Die Camargue und die Sache mit der verklärten Erinnerung daran

Die Camargue erstreckt sich von Arles bis an die Küste zwischen den beiden Hauptarmen der Rhône. Es handelt sich dabei um von der Rhône angespültes Schwemmland aus Sand und Kies. Die Küste der Camargue verändert sich ständig und rückt dabei stellenweise bis zu 30 und 40 m pro Jahr ins Meer vor. Geprägt ist die Camargue vor allem durch Sumpfland und Reisäcker.

Wir haben vor einigen Jahren schon einmal die Camargue im Rahmen eines Tagesausfluges besucht und ich war davon sehr angetan. Besonders gut hat mir damals die Ursprünglichkeit gefallen. Auch die Wohnmobile, die direkt am Strand standen, sind mir in Erinnerung geblieben. Sozusagen die Romantik pur. So war ich voller Vorfreude auf unseren erneuten Besuch. Der Start stand allerdings unter keinem guten Vorzeichen. Wir steuerten –bestärkt durch die Aussagen in unserem Womo-Reiseführer- direkt auf den Stellplatz in Les Saintes-Maries-de-la-Mer zu, der damals die wunderbaren Plätze am Strand hatte. Allerdings wich das Drehbuch bereits zu Beginn ab, denn es wurde schon bei der Einfahrt kassiert. Das hätte uns bereits stutzig werden lassen müssen. Voller Vorfreude lassen wir den Asphaltplatz mit den dort dicht an dicht stehenden Wohnmobilen hinter uns und fahren gemäß Beschreibung die Sandpiste weiter um dann unvermittelt vor einer Höhenbegrenzungsschranke zu stehen. Das war dann wohl nichts mehr mit Stehen am Strand und unsere Miene ist uns dann doch ein wenig entgleist. Da wir bereits gezahlt hatten und der Wärter nur Französisch verstand und wir wiederum kein Französisch sprechen, mussten wir gute Miene zum bösen Spiel machen und haben uns auf besagtem Asphaltplatz in die Kolonne eingereiht  – ganz im Sinne, die eine Nacht werden wir schon überstehen.

Lauschiger Stellplatz direkt am Strand 🙁

Pluspunkt dieses ansonst sehr häßlichen Platzes war, dass er unmittelbar am Meer und sehr zentrumsnah lag. Also haben wir das Auto abgesperrt und sind zu einer ersten Erkundungstour ins Zentrum aufgebrochen. Hier setzte sich dann mein Entsetzen weiter fort. ich konnte mich nicht erinnern, dass es hier so touristisch zuging. Die Menschenmassen fielen nur so in die typischen Touristenläden ein und ich fühlte mich wie zur Hauptsaison in Rimini. Also machten wir schnell kehrt und erkundeten das Sumpfland in entgegengesetzter Richtung. Hier wurden wir allerdings heimtückisch von Moskitos angefallen; das Mückenspray lag derweil sicher verstaut im Wohnmobil. Selber schuld! Während unseres Spazierganges kreuzten ganze Heerscharen von Touristen im Gänsemarsch auf dem Rücken von weißen Pferden unseren Weg. Wir konnten uns nicht entscheiden, wer uns mehr leid tat – die Pferde oder die Touristen. Ich konnte mich auch nicht des Eindrucks erwehren, dass es keine wilden bzw. halbwilden weißen Pferde mehr in der Camargue gibt. Vielleicht noch im gesperrten und nicht für Touristen zugänglichen Teil. Einziger Lichtblick dieses Spazierganges waren die überschaubare Menge an Flamingos die in den Tümpeln bzw. Wasserstellen nach Essbarem suchten. Es war sehr interessant diese Tiere zu beobachten. Aufgrund diverser Zoobesuche waren wir der Annahme, dass Flamingos immer lachsfarben sind. Das stimmt aber nicht, die Farbe der Zootiere wird durch spezielle Futterbeimischungen erzeugt. Die Flamingos der Camargue sind fast weiß und nur die Federn der Flügel sind farbig – oben sind sie lachsfarben und unten schwarz. Es ist schon ein besonderer „bunter“ Anblick, wenn der Flamingo mit seinen Flügeln flattert. Amüsant war auch anzusehen wie die Flamingos mit Ihren Krallen den Wasserboden aufwühlten um Nahrung zu finden – von außen sieht es aus, als würden die Vögel besondere Tanzschritte ausführen oder wie beim kneippen Wasser treten. Ich hätte dem Treiben stundenlang zuschauen können, wenn nicht diese grässlichen Moskitos gewesen wären, die dem Ganzen dann doch ziemlich schnell ein Ende bereitet haben.

Ein wunderschöner Abend im La Cave a Huitre!

Gerettet wurde dieser Tag dann doch noch durch ein wunderbares Abendessen in einem ganz kleinen Restaurant (La Cave a Huitre), dass uns zufällig in der nicht kleinen Auswahl an Restaurants in Auge gestochen ist. Die Bewertungen im TripAdvisor waren hervorragend und wir konnten auch noch einen Tisch ergattern. Die Meerestiere waren superfrisch und sehr gut, der Service unaufdringlich und sehr freundlich.

Aussenansicht mit Pferd

Sehr zu empfehlen ist ein Abstecher nach Aigues-Mortes, einer hervorragend erhaltenen mittelalterlichen Stadt, die vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist. Das Besondere an dieser Stadt ist, dass diese nicht historisch gewachsen, sondern im 13. Jh. am Reißbrett entstanden ist. So sind die Gassen bzw. Straßen nicht verwinkelt, sondern wie in New York schachbrettartig angelegt. Obwohl es hier auch von Restaurants und Touristen-Geschäften (hast Du eines besucht, kennst Du bereits auch alle anderen) nur so wimmelt, hat dieses Städtchen sein ganz eigenes Flair und es hat viel Spaß gemacht sich durch die Gassen treiben zu lassen.

 

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