Englischer Wein – gibt es den wirklich und kann das was sein?

Im Herzen von Kent liegt der Weald, ein ehemals dichter Waldgürtel. Aus den Lichtungen, die in den Wald geschlagen wurden, entwickelten sich die Ortschaften und Dörfer. Kent ist aus unserer Sicht der „Getreidespeicher“ Englands, denn überall sind Felder, Weiden, Wiesen und Obstplantagen. Auch der Weald ist davon umschlossen. Die zahlreichen Endungen der Namen auf „den“ (Lichtung), wie z.B. Biddenden & Tenterden sowie „hurst“ (Wald), wie z.B. Lamberhurst und Goudhurst, erinnern an den früheren Waldreichtum. Auf eine separate Rundfahrt durch den High Weald kann man aus unserer Sicht verzichten. Der Weald hält die Sehenswürdigkeiten Scotney Castle & Sissinghurst Gardens parat (mehr zu diesen beiden in einem späteren Eintrag) und beim Ansteuern derselbigen kriegt man automatisch einen guten Eindruck von dieser Landschaft.

Kaum zu glauben, aber wahr  – im Weald ist auch die Weinbrauregion beheimatet. Genauer gesagt liegt in Biddenden das älteste Weingut von Kent und in Tenterden das größte Weingut in Großbritannien. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Auf der Fahrt nach Tenterden haben Robert und ich schon kräftig gelästert, dass der Wein bestimmt ein rechter „Plempel“ ist, denn da, wo neben Obst und Getreide der Wein wächst, kann das bestimmt nichts aufregendes sein. Außerdem haben wir noch nie etwas von englischem Wein gehört. Aber dass muss ja bekanntlich noch nichts heißen.

Informative Führung durch das Weingut.

Wir haben nun eine wirklich sehr interessante und gut gestaltete Führung durch das Weingut „Chapel Down“ gemacht. Dabei hatten wir zwei mal wieder unbandiges Dussel – aufgrund einiger kurzfristiger Absagen waren wir  nur zu viert und hatten damit fast eine Privatführung. Bei der anschließenden Verkostung mussten wir doch glatt unsere Vorurteile über den Haufen werfen und Abbitte leisten. Die Weine waren nicht nur gut trinkbar, sondern der eine oder andere war wirklich excellent (z.B. der Pinot Blanc 2011). Besonders gut waren die Schaumweine die alle nach der Champagner Methode hergestellt werden und den Vergleich mit den großen Champagnern nicht zu scheuen brauchen. Die Weinanbauflächen vor Ort sind nicht gerade groß und die Trauben werden daher auch noch aus anderen Gegenden von England angeliefert.

Die Führung und anschliessende Weinprobe hat nicht nur uns Spass gemacht, sondern auch unserer Führerin. Statt drei Weinen durften wir das gesamte Sortiment verkosten…. Hicks….

Der jährliche Ausstoß dieses größten Produzenten sind über die gesamte Produktpalette hinweg nicht einmal 1 Mio. Flaschen. Da verwundert es nicht, dass der Wein nicht exportiert und komplett in England konsumiert wird. Nun ist uns auch klar, warum es bei uns zum einen keinen englischen Wein zu kaufen gibt und zum anderen die Produktion/der Anbau auf den englischen Geschmack nach spritzigen und frischen Weinen abgestellt ist (z.B. Baccus, Cuvee aus Müller Thurgau, Huxelrebe , Reichensteiner). Die Preise sind leider auch alle im hochpreisigen Segment.
Der Besuch war wirklich eine lehrreiche Erfahrung.

Grillmaster of the Universe!!!

Um den ganzen verkosteten Wein bzw. dessen Alkoholgehalt aufzusaugen, haben wir dann abends schön gegrillt. In England gibt es in jedem Supermarkt eine schöne Auswahl an Lammfleisch und das nützen wir nun weidlich aus. Mit Robert als begeisterten Grillmeister und mir als Salate-Macherin und Fleisch-Vorbereiterin haben wir uns ein wirklich leckeres Essen gezaubert.

Wer braucht da denn noch den      Gourmettempel ….!!!!

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