise vorne ausgewaschen und so entstand eine wellige und sehr pittoreske Optik. Wir hatten auch den richtigen Zeitpunkt für unseren Spaziergang abgepasst. Nachdem es kurz und heftig geregnet hatte schien dann für den Rest des Tages die Sonne. Aber wie die Engländer tragen wir mittlerweile die untertägigen kurzen oder längeren Regenschauer mit Gelassenheit. Es gibt dann erst mal eine Tasse Tee und bis der getrunken ist scheint auch meist schon wieder die Sonne. Den Gleichmut der Engländer bei Regen werden wir allerdings nie verstehen. Unsereins beeilt sich oder fängt auch gar zu laufen an, wenn es zu regnen oder gar zu schütten beginnt. Der Engländer dagegen fährt mit dem was er gerade macht so fort, als ob die Sonne scheinen würde.

Um den Sonnenschein auszunutzen haben wir dann am späten Nachmittag noch dem  National Nature Reserve in Kenfig einen Besuch abgestattet und einen wunderschönen längeren Spaziergang durch die dortige Dünenlandschaft gemacht. Ich habe selten einen so breiten Dünengürtel gesehen. Am dortigen Parkplatz war –oh großes Wunder- kein Schild etc., dass das Parken über Nacht verboten hat. Die Waliser sind diesbezüglich noch schlimmer als der Rest der Nation. Nachdem die Campingplätze in dieser Gegend nicht gerade üppig gesät sind haben wir beschlossen, hier zu übernachten. Der Parkplatz schien ideal – etwas abseits von der Stadt und von der Straße, eingewachsen und wunderschöner Blick ins Grüne und auf das Meer am Horizont und fast keine anderen Autos. Wir haben uns richtig darüber gefreut, nicht mehr auf Campingplatzsuche gehen zu müssen. Unsere Freude währte aber nur bis ca. 22:00 Uhr. Denn dann tauchte ein Auto der Dorfjugend auf und dieses parkte dann im Dunkeln unweit unseres Kastenwagens mit lauter Musik. Ab und an war das Aufglimmen einer Zigarette zu sehen. Mir Angsthasen war das ganze etwas unheimlich und ich habe mir schon die finsteren Szenarien ausgemalt. Robert meinte dazu nur ganz trocken: Glaubst du wirklich, die hängen rauchend und musikhörend Ewigkeiten vor unserem Auto ab, wenn sie uns ausrauben wollen?! Ich muss gestehen, ich konnte mich dieser Logik nicht ganz entziehen und bin dann früher oder später mit einem leichten Grummeln im Bauch eingeschlafen. Allerdings hat einer von den Scherzbolden es furchtbar lustig gefunden uns um 00:30 Uhr aus dem Schlaf zu klopfen. Bis wir allerdings wach waren und das ganze realisiert haben, ist der „Klopfer“ auch schon mit dem Auto davongebraust. In der Früh waren wir dann allerdings ein wenig gerädert. Dies war das erste Mal – und hoffentlich auch das letzte Mal – das wir auf diese Art und Weise „erfreut“ wurden. So schnell kann sich der anfangs perfekte Übernachtungsplatz ins Gegenteil verkehren.

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(Unfreiwillige tiefere) Erkundung der nördlichen Grenze des Exmoor National Parks

Der Exmoor National Park ist an der Grenze von Somerset und Devon gelegen. Obwohl es hier und da Moorlöcher gibt ist das Exmoor kein Moor- oder Sumpfgebiet. Es besteht aus Waldgebiet, offenen Weideflächen und Flusstälern, in denen sich allerlei Tiere tummeln sollen. Der Nationalpark ist ca. 700 km2 groß und grenzt an der Küste an den South West Coast Path. Dort liegen die Fischerorte Lynton und Lynmouth, die beliebte Ausflugsziele sind. Lynton liegt hoch oben auf einer Klippe und bildet die Wand einer 100 m tiefen Schlucht. Sein Pendant Lynmouth liegt Lynton zu Füßen und schiebt sich an der Mündung des Sturzbaches in den geschützten Talausgang hinein. Zum Glück für „Fußkranke“ sind diese beiden Ortschaften durch eine steile mit Wasserkraft betriebene Klippenbahn verbunden.

Valley of the Rocks

Außerdem gibt es dort auch noch das Valley of the Rocks, dass von Lynton aus sehr leicht und schnell über den Küstenpfad zu Fuß erreicht werden kann. Durch dies alles neugierig geworden, haben wir unweit von Lynton auf einem Campingplatz Quartier bezogen. Am nächsten Tag sind wir dann von dort auf Schusters Rappen nach Lynton aufgebrochen und haben hier einen ersten Eindruck vom Waldreichtum des Exmoors bekommen. Das Grün war überall sehr üppig und reichte von den mit Moosen bewachsenen Steinmauern, den unvermeidbaren Brombeerstauden über sehr große Farne bis hin zu einem sehr dichten Laubwald. Es war wie ein verwunschener Wald und ich habe nur noch darauf gewartet, dass wir an der nächsten Biegung Elfe oder Gnome zu Gesicht bekommen würden.
Bei den Ortschaften Lynton und Lynmouth haben wir uns mal wieder gefragt, was die englischen Massen hier so zahlreich hinpilgern lässt. Sie sind winzigst und bieten neben den unvermeidlichen Nippes- und Krimskrams-Läden, Cafes und Take Aways aus meiner Sicht nichts wirklich Spektakuläres. Alles liegt sehr zentral an einer Straße und die ist gleich abgelaufen.
Auch das Valley of Rocks ließ uns nicht wirklich in Begeisterungsstürme ausbrechen. Im großen und ganzen ist es ganz nett, es reicht aber bei weitem nicht an die tollen und spektakulären Küstenabschnitte heran, die wir bereits auf vorherigen Wanderungen kennengelernt haben. U.E. kann man Lynton und Lynmouth und damit auch das Valley of the Rocks getrost auslaussen.

Panoramaroute zwischen Lynton und Porlock

Keinesfalls versäumen sollte man jedoch die Panoramaroute zwischen Lynton und Porlock. Die ist wirklich einmalig und hat uns sehr gut gefallen. Erst geht es an steil abfallenden Klippen entlang und dann hinauf in die weitläufige Hochmoorebene. Dort leuchtet alles in gelb und violett, denn der Boden ist sehr großflächig mit Erika bedeckt. Die Ortschaft Porlock selbst ist ein Kleinod, das sich seinen Charakter bewahrt hat und einen kleinen Spaziergang lohnt.

Dunster und Minehead markieren die Grenze des Exmoor Nationalparks. Dunster ist eine kleine mittelalterliche wirklich nette Ortschaft die zudem mit dem Dunster Castle aufwarten kann. Das Burgschloss wurde im 11. Jahrhundert erbaut und im 19. Jahrhundert extensiv umgebaut. Das macht es aus meiner Sicht für einen Besuch so interessant. Von außen sieht es aus, wie man sich eine hoch auf einem Hügel thronende Burg aus dem 11. Jh. vorstellen würde. Im Innern erinnert jedoch wenig an eine Burg und man wähnt sich in den Räumlichkeiten eines sehr großzügigen Herrenhauses. Auch das Interieur und die Aufteilung der Räume ist sehr interessant und gibt einen guten Einblick in die damals besser- bzw. höhergestellten Kreise. Es macht Spaß durch die Räume zu wandern und es ist ein wirklich kurzweiliges Vergnügen.

Blick auf Dunster Castle. Im Vordergrund die Dunster Show.

Der Weg zum Schloß bzw. zum Parkplatz war für uns allerdings mit einer eher ungewollten Erkundungsfahrt dieser Gegend verbunden. Gewohnt, dass bei den Schlössern des National Trust immer ein Parkplatz mit dabei ist, haben wir Ausschau nach einer Parkplatz-Beschilderung gehalten. Und sind dann gleich der ersten Beschilderung gefolgt. Dies war dann allerdings der falsche Parkplatz. Kein Problem dachten wir, bei der nächsten Möglichkeit wird gewendet und dann nichts wie ab auf den richtigen Parkplatz. Es kam leider eine Ewigkeit keine Wendemöglichkeit und auf der Gegenfahrbahn staute sich der Verkehr gefühlt kilometerlang. Wenden und hintenanstellen kam dann nicht mehr in Frage. Alles kein Problem dachten wir, dann umfahren wir das ganze halt einfach und sehen so noch etwas von der Gegend. Gesagt und getan. Wir haben allerdings nicht damit gerechnet, dass eine so großzügige Umfahrung notwendig wird. Dreiviertel der Strecke hatten wir auch noch freie Fahrt, aber dann passierte es, wir standen im Stau. Dieses Mal allerdings auf der entgegengesetzten Seite unseres Zielpunktes. Der Verkehr ging quälend langsam voran. Erst kurz vor dem Ziel haben wir die Ursache des massenhaften Verkehrs bzw. Staus herausgefunden. Unterhalb des Schloßes fand die Dunster Show statt. Eine Mischung aus Jahrmarkt, Volksfest und Pferde- und Reitvorführungen, zu denen die Massen nur so strömten. Der ganze Umgehungsspaß hat uns dann 1 ¼ Stunden Zeit gekostet. Unterm Strich wäre es wahrscheinlich schneller gegangen, wenn wir uns in den Verkehr auf der Gegenfahrbahn eingereiht und uns die im nachhinein blödsinnige Idee des Umfahrens gespart hätten. Zu allem Überfluss haben wir dann noch festgestellt, dass der richtige Parkplatz 50 Meter nach der Stelle gewesen wäre, wo wir auf den falschen Parkplatz abgebogen sind. Ganz schön blöd bzw. peinlich., nicht wahr?!

Dafür haben wir dann abends eine wunderschönen Übernachtungsplatz auf einem Campingplatz in Brean direkt am Meer mit phantastischem Meerblick gehabt. Es hat schon was für sich, wenn man gemütlich in seinem Kastenwagen sitzt und von innen den Sonnenuntergang bei einem Glas Wein genießen kann ohne draußen dem Wind trotzen zu müssen.

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Roberts kleines „Missgeschick“ auf der Küstenwanderung rund um Mortehoe

Damit das Zusammenleben auf engem Raum gut funktioniert ist es wichtig, dass die Aufgaben entsprechend verteilt sind und jedem klar ist, was er zu tun hat. Bei uns ist das ganz kinderleicht geregelt: neben Autofahren und dem technischen Equipment ist Robert noch für den Abwasch und die Kamera zuständig – somit für die „Hauptaufgaben“ auf einer Reise; der ganze noch verbleibende „minimale“ Rest fällt in mein Resort.
Gemäß dieser „einfachen“ Aufgabenregelung habe ich für die anstehende Rundwanderung mit Start in Mortehoe eine Brotzeit hergerichtet und den Rucksack gepackt. Von Mortehoe einem wirklich kleinem Dorf an der Nordküste von Devon ging es zuerst über Farmland zur Lee Bay; von dort über den Küstenwanderweg –auch Tarka Trail genannt – über den Bull Point & der Rockham Bay zum Mortehoe Point (insg. ca. 10 km). Nachdem wir schon etwas gelaufen waren ist meinem Göttergatten eingefallen, dass er die Kamera vergessen hat einzustecken. Es geht doch nichts über eine gut funktionierende Aufgabenverteilung! Nun standen wir vor der Frage zurück zum Auto oder nicht.

Geniale Panoramaaufnahme mit dem iPhone

Robert meinte aber sehr überzeugend, dass das Handy ja auch ausreichend für Panoramaaufnahmen ist und etwas anderes ist auf dieser Strecke ja auch nicht zu erwarten. Somit war die Frage geklärt und prompt nahm damit das „Unglück“ seinen Lauf. Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen. Es ist wie mit der Frage nach dem Mitnehmen des Regenschirms. Wenn man ihn den ganzen Tag mit sich rumschleppt, dann regnet es bestimmt nicht. Aber wehe, man hat ihn einmal nicht eingesteckt, dann regnet es zu 100 %. So ist es auch mit dem Fotoapparat. Hat man ihn dabei, dann läuft einem bestimmt nichts Sensationelles vor die Linse. Hat man ihn aber vergessen, dann kommt ein photographisches Highlight nach dem anderen. Aber der Reihe nach. Die Strecke war wirklich sehr schön und abwechslungsreich. Besonders die Felsen im Meer hatten es mir angetan. Bei Ebbe haben sie ihre volle Pracht zur Schau gestellt. Sie waren sehr bizarr geformt. Ein Teil davon hat ausgesehen, als wenn mehrere Stangen Toblerone-Schokolade nebeneinander aufgereiht worden wären. Und ein anderer Teil, als ob Streusel aus Mürbtei am Steilküstenrand platziert worden wären. Bis dahin herrschte in puncto Fotografieren auch noch eitel Sonnenschein.  Aber dann plötzlich habe ich dicke fette Robben unweit des Ufers erspäht. Eine Gruppe von gut 15 Tieren lag faul auf einer kleinen Ansammlung von schiefergrauen mit braunen Algen bedeckten Felsen. Nachdem das Fell der Robben die Farbe dieser Umgebung hatte, waren sie auf den ersten Blick nicht zu erkennen.

Martina beim Betrachten der Robbenkolonie

Ich habe sie nur entdeckt, weil 3 Robben sich im Wasser an den Felsen gesonnt und dabei ihre Köpfe aus dem Wasser gestreckt haben. Durch das Fernglas konnte man sehr gut sehen, wie entspannt die Robben ihr Sonnenbad genossen haben. Der Gesichtsausdruck zeigte Genuss durch und durch. Wie gerne hätte ich dieses seltene Ereignis im Bild festgehalten. Das Handy kommt beim zoomen allerdings ganz schnell an seine Grenzen und so war es nichts mit den Bildern. Ich war vielleicht sauer. Da bin ich mal super nahe dran und kann diesen Moment nicht konservieren. Ich glaube, Roberts Ohren klingen immer noch von meinem Gemotze. Das ist sicherlich schon Strafe genug.

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Tintagel & der Hype um König Artus

In dem wirklich kleinen Ort Tintagel soll in sagenhafter Zeit König Artus gelebt haben. Der Legende nach 473 geboren als Sohn eines cornischen Fürsten auf der weit ins Meer ragenden Felsenburg Tintagel. Neben seiner christlichen Erziehung wird er von dem Hohepriester und Magier Merlin in die „Anderwelt“ eingewiesen. Der Tod erteilt ihn im Kampf an der Slaughter Bridge am Modmin Moor und sein Schwert Excalibur wird von Bevidere in einen nahegelegenen See geworfen. Von Merlin & Excalibur habe sogar ich schon gehört; von dem Örtchen Tintagel dagegen bisher noch nichts, aber auch absolut gar nichts. So klein der Ort auch ist, Parkmöglichkeiten hat er massenhaft – ein Großparkplatz neben dem anderen. Wir bekommen dadurch gleich einen Vorgeschmack darauf, dass Tintagel zu den berühmtesten und meistbesuchten Ortschaften in Südengland zählt und von dem Hype um König Artus lebt. Allerding war um 11:00 Uhr vormittags noch alles relativ ruhig. Ich muss gestehen, dass wir Tintagel nicht wegen König Artus angefahren haben, sondern –wie soll es bei uns auch anders sein – wegen dem phantastischen Küstenwanderweg zwischen Tintagel & Boscastle. Nachdem Boscastle ein Weiler mit ein paar Häusern und mit begrenzten Parkmöglichkeiten ist, kam nur Tintagel als Ausgangspunkt in Frage. Zwischen Tintagel & Boscastle gibt es einen Busverkehr – wenn auch aus meiner Sicht nur einen rudimentären. Nur „alle Nase lang“ geht ein Bus und das auch nicht immer verlässlich, wie die Dame von der Touristeninformation uns mitgeteilt hat. Mein Misstrauen war geweckt, nachdem sie uns nicht nur den Busfahrplan ausgehändigt hat, sondern auch noch zwei Visitenkarten für Taxiunternehmen. Aber auch hier war uns wieder mal das Glück mehr als hold. Gleich gegenüber der Touristeninformation war die Bushaltestelle und 10 Minuten später (+ 15 Minuten Verspätung) kam dann der Bus nach Boscastle. So sind wir dann halt mit dem Bus zuerst nach Boscastle gefahren und an der Küste zurück nach Tintagel gewandert (ca. 9 km) statt umgekehrt.. Bei dieser Wanderung haben wir nahezu alle englischen Wetterzonen durchlebt. Wir wurden durchnässt, vom Wind trockengeblasen und von der Sonne wieder aufgewärmt. Der Weg war es aber wirklich wert. Die Ausblicke sind einfach einmalig und die Felsformationen sind spektakulär und atemberaubend in einem. Der Weg war sehr abwechslungsreich und mit einigen Steigungen versehen. Am Ende in Tintagel hatten wir einen ganz phantastischen Blick auf die Ruinen von Artus Felsenburg; er hätte besser nicht sein können. Wir konnten alles gut überblicken und haben es uns dann erspart Eintritt zu zahlen, um in den Ruinen herumspazieren zu können. Ich kann bis jetzt nicht verstehen, dass die kümmerlichen Überreste dermaßen viele Menschen anlockt und in ihren Bann zieht.

Ich finde es immer wieder unglaublich – kein Küstenabschnitt gleicht dem anderen. Die Fels- und Kliff-Formationen sind immer unterschiedlich; sei es in Ihrer Anordnung oder in der Form der Felsen/Klippen. Auch die Landschaft drum herum ist immer wieder anders – Heidelandschaft, Farnwiesen mit den unvermeidbaren Brombeerhecken, Farmland, Weidegrund etc.. Ganz zu schweigen von der Stimmung, die das jeweilige Wetter/Licht mich sich bringt. Wir haben den Eindruck, dass jeder Küstenabschnitt seiner eigenen Dramaturgie folgt. Das macht das Wandern auf den Küstenpfaden für uns so spannend und es wird uns dabei auch nie langweilig. Ganz im Gegenteil, unsere Begeisterung dafür kennt keine Grenzen.

Ein schönes Beispiel für die Dramatik und Schönheit ist Hartland Quay an der Barnstaple oder Bideford Bay im Norden von Devon. Hier sind die Felsen schroff, sehr bizarr und dabei wunderschön – besonders im Licht der Abendsonne. Wind- und  wellenumtost spritzt die Gischt weit die Felsen hinauf. Ein atemberaubender Anblick. Auch hier wollten wir eine besonders empfohlene Strecke des Küstenweges laufen – vom Hartland Quay zum Hartland Point. Aber uns hat leider das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Kaum auf dem Weg und noch keine 10 m vom Auto entfernt kam ganz plötzlich ein dermaßen heftiger Regenschauer, dass wir sofort bis auf die Haut durchnässt waren. Statt Wandern stand dann erst einmal Teetrinken auf dem Programm. Das ist der Vorteil, wenn man mit dem Wohnmobil bzw. Kastenwagen unterwegs ist. Man kann sich bei schlechtem Wetter ein schönes Plätzchen suchen und es sich richtig gemütlich machen. Und das haben wir dann für den Rest des Tages auch ausgiebig gemacht.

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