Aufregender Einsatz der Royal Navy Rescue an den Bedruthan Steps

Der einladende Strand an den Bedruthan-Steps ist nur bei Ebbe begehbar. Wer nicht rechtzeitig wieder über die steile Treppe nach oben kommt, hat ein Problem.

Ca. 10 km südwestlich von Padstow liegen die Bedruthan Steps. Es handelt sich dabei um wirklich riesige Granitfelsblöcke in sehr bizarren Formen, die bei Ebbe aus dem Sandstrand hervorragen. Auf Ihnen ist der Legende nach der cornische Riese Bedruthan mit großen Schritten aus dem Meer aufs Land geschritten. Was soll ich sagen, der Anblick dieser sehr bizarren Gesteinsformationen vor der schroffen Felsküste ist wirklich grandios und etwas Besonderes. Bei Ebbe kann man am Strand spazieren gehen. Es wird überall darauf hingewiesen, dass dies kein ungefährliches Unterfangen sein kann und dass man unbedingt auf den Gezeitenwechsel zu achten hat. Wir hatten Glück, wir waren genau zum Höhepunkt der Ebbe zur Stelle und konnten uns die Felsen ganz sicher von nahe ansehen.

Porthcotan ist nur einer der vielen Surfspots an der Küstenlinie.

Besonders zu empfehlen ist der Küstenwanderweg von den Bedruthan Steps nach Porthcotan. (ca. 11 km hin und zurück). Die Ausblicke und die Panoramen, die sich auf diesem Weg bieten, sind wirklich einzigartig. Das aufgewühlte Meer und die Wellen die sich an den im Wasser liegenden Felsformationen brechen und ihre Gischt aufwirbeln haben uns einfach nur begeistert. Auch der Strand von Porthcotan in einer Bucht gelegen und von schroffen Felsen umgeben ist einmalig schön. Dieser Küstenabschnitt ist Dramatik pur.
Kurz bevor wir auf dem Rückweg wieder am Parkplatz angekommen sind wurden wir auf lautes Rotorengeräusch eines Hubschraubers aufmerksam.

Der Rettungshubschrauber über dem überfluteten Strandabschnitt bei bei den Bedruthan Steps.

Wir konnten es kaum glauben als fast auf unserer Höhe unweit des Klippenrandes am Meer ein Hubschrauber der Royal Navy Rescue auftauchte und das Meer absuchte. Immer wieder flog er eine Kurve und kam immer wieder auf unsere Höhe zurück. Mittlerweile haben sich auch noch andere Schaulustige eingefunden und so stand dann am Klippenrand ein gar nicht so kleines Grüppchen. Auf einmal flog der Hubschrauber ziemlich nah an die Klippen heran. Aus meiner Perspektive sah es so aus als würde er gleich mit seinen Rotorblättern den Fels berühren und mir ist fast das Herz stehen geblieben. Ich konnte es gar nicht glauben als sich in dieser Position jemand aus dem Helikopter abgeseilt und auf einen schmalen Felsgrat der in eine Höhle hineinführt absetzen hat lassen.

Punktgenaues Abseilmanöver in die Felsspalte (im Bild oben rechts).

Nach ca. 10 Minuten kam der Retter über den Zugang zu den Bedruthan Steps wieder unverrichteter Dinge zurück an den Klippenrand – die Höhle hatte zu dieser Seite hin einen Durchgang. Mittlerweile waren am Klippenrand auch Mitglieder der Coast Guard in ihren blauen Overalls und mit Helmen aufgetaucht. Wenn wir die Satzfetzen rund um uns herum richtig gedeutet haben, dann hat jemand gemeint eine Person gesehen zu haben, die von der Flut überrascht wurde und sich scheinbar in die Höhle gerettet hat. Gott sei Dank war es ein Fehlalarm oder die Person konnte sich über den Ausgang auf der anderen Seite in Sicherheit bringen. Das Ganze war auf jeden Fall eine Riesen-Aktion und ich muss sagen, dass ich von der Professionalität dieses Einsatzes schwer beeindruckt war.

Knapp über dem Meeresspiegel.

Der Pilot des Helikopters hatte wirklich einiges drauf und ich habe auch große Hochachtung vor der Person, die sich in dieser schwierigen Lage abgeseilt hat. Um solche Einsätze zu vermeiden ist es wirklich wichtig, die Warnhinweise und Verhaltensregeln einzuhalten bzw. ernst zu nehmen, auch wenn sie einem vielleicht im ersten Moment übertrieben erscheinen. Wie heißt es immer so schön: „Sicherheit ist die Mutter der Porzellankiste“.

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Touristenrummel hoch 3 zur Hauptsaison in St. Ives

Nachdem uns vor 17 Jahren St. Ives so gut gefallen hat, war für uns die Wiederholung ein Muss. Entsprechend vor dem Ansturm der Massen vorgewarnt, sind wir bereits um 10:00 Uhr in St. Ives eingefallen, um noch einen Parkplatz zu bekommen. Und wir waren damit wirklich gut beraten, denn der Parkplatz war kurz darauf schon fast voll.

St. Ives ist für viele der Inbegriff Cornwalls und gilt als der schönste Ferienort an der Westküste, gesegnet mit wunderbaren Sandstränden. Der Fischerort St. Ives wurde berühmt durch die zahlreichen Künstler, die sich hier um 1900 niedergelassen haben. Wir konnten uns von damals noch an die zahlreichen Galerien mit interessanten Bildern und Skulpturen erinnern. Auch die Tate Gallery unterhält hier eine Dependance.
Der Anblick von oben auf St. Ives ist der gleiche geblieben und er ist auch nach wie vor wunderschön. Das restliche St. Ives haben wir allerdings nicht mehr wiedererkannt. Mittlerweile hat sich die Ortschaft noch mehr auf Touristen eingestellt. Es gibt unten am Hafen ein Restaurant, Fast Food Laden, Bekleidungs- und Nippes-Laden neben dem anderen und dahinter sogar eine kleine Fußgängerzone mit diversen Geschäften. Richtig interessante Galerien sind mittlerweile an einer Hand abzuzählen. Die meisten haben alle irgendwie das gleiche -hauptsächlich irgendwelche Drucke und Fotographien- und sind auf den Massengeschmack ausgelegt. Man hat den Eindruck, dass die Mehrzahl der Cottages in den gewundenen Gassen als Unterkunft für die Touristen dienen und nicht mehr selbst von den Einheimischen bewohnt wird. Die Strände sind so gut besucht wie eh und je. Es macht trotzdem nach wie vor sehr viel Spaß sich am Hafen an der Promenade und durch die verwinkelten Gassen treiben zu lassen sowie das Treiben an den Stränden zu beobachten. Trotz des wirklich sehr hohen Besucherandrangs strahlt St. Ives noch seinen eigenen besonderen Charme aus.

Zu Mittag waren wir dann von den ganzen Eindrücken und von den Heerscharen an Touristen so erschöpft, dass wir einer ordentlichen Stärkung bedurften. Sehr zur Freude von Robert gab es endlich Lokale, die den Fisch nicht nur paniert auf den Tisch bringen, sondern auch als Ganzes gegrillt. Ich dachte mir, dass ein gutes Fischlokal sicherlich auch gute Fish & Chips hinbekommen und dass ich es noch einmal mit dem „Nationalgericht“ der Engländer versuchen sollte. Da habe ich allerdings falsch gedacht und meine Wahl hat sich im Nachhinein als Fehler herausgestellt. Der Fisch war einfach nur fade und die Pommes so la la . Ich denke, meine Fish & Chips-Zeiten sind endgültig vorbei. Was hatte ich als Teenie doch nur für einen Geschmack?! Ich kann gar nicht glauben, dass es mal eine Zeit gab, wo ich auf dieses Gericht ganz wild war. Na Gott sei Dank haben sich die Zeiten nun geändert.

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Die verlorenen Landschaften des Zinnbergbaus rund um St Just

Das alte Bergbaurevier St Just ist eines der ältesten Gebiete der Zinn- und Kupfergewinnung aus Hartgestein in Cornwall. Die Zeugnisse der vergangenen Zeit, in der der Bergbau der Lebensnerv dieser Region war, sind noch vielfältig an den Küsten zu sehen. An sehr vielen Stellen stehen noch Kamine bzw. Schlote und Überreste von Gebäuden. Um 1850 erreichte der Zinn- und Kupferbergbau seinen Höhepunkt und  Cornwall deckte zwei Drittel des Weltbedarfes – kaum zu glauben, nicht wahr. In den Minen um Redruth, Camborne, Helston und St Just arbeiteten über 50.000 Menschen, darunter auch sehr viele Kinder, die dort bereits mit 8 Jahren angefangen haben. Die Bergleute haben sogar Schächte abgetäuft und Sohlen getrieben, die unter dem Meeresboden liefen. Dies sind die Unterwasserminen, die die Geschicklichkeit der kornischen Bergleute herausforderten und das Bergbaurevier in der ganzen Welt berühmt machte.

Die Levant Tin Mine im Abendlicht.

Eine der dabei erfolgreichsten Unternehmen war die Levant Mine, die heute noch zu besichtigen ist bzw. das was von ihr noch übrig ist. Unter den Fittichen des National Trust werden die letzten Überreste gut bewahrt und die Geschichte der Levant Mine beschrieben. Besonders stolz sind sie auf die noch im Original vorhandene & immer noch funktionierende Balkendampfmaschine, die von 1840 bis 1930 ununterbrochen in Gebrauch war. Mit sehr viel Liebe zum Detail wird die Funktionsweise der Maschine erläutert und dann zur Krönung die Maschine selbst zum Laufen gebracht. Auch die Führung durch die „Überbleibsel“ ist sehr interessant und kurzweilig. Man merkt, dass der Führer mit Leib und Seele dabei ist und ein enormes Wissen über die damalige Zeit hat. So romantisch einem die Überreste dieser einst so erfolgreichen Mine auch erscheinen mögen, so war es damals doch eine schweißtreibende und sehr gefährliche Arbeit. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag nur bei 47 Jahren.

Gleich um die Ecke von der Levant Mine gibt es noch die Geevor Tin Mine zu besichtigen, die bis 1990 in Betrieb war und jetzt ein Heritage Center darstellt. Leider wurden oder mussten viele der Maschinen verkauft werden, um die Gläubiger zu befriedigen.

Kornische Minenarbeiter hat es sogar bis nach Mexiko verschlagen. Zu Ehren dieser Männer wurde der Schacht „Wheal Mexico“ genannt.

Es ist allerdings noch genügend vorhanden, um sehr anschaulich und eindrucksvoll die einzelnen Stationen der Erzgewinnung darzustellen. Wenn man sich so alles ansieht, wächst der Respekt vor dieser Tätigkeit noch einmal. Auch im 20ten Jahrhundert war die Arbeit unter Tage kein Zuckerschlecken und reich ist man als Arbeiter damit auch nicht geworden.

Die Besichtigung beider Minen ist zu empfehlen und dies nicht nur, da sie quasi nebeneinander liegen. Die Levant Mine steht für die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts und die Geevor Tin Mine für die Zeit des 20. Jahrhunderts. Somit bekommt man Informationen und Hintergründe zur „alten“ und „neueren“ Zeit und die Besuche beider Minen ergänzen sich damit wunderbar.

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Tolle & beindruckende Küstenwanderungen rund um Lizard Point und Land’s End

Die Besichtigung der Punkte Lizard Point und Land’s End könnte man sich aus meiner Sicht als solche schenken, gäbe es hier nicht besonders schöne Abschnitte des South West Coast Path zu bewandern.

Der Lizard Point auf der Lizard Peninsula ist der südlichste Punkt von Großbritannien und dies scheint alleine schon zu reichen um Heerscharen von Touristen anzuziehen. Zugegebenermaßen ist die Aussicht auf die Klippen schon recht schön und malerisch.

Land’s End ist die westliche Landspitze des United Kingdoms und in Privatbesitz. Der Eigentümer hat Land’s End in einen Rummelplatz verwandelt und so gibt es Restaurants, Shops, Abenteuerspielplätze … und … und. Also alles, was uns praktisch unmittelbar in die Flucht schlägt. Einziges Argument, dieses Fleckchen Erde anzusteuern ist wie gesagt der wirklich sehr schöne Küstenwanderweg.

Wanderung vom Lizard Point zum Kynance Cove & etwas darüber hinaus (ca. 12 km hin & zurück)

Lizard Point mit dem Lifeboat-House im Vordergrund.

Der Ausblick auf die schroffen Klippen und das Meer ist wunderschön. Der Weg ist ohne große Schwierigkeiten sehr angenehm zu gehen und es sind nur ein paar moderate Auf- und Abstiege zu bewältigen. Angenehm ist auch, dass sich die Menschenmassen in Grenzen halten. Hier bewährt es sich mal wieder, dass die meisten Menschen „fußfaul“ sind und die einzelnen Punkte lieber mit dem Auto ansteuern. Bei Kynance Cove geht der Rummel dann wieder los. Obwohl der Strand dort sehr winzig ist, scheinen sich hier alle Touristen & Einheimischen der Gegend zum Baden und Sonnen zu versammeln.

Wo es ein Stückchen Strand gibt, wird er auch schon von den Engländern besetzt.

Es ist witzig zu sehen, wie sie hier wie die Sardinen in der Büchse nebeneinander liegen. Aber sobald man von dort weiter Richtung Mullion Cove wandert senkt sich schon wieder Ruhe und Einsamkeit über den Küstenweg. Die meisten Wanderer scheinen nur bis Kynance Cove zu gehen. Auch auf dem weiteren Weg bleibt die Dramatik der steil abfallenden Felsen mit der sie umspülenden Gischt bestehen.

 

Wanderung von Land’s End nach Porthcurno (ca. 16 km hin & zurück)
Diese Wanderung übertrifft aus unserer Sicht die vorherige noch bei weitem. Auch hier ist wohltuend wenig los. Der Rummel konzentriert sich auf die „Attraktionen“ von Land’s End.

Heidelandschaft bei Lands End.

Man wandert hier auch wieder am Rand der Klippen entlang, hat aber zur Landseite hin eine farbige Heidelandschaft – überall gelbe und violette Farbtupfer. Wir konnten uns gar nicht satt sehen und ich war bzw. bin noch immer hin und weg. Auch die Felsformationen stellen sich anders dar. Waren es rund um den Lizard Point steil abfallende Felsen „im Ganzen“, so schauen die Felsen rund um Land’s End aus als hätte sie jemand in handliche Stücke gesägt und wieder zusammengesetzt. Ein sehr pittoresker Anblick. Auch sind die Felsen vom Meer hier sehr ausgewaschen und man kann die eine oder andere Grotte erkennen. Sogar eine Felsbrücke ähnlich dem Durdle Door (wenn vielleicht auch nicht mit den gleichen Ausmaßen) ist auf dem Weg zu bewundern. Als Highlight für mich gab es in einer Bucht eine Seehundfamilie (insg. 5 Tiere) beim Sonnenbaden zu beobachten. Die Bucht scheint ihr Revier zu sein, dann auf dem Rückweg 3 Stunden später waren sie immer noch da. Auch auf diesem Abschnitt des Weges und insbesondere am Ziel in Porthcurno liegen wunderschöne

Und wieder eine stark bevölkerte Badebucht.

Strandabschnitte, an denen sich die sonnenhungrigen Massen nur so tummeln. Der Blick von oben auf die von Klippen eingeschlossenen Sandstrände ist auf jeden Fall atemberaubend schön.

Beide Wanderungen sind es absolut wert, daß sie gemacht werden. Hat man allerdings nur Zeit für eine, dann würde ich die Wanderung bei Land’s End absolut vorziehen.

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Nervenkitzel und große (Ver)Spannung auf Cornwalls Neben- und Seitenstraßen

Grossbritannien ist ja bekannt für seine nicht gerade breiten Straßen. Aber Gott sei Dank sind die Engländer in der Mehrheit sehr rücksichtsvolle und defensive Fahrer, die lieber einmal mehr stehen bleiben und einen passieren lassen. Auch sind die Ausmaße unseres Kastenwagens für die dortigen Straßenverhältnisse ideal, da wir nicht viel breiter als ein normaler PKW sind. Mit einem richtig breiten und langen Wohnmobil wäre mir auf den Straßen Angst und Bang. Die wirklich sehr schmalen und meist nur sehr einspurigen Neben- und Seitenstraßen in Cornwall mit stellenweisen Buchten zum aneinander Vorbeifahren sind jedoch das „Sahnehäubchen“ von allem. Durch diverse Reiseführer und eigene Erfahrungen von vor 17 Jahren wollten wir diese Straßen eigentlich vermeiden. Aber wie das Schicksal nun mal so spielt waren wir unversehens mittendrin. Auslöser bzw. Verursacher war unser „heißgeliebtes“ Navigationssystem (wie haben wir nur früher den Weg zum Ziel finden können…?). Obwohl wir es mit unseren Auto-Abmessungen gefüttert bzw. die Wohnmobil-Navigation eingestellt haben, hatte es nichts Besseres zu tun, als uns über die wirklich sehr schmalen und einspurigen Nebenstraßen zu unserem Ziel zu lotsen. Und Navi-hörig wie wir sind, haben wir es erst gespannt, wie es zu spät war. Ist man erst einmal in die besagte Nebenstraße eingebogen, dann gibt es mangels Wendemöglichkeit auch kein zurück mehr. Da heißt es dann Augen zu und durch. Und die Augen habe ich als Beifahrer mehr als einmal zugemacht. Wir sind gerade noch so durch die Straße gekommen. Unser Auto hätte nicht breiter sein dürfen –  die Außenspiegel haben schon rechts und links die Brombeerranken gestreift. Vor jeder Biegung und vor jeder Anhöhe habe ich „gebetet“, dass uns kein Auto entgegenkommt. Mein Bangen und Flehen wurde beim ersten Mal bis fast vor dem Ziel erhört. Wir mussten/durften nur einmal ein kleines Stück im Rückwärtsgang zurücklegen, da auf unserer Seite die Ausweich-/Vorbeifahr-Bucht näher dranlag. Ich war nach dieser aufregenden Fahrt dermaßen angespannt und verspannt, dass ich eigentlich reif für eine professionelle Massage gewesen wäre. Für den Rest des Tages habe ich auf jeden Fall nichts mehr gebraucht. Und was sagt mein lieber Göttergatte zu mir: „Spatzl, Du musst einfach lockerer werden“. Leichter gesagt als getan! Wir haben unser Glück dann noch ein weiteres Mal herausgefordert. Wir wollten unbedingt die kleine Ortschaft Mousehole sehen, die ebenfalls nur über eine Nebenstraße erreichbar ist. Eigentlich als sehr enge zweispurige Straße angelegt wird diese durch geparkte Autos zum einspurigen Hindernisparcours. Zu allem Überfluss war auch immer reger Gegenverkehr. Es ist allerdings unglaublich mit welch stoischer Gelassenheit die Engländer bzw. in diesem Fall die Menschen aus Cornwall die daraus resultierende Unbill in Kauf nehmen. Da wird im Rückwärtsgang so weit zurückgefahren bis Platz genug für zwei Autos zum Passieren ist und es klappt auch immer irgendwie. Spannend wurde es, als uns ein Doppeldecker-Bus entgegenkam. Aber auch das ging nach einigem Rangieren auf beiden Seiten irgendwie. Auf Dauer ist es jedoch ganz schön anstrengend und nervig. Vor allen Dingen für mich als „uncoolen“ Beifahrer ist das Ganze Stress pur. Ich kann auf diesen Strecken einfach nicht entspannen … wen wunderts?! Aber ich denke, die heutige doch etwas extreme Tour nach Mousehole war auch für Robert grenzwertig, obwohl er ein wirklich guter Autofahrer ist und die einzelnen Situationen mit Bravour gemeistert hat.

Was lernen wir aus all diesen Abenteuern? Verlass Dich nicht allein auf Dein Navi, sondern schaue parallel in den Straßenatlas, auf was für Straßen Dich Dein Navi schicken will – „weiß“ gezeichnete Straßen sind dann am Besten zu meiden.

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Eden Projekt – mittendrin im Regenwald

Im Rahmen des Milleniums wurde 6 km nordöstlich von St. Austell das Eden Projekt verwirklicht. In einer aufgelassenen von den Berghängen eingeschlossenen Kaolingrube sind die größten Gewächshäuser der Welt entstanden, eingebettet in eine sehr schöne Gartenlandschaft. Das ganze steht unter dem Leitmotiv der Nachhaltigkeit und der Wissensweitergabe. Die sehr futuristischen Gewächshäuser haben die Form von aneinandergereihten Kuppeln, die wie gewölbte Bienenwaben aussehen. In den beiden „Biomen“ genannten Gewächshäusern wird einmal der Regenwald dargestellt und einmal eine mediterrane Landschaft. Es ist unglaublich, aber man kommt sich wirklich wie im Regenwald nebst dem dazugehörigen feucht-schwülen Klima vor. Ein lehrreicher Pfad innerhalb des Regenwaldes führt einen stetig nach oben in Richtung Kuppel und gibt einem wertvolle Informationen rund um den Regenwald mit auf den Weg. Typisch England – ungefähr in der Mitte des Weges gibt es einen „Cooling Room“ in dem die Besucher etwas ab- oder „runterkühlen“ können. Das Regenwald-Biom ist wirklich sehr gut gemacht und sehr beeindruckend. Über das mediterrane Biom verliere ich keine allzu großen Worte, denn das hätten sie sich sparen können. Olivenbäume, verschiedene Chili-Pflanzen, Sonnenblumen, Bougainvilla und ein Restaurant gestaltet als griechische Taverne haut wirklich keinen mehr vom Sockel.
Als Besonderheit für die Kleinen und auch die Großen gab es eine Sonder-Ausstellung rund um T-Rex. Und auch hier wieder typisch für die Britten – es gab einen lebensgroßen T-Rex aus Latex in seiner ursprünglichen Umgebung, der sich bewegt und gebrüllt hat. Das Ganze war so echt, dass es ein paar kleine Kinder tatsächlich mit der Angst bekommen haben. Ich selbst habe mich noch nie für Dinosaurier interessiert und konnte daher mit der Ausstellung nicht allzu viel anfangen.

Wenn man den üppig grünen und blühenden Garten rund um die Biome sieht kann man gar nicht glauben, dass es früher eine Kaolingrube war. Nichts, aber auch wirklich gar nichts erinnert mehr daran. Es ist schon unglaublich was mit einem entsprechenden finanziellen Hintergrund (es standen dafür 76 Mio. Pfund zur Verfügung) so alles verändert werden kann. Das Beeindruckendste und aus unserer Sicht lohnendste am Eden Projekt ist das Regenwaldbiom. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob es sich allein dafür lohnt, den mehr als stolzen Eintrittspreis von 23,50 GBP pro Person zu entrichten

Ich neige eher dazu, allen die ähnlich wie ich gestrickt sind, von einem Besuch abzuraten und das Geld lieber in den Besuch einer anderen Sehenswürdigkeit oder Attraktion zu investieren.

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Rauchende Füße auf der Wanderung auf dem South West Coast Path von Looe nach Polperro

Juchhuuuuu, endlich in Cornwall angelangt. Unser erster Stopp galt Looe, dass sich in East und West Looe gliedert, getrennt durch den gleichnamigen breiten Gezeitenfluss. Verwundert stellen wir fest, dass wir an unseren ersten Besuch vor 17 Jahren null Detail-Erinnerungsvermögen mehr haben. Aber auch dieses Mail sind wir vom Ausblick auf die Stadt, deren beide Teile sich die Hänge hinaufziehen, hin und weg. Gerade bei Ebbe, wenn die Fischerboote auf dem Trockenen liegen, hat das ganze noch mehr Charme. Auch hier kann man sich schön durch die wusseligen Gassen treiben und sich eine oder andere cornische kulinarische Spezialität schmecken lassen. Wer Baden möchte, findet sogar einen kleinen Sandstrand. Das Beste an Looe ist aber, dass hier der Küstenwanderweg in gut 8 km zum verschlafen wirkenden Nest Polperro führt. Auf dem gut begehbaren Weg hat man immer wieder schöne Ausblicke auf die Küstenabschnitte und es gibt auch immer wieder die Möglichkeit einen Badestopp einzulegen, z.B. in der Talland Bay. Der Blick, der sich dann am Ziel von oben auf Polperro bietet ist einfach einmalig und hat mich zum Dauer-Schwärmen verleitet. Polperro ist Romantik pur und sicherlich die richtige Lokation für eine Schmonzette a la Rosamunde Pilcher. Mittelpunkt von Polperro ist der alte Hafen mit Fischer- und Segelbooten, der zum Meer hin von steilen Felsen umringt und geschützt ist und sich keilförmig in den Ort hineinzieht. Der Ort selbst besteht aus kleinen Cottages, den typisch engen verwinkelten Gassen, kleinen Läden, Pubs und Teestuben. Autos sind aus Polperro verbannt. Richtig bewohnt ist der Ort m.E. nicht mehr, denn die meisten Cottages können als Ferienwohnung gemietet werden Auch wenn hier im Sommer die Touristen nur so einfallen, ist Polperro ein Besichtigungs-Muss eines jeden Cornwall-Urlaubers. Ich glaube es gibt nur wenige Küstendörfer die traumhafter oder idyllischer sind. Und wie gesagt, am schönsten ist es, Polperro über den Küstenpfad erreicht. Die insg. 20 km hin und zurück (incl. Herumlaufen in der Ortschaft) lohnen die Mühe in jedem Fall. Ich muss allerdings gestehen, dass uns unsere Füße am Abend doch ein wenig geschmerzt haben. Wir sind das Laufen einfach nicht mehr gewohnt. Wird Zeit, dass wir hier in Cornwall wieder mit dem Wandern anfangen.

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Erkundung von Teilen der englischen Riviera mit dem Round Robin Ticket

Der etwa 30 km lange Küstenstrich der Torbay zwischen Exmouth und Dartmouth an Devons Südküste wird die englische Riviera genannt. Sie ist – wen wunderts?!- eine der beliebtesten Ferienregionen Englands.

Wir haben im Reiseführer von der Möglichkeit des Round Robin Tickets gelesen und spontan beschlossen genau mit diesem die Gegend um Dartmouth und den Fluss Dart zu erkunden. Das Round Robin Ticket setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, besser gesagt aus deren 4 – einer Busfahrt von Paignton nach Totnes, von dort mit dem Schiff nach Dartmouth, von dort wiederum mit der Fähre nach Kingswear und last but not least von Kingswear mit der Dampfeisenbahn zurück nach Paignton. Richtung und Aufenthaltsdauer sind frei wählbar, wobei die Richtung letztendlich vom Fahrplan bestimmt wird. Wir sind von Richtung Paignton mit dem Bus nach Totnes gestartet und haben dann die Tour wie oben aufgelistet durchgeführt. Paignton haben wir als furchtbaren richtig rummeligen Badeort empfunden. Der Pier und der Vergnügungspark scheinen die „amusement-“willigen Engländer nur so anzuziehen. Damit diese auch angemessen versorgt werden können mit allem was der urlaubende Engländer so braucht ist die Straße mit den ganzen Nippes- und Schnickschnackläden sowie den Fast Food-Buden auch nicht weit. Einfach nur schrecklich!!!

Aber nun wieder zurück zur Fahrt mit dem Round Robin Ticket. Der Höhepunkt für uns war die 75minütige Schifffahrt auf dem Dart. Die Flussufer sind unheimlich grün und üppig und bieten vom Boot aus teilweise einen dschungelähnlichen Anblick. Die Herzen von Vogelfreunden schlagen deutlich höher bei der Menge an Wasservögeln, die dort zu beobachten sind. Mein Herz hat beim Anblick eines Seehundkopfes, der unweit vom Boot seinen Kopf aus dem Wasser gestreckt hat, einen deutlichen Begeisterungshüpfer gemacht. Die Einfahrt in den Hafen von Dartmouth ist einfach grandios. Rechterhand die sich nach oben ziehenden Häuser von Dartmouth und linkerhand die bunten Häuser von Kingswear. Dazwischen der geschäftige Hafen mit Segelbooten und Personenfähre. Dartmouth ist ein wunderschönes Städtchen mit verschachtelten Gassen, alten Fachwerkhäusern, interessanten Galerien und den typischen Läden einer Ortschaft am Meer. Das ganze auch noch malerisch den Hang hinaufgebaut. Hoch über dem Ort thront das Britannia Royal Naval College, im dem alle männlichen Mitglieder der Royal Family, von Prinz Philip bis Harry, ihre Offizierstraining in der Kriegsmarine absolviert haben. Der Blick insbesondere vom Wasser ist so schön und idyllisch, das es uns nicht verwundert, dass hier die Touristen in Massen einfallen bzw. dort hingebracht werden.

Auch die Fahrt mit der Dampfeisenbahn zurück nach Paignton war ein Erlebnis. Während der 35minütigen Fahrzeit ging es erst am Ufer des Flusses Dart entlang und dann an den weiten Stränden und Klippen von Churston und Goodrington Sands. Für letztere saßen wir allerdings auf der falschen Seite des Zuges. Das Abteil war noch von anno dazumal und die Sitzbänke waren schon entsprechend durchgesessen. Alles in allem war es ein erlebnisreicher und lohnender Ausflug, auf dem wir einen Teil der „englischen Riviera“ etwas besser kennengelernt haben.

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Das Wunder von Exeter

Die Art mit dem Kastenwagen zu reisen, wie wir es lieben, ist in England nur sehr schwer umsetzbar. Freies Stehen ist in England unbekannt und es gibt auch keine freien Ent- und Versorgungsstationen. Fast alle Plätze, auf denen man schön über Nacht stehen könnte, sind entweder mit einem Höhenbegrenzungsbalken versehen oder das Parken über Nacht ist ausdrücklich verboten oder das Parken ist nur auf ein paar Stunden begrenzt möglich … oder … oder … Die Engländer sind diesbezüglich sehr erfindungsreich. Also bleibt uns nichts anderes übrig als auf einen Campingplatz  ausweichen wo wir dann intensiv Charakterstudien von englischen Großfamilien im Sommerurlaub vornehmen können.

Genialer Stellplatz in Exeter direkt am Quai.

Freie und noch dazu schöne Stellplätze sind somit Mangelware und es grenzt an ein Wunder so einen zu finden. Ein weiteres Phänomen in England ist, dass 99 % der Parkplätze kostenpflichtig sind und oftmals erst am Abend bis zum frühen Morgen kostenfrei gestellt werden. Einen ganztägig kostenlosen Parkplatz zu finden ist dann das zweite Wunder. Wir konnten unser Glück gar nicht fassen, als uns dieses Doppel-Wunder in Exeter wiederfahren ist. Wir haben durch puren Zufall in einer Sackgasse bei den alten Quay-Anlagen direkt am Wasser an einem Kanal einen freien und noch dazu kostenlosen Parkplatz gefunden, welcher noch dazu sehr zentral zum Zentrum lag. Von unserem Auto aus konnten wir den vielen Kanuten bei ihrer sportlichen Betätigung zusehen und wir hätten nur den Arm ausstrecken müssen, um ihren Booten einen kleinen Schubs zu verpassen. Es war wirklich ein Vergnügen den Paddel-Profis und solchen, die es noch werden möchten, bei ihren sportlichen Anstrengungen zuzusehen. Ein wirklich sehr idyllischer, interessanter und auch noch einigermaßen ruhiger Platz. Genau so etwas wünscht sich unsere Kastenwagen-Seele!!!

Exeter selbst hat uns auch sehr gut gefallen. Es ist für eine Kathedralenstadt sehr schön überschaubar und verwinkelt. Zum Erkunden auf Schusters Rappen geradezu ideal. Und da es neben der Kathedrale keine weiteren großen Sehenswürdigkeiten gibt, kann man sich schön durch den Zentrums-Kern treiben lassen und ein wenig die Geschäfte erkunden. Exeter ist somit ideal für einen ½ Tag und kann gut auf der Durchreise von oder nach Richtung Cornwall besichtigt werden.

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Ansturm der „schmerzfreien“ englischen Massen in der Hochsaison

Die Engländer sind für uns ein eigenes schrulliges aber doch liebenswertes Völkchen. Was uns immer wieder verwundert um nicht zu sagen sogar in höchstes Erstaunen versetzt, sind die Vorlieben der Briten und mit welcher Begeisterung sie diesen frönen. Ich denke, die bekannteste Vorliebe sind Fish & Chips mit Essig und Salz. Wenn diese gut zubereitet sind – was aus meiner Sicht in den wenigsten Fällen der Fall ist – kann ich das noch ganz gut nachvollziehen. Für den Afternoon Tea mit Sandwich bzw. Scones mit Marmelade und Clotted Cream (Cream Tea) können wir uns auch erwärmen. Auch das disziplinierte Schlangestehen ist sehr sinnvoll. Soviel so gut. Der Engländer scheint seine Freizeit und insbesondere seinen Urlaub gerne am Strand mit einarmigen Banditen, Bingo und allen anderen nur erdenklichen Daddel-Spielen zu lieben.

Strandgetümmel in Weymouth

Im Sommer und insbesondere in der Hoch-Saison, in der wir uns jetzt leider befinden, scheint es das höchste der Gefühle für den Engländer zu sein, sich in einem Seebad aufzuhalten. Am besten mit Pier und möglichst vielen Daddel-Hallen. Und wenn es schon kein Seebad, dann reicht auch eine nette idyllische Ortschaft am Meer. Der Strand muss auch gar nicht groß sein und das Meer braucht auch nicht einladend zu sein. Der Engländer stört sich u.E. auch nicht daran, wenn er schon halb auf dem Handtuch seines Nachbarn sitzt. Er ist da absolut schmerzfrei. Hauptsache am Bade-/Seebad-Hot Spot mit dabei zu sein, ist die Devise und je mehr Menschen, um so schöner bzw. besser scheint es zu sein. Dies haben wir z.B. erlebt in Weymouth und in Lyme Regis. Trotz des regen Ansturms und der vielen Menschen haben die beiden Ortschaften für uns doch ihren eigenen Reiz ausgeübt. Insbesondere Lyme Regis ist trotz des sagenhaften Touristenrummels ein zauberhafter und verspielter Ort an der Jurassic Coast. Der Blick von der Kaimauer außerhalb des Rummels auf das Örtchen hat uns voll begeistert und eingefangen. Wir können gut verstehen, dass Lyme Regis eine starke Anziehungskraft ausübt. Sehr witzig und pittoresk zugleich finden wir die Badekabinen oder –häuschen, die zahlreich und in bunten Farben an den jeweiligen Promenaden zu finden sind.

Voller Strand auch in Lyme Regis. Nur wenige Kilometer davon entfernt gibt es weite Sandstrände mit nur sehr wenig Besuchern. Muss keiner verstehen?!

Die Masse Mensch am Strand hat uns sehr stark an die Bilder von den überlaufenen und mit Liegen und Sonnenschirmen überhäuften Stränden in Süditalien erinnert. Für uns ist das nichts. Wir bevorzugen die Einsamkeit bzw. Strände, die von wenigen Personen besucht werden. Wir brauchen weder Daddel-Hallen, Fast-Food-Stände noch Läden, die allerlei Nippes & Zubehör für den Strand verkaufen. Wer auf all diese Dinge verzichten kann und auch noch bereit ist ein paar Meter zu laufen, der findet wirklich schöne Strände, an denen man kilometerweit laufen kann. Dies in gar nicht allzu großer Entfernung zu den großen und kleinen Seebädern oder den bekannten Ortschaften am meer, wie z.B. an einigen Punkten der Chesil Bay unweit von Weymouth. Hier haben wir einen wirklich sehr schönen Strandspaziergang gemacht.

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