Fahrt über die Isle Anglesey und entlang der Nordküste von Wales

Anglesey, eine für uns wenig spannende und anziehende Insel

Wie auch schon die Halbinsel Llyn empfanden wir Anglesey ganz oben im Norden von Wales nicht als Highlight. Auch hier gibt es ein paar ganz nette Strände. Aber ansonsten ist die Insel absolut platt und es weht eine steife Brise. Straßen direkt an der Küste gibt es ebenfalls nicht. Einige der Seitensträßchen sind auch hier kriminell eng und nicht für die Befahrung geeignet. Gerade die Straßen zu den vermeintlich interessanten Stellen bzw. schönen Steilküstenabschnitten scheinen davon betroffen zu sein. Sogar ein Kastenwagen ist hier schon zu breit. Oder meine Nerven sind dafür einfach nicht ausgelegt. Wirklich nett anzusehen ist Beaumaris an der Ostküste. Auf Holy Island an der Westküste lässt es sich ganz nett an der Küste wandern. Der berühmte Küstenwanderweg führt auch komplett um Anglesey herum. Richtig spektakuläre Abschnitte konnten wir nicht herausfiltern.

Wanderung zum South Stack, der Spitze von Holy Island auf Anglesey

Wirklich schroffe und stellenweise schon beeindruckende Steilküste findet man auf Holy Island an der Westküste. Ein vielbegangener Weg ist die Route von North Stack nahe der Ortschaft Holyhead zum South Stack. Hin und zurück ein Weg von ca. 3 Stunden Gehzeit. Es geht an der Küste entlang durch eine felsige Gebirgswelt. Diese ist von Heidelandschaft geprägt. Abgesehen von ein paar Steigungen alles sehr angenehm zu laufen. Unangenehm und kalt war leider der Wind. Der pfiff uns kräftig von allen Seiten um die Ohren. Der Himmel war wie üblich wolkenverhangen. Nicht der kleinste Sonnenstrahl schaffte es durch diese graue Schicht um uns ein wenig Aufzuwärmen. Am Ende der Strecke wurden wir dafür mit einem tollen Blick auf South Stack belohnt. Dabei handelt es sich um die südlichste Spitze von Holy Island. Auf dieser steht ein schneeweißer Leuchtturm. Umlagert wird er von Seevogelkolonien. Leider konnten wir nicht erkennen, um welche Spezies es sich handelt. Aber das laute Geschnatter und dass Kommen und Gehen war klar und deutlich zu vernehmen. Da das trübe Wetter uns nicht wirklich Lust aufs Laufen machte, haben wir den Rückweg ein wenig quer über die Höhen abgekürzt und sind nicht mehr den Weg am Wasser entlang. Das Gebiet am Holy Head ist ganz gut erschlossen. Es verlaufen hier mehrere Wege durch die sich verschiedene mögliche Routen ergeben.

Anglesey, Anlandungsstelle von Kreuzfahrtschiffen – kaum zu glauben, aber wahr!

Zu Beginn unserer Wanderstracke hatten wir auch einen schönen Blick auf den Hafen von Holyhead. Und was sahen wir dort vor Anker liegen?! Einer der Kreuzfahrtriesen von Tui „Mein Schiff“. Wir trauten unseren Augen nicht und konnten es im ersten Augenblick nicht glauben. Was wollen 4000–5000 Personen auf der kleinen Insel Anglesey. Wir konnten uns dies im ersten Moment nicht erklären. Die Erkenntnis kam dann aber ganz schnell. Von Anglesey ist man schnell im Snowdonia Nationalpark und auch 2 Burgen von Eduard I. sind nicht weit entfernt. Ist ja dann kein Wunder mehr, dass unsereins Probleme hat, kurzfristig Zugtickets auf den Mount Snowdon zu bekommen. Wenn busseweise die Kreuzfahrttouristen angekarrt werden, haben wir natürlich keine Chance mehr. Einige haben, wie wir auch, die Gelegenheit für eine kleine Küstenwanderung genutzt. Gott sei Dank war dies nicht die große Masse. So war auf dem Wanderweg trotzdem nicht allzuviel los.

Beaumaris Castle, eine weitere Burg Eduards I.

Die kleine Stadt Beaumaris ist -kaum zu glauben- ein touristischer Anziehungspunkt hoch 3. Das Städtchen selbst ist, wie so viele andere englische Städte auch, eigentlich nichts Besonderes. Außer vielleicht, dass sie direkt am Meer liegt. Ansonsten sehr, sehr klein und schnell erkundet. Die Touristen zieht es in dieses Städtchen, um die Überreste von Beaumaris Castle zu erkunden. Wieder einmal erbaut von Eduard I. Dieser war wirklich ein sehr umtriebiger Bauherr. Wales verdankt ihm eine ganze Armada von Burgen. Eine größer und stattlicher wie die andere. Erhalten sind diese jedoch nur noch in Teilen. Beaumaris Castle war angeblich das ehrgeizigste Projekt von Eduard I. Er ließ dafür eigens das hier ursprünglich bestehende walisische Dorf umziehen um einen Burgort nach englischem Muster zu errichten. Angeblich sollte es die größte seiner Festungen sein. Danach sah es für uns von außen allerdings nicht aus. Vielleicht lag es daran, dass die Mauern nicht mehr so hoch vorhanden sind. Oder daran, dass es schwer ist einen Aussichtspunkt zu finden von dem man die Burg als Ganzes sehen kann. Das Wetter war leider auch sehr trüb. Der Himmel grau in grau trug sicherlich auch mit zur wenig erbaulichen Wirkung bei. Das Caernafon Castle, das nicht allzu weit entfernt davon am Rande des Snowdon Nationalpark liegt, hat uns weit mehr in seinen Bann gezogen. Wir empfehlen stattdessen den Besuch dieser Burg/Schloß.

Conwy, die für uns einzig wirkliche Sehenswürdigkeit an Wales Nordküste

Wieder auf dem Festland, ist Conwy die erste und für uns einzige Sehenswürdigkeit an Wales Nordküste. Ein mittelalterliches Städtchen mit einem geschäftigen alten Stadtkern. Umringt von einer gut 1,2 km langen Stadtmauer, versehen mit 22 Türmen und 3 Stadttoren. Wer will, kann die Stadtmauer auch begehen. An der Spitze zum Yachthafen thront das massive und trutzige Conwy Castle. Eine Burg wie aus dem Bilderbuch. Schöner kann eine Burg wirklich nicht eingebettet in die Umgebung sein. Die konzentrische Anlage mit acht gut erhaltenen und sehr gefälligen Rundtürmen bewacht die Mündung des Afon Conwy. Die Burg und die Stadt strahlen überall mittelalterlichen Flair aus. Unwillkürlich hält man in den Straßen Ausschau nach den edlen Rittern mit ihren Knappen. Conwy ist ein Städtchen ganz nach unserem Geschmack. Es bietet die Möglichkeit von Kultur, Geschichte und Bummeln in einem. Zur Erholung hinterher ist auch der schöne Sandstrand bei Conwy nicht weit entfernt. Wem das nicht reicht und wen es nach südenglischer Seebad-Atmosphäre mit all Ihren Auswüchsen dürstet, ist von dort schnell in Llanddudno. Das größte und elegant viktorianische Seebad kann mit einer 5 km halbkreisförmigen Sandbucht aufwarten. Hier ist Jubel, Trubel und vor allen Dingen Massentourismus angesagt.

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