Durdle Door und Lulworth Cove – zwei Zeugnisse für die Gewalt des Meeres

An der Küste von Dorset liegt die Jurassic Coast. Dabei handelt es sich um einen Küstenstrich im Süden von England mit bizarren Gesteinsformationen, weißen Kalksteinfelsen und kreisrunden Buchten. Noch heute kann man hier unzählige Fossilen finden und viele Sammler machen sich am Strand bei Ebbe auf den Weg bzw. die Suche.

Beim Durdle Door handelt es sich um ein von der Natur gebildetes Felsportal oder besser gesagt Felsbogen. Bei der vom Meer ausgewaschene kreisrunden Bucht mit den steil aufragenden Wänden handelt es sich um Lulworth Cove. Beide sind in jedem Reiseführer als das Highlight der Jurassic Coast schlechthin aufgeführt und das merkt man auch am Anstrom der Besucher. Hinzu kommt, dass direkt rund um Durdle Door schöne Badestrände liegen. So mischen sich die Touristen mit den einheimischen Bade-Freudigen. Die Engländer stürzen sich bei jeder –und ich meine damit auch bei wirklich jeder – Wassertemperatur ins Nass. Mir gefriert alleine schon beim Anfeuchten meines großen Zehs das Blut in den Adern ; als so kalt empfinde ich es.

Ich muss sagen, der Anblick des Durdle Doors oben von der Klippe hat schon etwas Besonderes. Wir wurden auf jeden Fall gleich in seinen Bann gezogen. Es ist schon unglaublich, dass die Natur bzw. das Meer so eine geometrische Symetrie geformt hat. Der Mensch hätte es heute mit seinem modernen Werkzeug nicht gleichmäßiger hinbekommen.

Lulworth Cove war für mich dagegen eher enttäuschend. Zum einen ist der Küstenweg von Durdle Door bis dahin (ca. 30 Minuten einfache Gehzeit) m.E. nicht so schön zu Laufen und zum anderen ist es schwer einen geeigneten hoch oben liegenden Blickpunkt zu finden, von dem sich die kreisrunde Bucht als solches in ihrer vollen Pracht erschließt. So habe ich Lulworth Cove als eine von den Touristen überlaufene Bucht erlebt, die auf mich keine Faszination ausgeübt hat. Meine Begeisterung dafür hielt sich auf jeden Fall in engen Grenzen.

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Unfreiwilliges Kennenlernen des englischen Gesundheitswesens

Alle, die sich jetzt fragen „Was hat Robert den nun wieder angestellt bzw. was fehlt ihm denn dieses Mal?“ muss ich leider enttäuschen. In der Vergangenheit war zwar immer Robert der Kandidat der bei den diversen Reisen ärztliche Hilfe brauchte, dieses Mal hat es aber leider mich erwischt. Praktisch über Nacht habe ich aus nach wie vor nicht geklärten Gründen eine dermaßen eitrige Rachenentzündung bekommen, dass klar war, hier helfen nur Antibiotika. Die gibt es leider nur auf Rezept und dieses wiederum gibt es bekanntlich ja nur beim Arzt. Somit stand fest – ein Arzt muss her!! Wo kriegt man nun auf die Schnelle mitten in der Pampa einen Arzt her war nun die vordringlichste Frage. Gott sei Dank konnte der Campingplatz weiterhelfen und das nächste medizinische Zentrum war nicht allzu weit davon entfernt. Eingestellt auf eine lange Wartezeit sind wir dann kurz nach 9:00 Uhr dort aufgeschlagen. Die erste Überraschung kam stehenden Fußes. Nachdem ich mein Begehr nebst meiner Selbst-Diagnose krächzend kundgetan habe, wurde mit mitgeteilt, dass der nächste frei Notfall-Termin erst am späten Nachmittag ist. Da half auch kein mitleiderregender Blick meinerseits und es blieb uns dann nichts anderes übrig, als den Tag auf dem Campingplatz abzuhängen. War für mich ganz gut, da Schlaf ja bekanntlich zur Heilung beiträgt. Die zweite Überraschung kam dann am Nachmittag. Man konnte, wer wollte, über ein Terminal in die Praxis einchecken und kaum habe ich mein Geburtsdatum eingegeben, hieß es dann auch schon am Display „Willkommen Martina Ernst – ihr Termin bei Arzt Dr. Murray ist um 16:20 Uhr und die Wartezeit verlängert sich um 3 Minuten“. So was sollte bzw. müsste es auch bei uns geben. Bin dann super pünktlich drangekommen und war dann auch keine 5 Minuten später schon wieder mit meinem Rezept draußen. Dafür habe ich dann 0,00 GBP bezahlt. Hatte mir extra vorher noch Bargeld besorgt, damit ich die Rechnung gleich bar bezahlen kann. Auch in der Apotheke wollten sie von mir nur die übliche Rezeptgebühr und nicht den wahren Wert der Tabletten. Wie kann das sein habe ich mich gefragt. Schnell den Reiseführer zur Rate gezogen und schon hatte ich wieder was dazugelernt. Die Leistungen des staatlichen englischen Gesundheitswesens National Health Service sind auch für ausländische Besucher zugänglich und die Notfallversorgung bei den niedergelassenen Ärzten oder bei den Unfallstationen der Krankenhäuser kostenlos. Da habe ich ja noch mal Glück im Unglück gehabt.

Allerdings typisch für mich, die Antibiotika, die ich bekommen habe, habe ich erst nach eingehender Internet-Recherche & Prüfung eingenommen. Die knallrote Farbe a la Smarties hat mich doch sehr irritiert und ich möchte ehrlich gesagt schon wissen, was ich da so schlucken soll. Man kann ja schließlich nie wissen … !!!

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Stonehenge – das große Mysterium

Auf dem Weg nach Stonehenge haben wir uns die Kathedralenstadt Salisbury angesehen. Ein wirklich sehr nettes und typisch englisches Städtchen mit einem sehr übersichtlichen Stadtkern. Die Straßen sind klein, gewunden und voller Geschäfte mit ihren typischen eingerahmten Fenstern. Einige der Häuser sind noch die alten Fachwerkhäuser. Überall gibt es Cafes, Take Aways, Pubs etc. und nicht zu vergessen unzählige Secondhand-Läden der einzelnen karitativen Organisationen. Es ist ein einziges lebendiges Gewusel, durch das man sich gut treiben lassen kann. In der Kathedrale waren wir Banausen nur ganz kurz, damit wir mitreden können. Wir haben es ehrlich gesagt nicht so unbedingt mit Kirchen und Kathedralen. Salisbury hat uns wahnsinnig gut gefallen und im Vergleich zu Canterbury würden wir ihr den Vorzug geben.

Aber nun zu Stonehenge, dem mystischsten Ort Englands. Ich war vor genau 30 Jahren das erste Mal dort, kann mich allerdings–abgesehen von den „Steinen“- an das ganze drum herum nicht mehr erinnern. Die Menge an Besuchern lässt vermuten, dass es sich bei Stonehenge, das zum Weltkulturerbe zählt, um die Attraktion Nr. 1 handelt. Was waren hier für Menschenmassen unterwegs und wer wurde da nicht alles hin- und rangekarrt und wir mittendrin. Ich muss gestehen, dass das Beobachten der Besucher mir sehr viel Spaß gemacht hat und mich immer wieder vom wirklich informativen Audio-Guide abgelenkt hat.

Ich bin immer wieder überrascht, wie viel die Archäologen schon herausbekommen haben bzw. was diese aus den Fundstücken herauslesen können. Die große Frage nach dem „warum wurde Stonehenge erbaut“ ist bisher allerdings unbeanwortet geblieben. Es gibt zwar mehrere Theorien, von denen sich noch keine als die letztendliche erhärtet hat. Vielleicht macht das für viele das Mysterium aus.

Es ist schon faszinierend und einzigartig zu welcher ungeheuren Leistung die Erbauer in der menschlichen Frühgeschichte fähig waren.  Auch wir können uns –trotz des ganzen Rummels drum herum- nicht der Faszination entziehen. Es ist schon ein Unterschied, ein Foto von Stonehenge zu sehen oder direkt davor zu stehen.

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Portsmouth – mit Admiral Nelson auf der HMS Victory zurück in die Vergangenheit

Unser Ziel in Portsmouth waren die Historic Dockyards, die alten Werft- und Dockanlagen, die dem britischen Verteidigungsministerium unterstehen. Seit 500 Jahren ist hier die Royal Navy zu Hause und hier ballt sich die Seefahrtsgeschichte Grossbritanniens. Neben Museen, Attraktionen für Groß & Klein und einer Hafenrundfahrt gibt es einige alte Schiffe zu besichtigen – die HMS Victory (Flagschiff von Nelsons Flotte), die HMS Warrior 1860 (Dreimaster mit gusseiserner Panzerung – 1860 vom Stapel gelassen), die HMS Alliance (das einzige noch bestehende WW2 U-Boot) und die Reststücke der Mary Rose (Flagschiff von Heinrich VIII, das 437 Jahre auf dem Meeresgrund lag). An einem Tag ist es nicht möglich alles zu erkunden. Wir wollten keinen 2ten Tag dranhängen, was anhand der Eintrittskarte möglich gewesen wäre und haben uns daher auf die für uns interessanten Attraktionen beschränkt.

Die Besichtigung bzw. der Rundgang durch die HMS Victory hat uns sehr beeindruckt und dies nicht nur wegen Admiral Nelsons Husarenstück in der Schlacht von Trafalgar. Es überrascht mich immer wieder, dass es damals schon möglich war, Schiffe zu bauen, die all diese schweren Kanonen und alles was noch zu einem Kriegsschiff gehört, trage konnten ohne unterzugehen. Auch das Leben auf so einem Schiff war kein Zuckerlecken. Insbesondere die einfachen Seeleute, die auf den Kanonendecks ihren Dienst versahen, waren wirklich arme Hunde. Die Geschichte von Admiral Nelson und seine Rolle bei der Schlacht von Trafalgar wird sehr ausführlich und eindrücklich dargestellt. Ein lebendiges Stück Geschichte wird hier gezeigt.

Nach über 400 Jahren auf dem Meeresgrund wird die Mary Rose nun über mehrere Jahre getrocknet und somit konserviert.

In einem Museum wird der Schiffsrumpf der Mary Rose gezeigt und die rund um ihn gefundenen Ausstellungsstücke. Damit der Schiffsrumpf nicht zerfällt wurde ein neuer Konservierungsstoff entwickelt. Er ist noch nicht frei zugänglich, sondern wird derzeit noch abgeschottet getrocknet. Der Blick darauf ist nur durch Fenster sichtbar. Das ganze ist schon beeindruckend und auch die unter Wasser gefundenen Stücke des täglichen Lebens machen einen neugierig. Dennoch so richtig vom Sockel haut es mich nicht. Denn wer schon einmal die Gelegenheit hatte, die Wasa in Stockholm zu sehen, der wird feststellen, dass diese nur schwer zu toppen ist. Ein echtes Luxus-Problem, dass wir hier haben …!!!!

Im Hintergrund liegt die HMS Illustrious. Der Flugzeugträger kehrte gerade von seiner letzten Fahrt zurück, bevor er ausser Dienst gestellt wird. Die Dame, die uns fotografierte, hatte Tränen in den Augen.

Am schönsten war die Hafenrundfahrt, von der aus die alten Segelschiffe, außer Dienst gestellte Kriegsschiffe und gerade im Hafen ankernde noch aktive Kriegsschiffe zu sehen waren. Wir hatten sogar die Ehre, noch einen Blick auf den Flugzeugträger HMS Illustrious (Die Glanzvolle), einen Veteranen des Falklandkrieges an seinem letzten aktiven Tag zu werfen – am nächsten Tag wurde er außer Dienst gestellt.

Wir hatten wieder einmal einen sehr interessanten und kurzweiligen Tag. Die Historic Dockyards können wir nur weiterempfehlen. Sie sind wirklich für jedermann geeignet und nicht nur für Marine-Freaks.

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Die Qual der Wahl – Cottages, Schlösser, Herrenhäuser und Gärten bis zum Abwinken

Was den Franzosen Ihre Chatéaus sind, sind den Engländern ihre Schlösser und Herrenhäuser nebst den Gärten, ihre Burgen und Cottages. Es gibt sie in einer nicht enden wollenden Hülle und Fülle. Wer möchte kann seine Tour so planen, dass er jeden Tag mind. 2 unterschiedliche Landsitze oder Gärten anschauen kann. Da dies zum einen jedoch ziemlich schnell zu einer Übersättigung und zum anderen bei den nicht gerade billigen Eintrittspreisen zu einem Loch in der Reisekasse führt, haben wir uns entschieden sehr selektiv vorzugehen. Dies ist bei der Vielzahl von Möglichkeiten nicht so ganz einfach; aber wir wollen auch nicht das Auswahlprozedere zu einer Doktorarbeit ausufern lassen. Unsere Wahl ist daher in erster Linie auf Liegenschaften und Gärten gefallen, die im Reiseführer (DUMONT  Reise-Handbuch Südengland) mit den Attributen schönstes, frühestes, traumhaftestes, beliebtestes, weltberühmtes etc. bezeichnet wurden und deren weitere Beschreibung uns angesprochen und neugierig gemacht hat.

Erschwert wird das Ganze auch noch zusätzlich durch die Öffnungszeiten, die alles andere als einheitlich sind. Die einen haben am Montag und Dienstag zu, andere am Mittwoch und Donnerstag und ganz andere haben 7 Tage die Woche geöffnet. Die einen öffnen um 10:00 Uhr, die anderen erst um 11:00 oder gar erst um 12:00. Manche haben sich auch etwas „Besonderes“ einfallen lassen – der Garten wird schon um 10:00 Uhr geöffnet, das Haus oder Schloss erst um 11:00 Uhr. Die Schließungszeiten sind natürlich auch komplett unterschiedlich. Ja, kreativ sind sie die Engländer!!! Aber wir lassen uns davon nicht unterkriegen. Wenn aufgrund der Öffnungszeiten ein Besuch nicht oder nur schwer möglich ist, dann lassen wir es einfach sein. Denn es gibt ja noch mehr als genügend andere Sehenswürdigkeiten – die gehen garantiert nicht so schnell aus!

Um die Kosten einigermaßen in Grenzen zu halten haben wir eine Jahresmitgliedschaft beim National Trust abgeschlossen. Das geht ganz unkompliziert vor Ort bei einer der Liegenschaften und kostet für 2 Personen für 1 Jahr 95,50 GBP. Damit bekommt man bei dessen „Liegenschaften“ freien Eintritt. Und das ist wirklich ein großer Teil des „Angebotes“. Der Erwerb lohnt sich auf jeden Fall. Wir haben die Kosten bereits durch 4 Besichtigungen innerhalb von 2 Tagen hereingeholt. Daran sieht man einmal wie horrend hoch die Eintrittspreise sind. Wer nur 14 Tage unterwegs ist, für den lohnt sich der Kauf eines 14 Tage-Tickets für 2 für 55 GBP über den Britain Shop (www.visitbritain.com)

Nach Leeds Castle haben wir in den letzten Tagen bzw. der letzten Woche nachfolgende Sehenswürdigkeiten besucht:

  1. Penshurst Place in Penshurst (darauf kann verzichtet werden)
  2. Hever Castle in Edenbridge (absolutes Muss!)
  3. Gärten von Sissinghurst unweit von Cranbrook (in erster Linie für Gartenliebhaber)
  4.  Scotney Castle in Lamberhurst (sehr sehenswert)
  5. Bodiam Castle in Robertsbridge (darauf kann verzichtet werden)
  6. Monk’s House in Rodmell (ganz nett – nur, wenn es auf dem Weg liegt)
  7. Petworth House in Petworth (absolutes Muss!)

Aufgrund der Beschreibung im Reiseführer sind wir beim einen oder anderen mit einer großen Erwartungshaltung zur Besichtigung angetreten. Wir mussten jedoch feststellen, daß wir einzelne Attribute nicht immer so ganz nachvollziehen konnten. Aber wahrscheinlich liegt das nur an der fehlenden „Vergleichsmasse“.

Penshurst Place

Blick auf Penshurst Castle.

Dazu heißt es im Reiseführer, daß es eines der schönsten und frühesten Herrenhäuser aus mittelalterlicher Zeit ohne Wehranlagen ist. Zudem sollen die opulenten, formalen Gartenanlagen zu den schönsten noch in England erhaltenen zählen.
Das Herrenhaus war auch wirklich sehr schön anzusehen, aber für uns sah es genauso zauberhaft aus, wie das eine oder andere englische Herrenhaus auch. Vom Mobiliar ist  noch sehr vieles im Original erhalten, was sicherlich den Reiz für den einen oder anderen erhöht und es damit interessanter macht. Der Garten selbst war ganz nett aber aus unserer Sicht alles andere als opulent. Neu und daher interessant für uns war die grundsätzliche Aufteilung des Gartens. Der Garten selbst war von einer Mauer umgeben. Innerhalb der Mauer war der Garten formal in größere und kleinere Bereiche geteilt, die jeweils von einer nicht einsehbaren Hecke oder stark bis nach unten belaubten Bäumen umgeben waren. Wir wussten somit nicht was uns bei einem Wechsel von einem Teil in den anderen Teil des Gartens erwartet. Im Großen und Ganzen war der Besuch ganz nett. Unseres Erachtens hätten wir aber auch nichts Großartiges versäumt, wenn wir dieses Herrenhaus ausgelassen hätten. Wir sind nicht so die künstlerischen Feingeister die einzelne historische Details erkennen können und entsprechend zu schätzen wissen. Für uns ist immer das Gesamterlebnis bzw. der –eindruck entscheidend. Perfekt ist allerdings der Parkplatz von Penshurst Place, auf dem wir die Nacht verbracht haben. Man hat das Gefühl auf einem parkähnlichen Platz zu stehen, den wir auch noch für uns alleine hatten.

Hever Castle

Hever Castle

Angelockt von der blumigen Beschreibung „Hever Castle und seine Gärten sind ein Wirklichkeit gewordenes Eden“ können wir bestätigen, daß es wirklich traumhaft und von großem Reiz ist. Hever Castle vereint die Geschichte zweier sehr interessanter Dynastien – die der Familie von Anne Boleyn, der zweiten Ehefrau von Heinrich VIII und die der Familie William Waldorf Astor. Im 15ten Jahrhundert Wohnsitz der Familie Boleyn hat Heinrich VIII. zwischen den blühenden Obstbäumen um Anne Boleyn, der Tochter des Hauses geworben. 1903 erwarb William Waldorf Astor, der aus einer der reichsten Familien Amerikas stammt, Hever Castle und rettete es vor dem Verfall. Dafür war Ihm war nichts zu teuer oder zu aufwendig. Er wollte in der Burg luxuriös und mit allem Komfort der damaligen Zeit leben; dieser sollte jedoch nach außen nicht sichtbar sein. Äußerlich ließ er die Burg detailgetrau rekonstruieren. Dies ist ihm wirklich sehr gut gelungen. Uns als Besucher sind z.B. weder die Steckdosen, die Heißwassserboiler oder die Wasserrohre aufgefallen. Die rechteckige von einem Wassergraben umgebene  Burg hat innen einen zauberhaften kleinen Innenhof. Die Innenmauern sind wunderschöne Fachwerkfassaden und sehen nicht aus wie klassische Burgmauern, die man normalerweise erwarten würde. Die Inneneinrichtung ist sehr erlesen und aufwendig. Auch als Laien haben wir gesehen, dass hier die besten Kunsthandwerker ihrer Zeit am Wirken waren und vom Hausherren weder Kosten noch Mühen gescheut wurden. Nachdem die Burg zu klein war um Gäste unterzubringen, ließ Astor direkt daneben ein kleines liebliches Dorf mit Cottage-Häusern erbauen, die durch Flure miteinander verbunden sind. Auch der Garten ist wirklich beeindruckend; nicht nur seiner Größe wegen, sondern auch wegen der herrlichen und aufwendigen Anlagen. Astor hat sogar einen riesigen See anlegen lassen.

Der riesige Park um Hever Castle lädt zum verweilen ein.

Hever Castle zeigt wirklich sehr schön was alles machbar ist, wenn Geld keine Rolle spielt. Die über 800 Arbeiter, die 3 Jahre lang mit der Restaurierung der Burg beschäftigt waren und die 700 Männer, die für die Neuanlage der Gärten mit dem künstlichen See und über 500.000 Pflanzen zuständig waren, haben sicherlich ein Vermögen verschlungen. Hever Castle und seine Gärten sind wirklich sehr sehenswert und ihren teuren Eintrittspreis wirklich wert (gehören nicht zum National Trust)

Die Gärten von Sissinghurst

Blick von oben auf die Gärten von Sissinghurst

Diese sind angeblich weltberühmt und inzwischen der meistbesuchte Garten Englands. Bei diesem Garten handelt es sich um einen der typischen englischen Gärten, bei denen es mehrere „Räume“ gibt, die von Buchsbaumhecken, Eibensäulen und niedrigen Ziegelmauern voneinander abgeschirmt sind. Jeder Raum hat eine in Farbe und Duft eigene Bepflanzung, Ich sage dazu immer gepflegte englische Wildnis, da die einzelnen Beete vor Pflanzen überborden und keine Hand mehr dazwischen passt. Ich habe mir den Garten größer vorgestellt aber er ist ein richtiges überschaubares & idyllisches Kleinod. Robert konnte meine Begeisterung nicht so sehr teilen. Er fand den Garten zwar ganz nett, konnte aber nichts Besonderes daran finden. Er vermutet, dass dieser Garten deshalb weltberühmt ist, da er ab 1930 aus dem nichts von Vita Sackville-West und ihrem Mann Harold Nicolson gestaltet wurde. Vita Sackville-West war eine sehr kundige und leidenschaftliche Gärtnerin, die 15 Jahre lang die wöchentliche Gartenkolumne im Observer schrieb und die Leser damit begeisterte. Zudem war sie in eine heftige Liasion mit Virginia Woolf verstrickt. Beides führt bekanntlich zu einer gewissen Bekanntheit und lässt die Massen pilgern.

Der Garten ist durch den Otto-Normalbürger schnell erkundet (wir waren nicht länger als 45 Minuten dort) und nur der Gartenliebhaber bzw. Pflanzenkenner verweilt dort länger. Ich denke, dass daher auch nur bei diesen der Eintrittspreis gut angelegt ist. Es sei denn, der Besucher ist im Besitz der National Trust Karte

Scotney Castle

Scotney Castle

Hier bekommt man nicht nur ein Haus, sondern deren gleich zwei zu sehen. Auf der Spitze des Berges steht das neue Haus, das 1837 von Anthony Salvin im Elisabethanischen Stil erbaut wurde. Unten im „Tal“ stehen noch die Überreste der alten mittelalterlichen Burg umgeben von einem sehr malerischen und romantischen Wassergraben. An diesem idyllischen Anblick konnte ich mich gar nicht satt sehen.

Das „neue“ Haus ist insofern interessant, da es noch bis in dieses Jahrhundert bewohnt wurde und noch das Mobiliar der letzten Bewohner zeigt. Ich habe wieder einmal festgestellt, dass es sich sicherlich toll anhört in einem Schloß zu wohnen, Komfort stellt aber wirklich ein Fremdwort dar. Gerade was das Thema Badezimmer anbelangt. Ich möchte in keinem Fall tauschen. Scotney Castle zeigt sehr schön, was die Bewohner alles so verändert haben bzw. wie es sich in der heutigen Zeit in und mit so einem Schloß oder Herrenhaus leben lässt. Wer das einmal live sehen möchte, dem sei Scotney Castle empfohlen. Auch hier – wie bei allen anderen Sehenswürdigkeiten – sind wirklich in jedem Raum „Freiwillige“ zu finden, die zu allen möglichen und unmöglichen Fragen Antwort geben und auch immer wieder eine gute Quelle für Informationen zum Hintergrund, Details etc. sind.

Ich finde es wirklich schade, dass wir diese Art von Freiwilligendienst nicht in Deutschland haben. Es würde aus meiner Sicht jedes Museum etc. bereichern.

Bodiam Castle

Bei Bodiam Castle handelt es sich um eine wirklich sehr romantische Wasserburg, die von einem idyllischen Burggraben umgeben ist. Von der Burg stehen nur noch die Außenmauern; innen sind leider nur noch Ruinen vorhanden. Der Blick von außen auf die Burg ist einzigartig schön und wir können nachvollziehen, dass es sich dabei um eine der romantischsten Sehenswürdigkeiten in Südengland handelt. Ich bin allerdings kein großer Freund von Ruinen, da ich mir anhand der verbliebenen paar Steine immer nur schwer vorstellen kann, wie der Raum/Bereich früher einmal ausgesehen haben könnte.
Damit beschränkt sich Bodiam Castle auf die Außenfront und nur dafür lohnt es sich m.E. nicht extra hinzufahren. Es gibt genug Bilder, die diesen Ausbund an Romantik zeigen.

Monk’s House

Virginia Woolfs Asche wurde im Monk’s-House bestattet.

Ursprünglich hatten wir das Cottage von Virginia Woolf, der Literatur-Ikone des 20. Jahrhunderts nicht auf unserem Plan. Nachdem wir auf unserem Weg nach Brighton fast daran vorbeigekommen sind und der Eintritt dank der National Trust Karte frei war, haben wir unsere Meinung geändert.

Das Cottage ist wirklich zauberhaft und auch der sehr große dazugehörende Garten hat sein eigenes Flair. Insg. 4 Räume sind zugänglich und verströmen ihren eigenen Charme. Virginia Woolf war  schon zur damaligen Zeit eine sehr fortschrittlich denkende Frau weitab von jeglicher Konvention. Dies zeichnet auch den Einrichtungsstil ihres Cottages aus, der durchaus noch in unsere heutige Zeit passt. Ich würde das Cottage, so wie es eingerichtet ist, sofort als Feriendomizil übernehmen. Es verströmt eine liebevolle, gemütliche und anheimelnde Atmosphäre. Es ist nur sehr schwer vorstellbar, dass Virginia Woolf ihr Leben lang stark von Depressionen gequält wurde und sich 1941 in der Nähe ihres Hauses das Leben genommen hat. Die zugänglichen Räume und der Garten sind sehr schnell besichtigt. Eine Fahrt eigens zum Cottage lohnt unseres Erachtens daher nicht, es sei denn, man ist ein Fan von Virginia Woolf. Liegt es auf der Route so ist es eine schöne & kurzweilige Unterbrechung.

Petworth House

Was für ein tolles Gebäude. Robert und ich waren bzw. sind total begeistert und beeindruckt. So haben wir uns immer die englischen Landsitze vorgestellt. Man läuft erst ein gutes Stück durch den mit alten Bäumen gesäumten Park (in diesem Fall 700m) und hat dann den Ausblick auf das wunderschönes sehr große Haus. Die Dienstboten haben einen eigenen Trakt, der über Tunnel mit dem Haus verbunden ist. Die noble Gesellschaft wollte damals nicht durch die niederen Dienstboten-Tätigkeiten gestört werden. Auf was die damals doch so alles gekommen sind – Snobismus pur kann ich dazu nur sagen. Alle Besitzer von Petworth House waren große Kunstsammler & Mäzene. Das Haus war von vornherein zur Ausstellung der wertvollen Kunstwerke bestimmt.

Das Petworth-House ist eher eine Gemäldegalerie als ein Herrenhaus.

Daher sind die Zimmer alle als Prunkzimmer ausgestattet und nur vom Feinsten. Petworth House beherbergt heute die umfassendste und bedeutendste Gemälde- und Skulpturensammlung in der Obhut des National Trusts. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es gibt keine Absperrungen und sichtbare Sicherungen. Man betrachtet die Bilder (u.a. Unmengen von William Turner, Constable, Reynolds und van Dyck) wie in einem Wohnzimmer und man darf dazu auch noch ganz nahe herangehen. Ein einmaliges Erlebnis.
Hochinteressant ist auch der Dienstbotentrakt, der noch die damalige Küche enthält, die sich über mehrere Räume erstreckt. Bei den Dienstboten gab es eine eigene Hierarchie und es herrschten damals Disziplin und Ordnung. Wehe dem, der in der Hierarchie ganz unten stand. Der musste bzw. durfte für wenig Geld ganz schön schuften. Je weiter oben, um so leichter wurde es und um so mehr Geld gab es. Fast ganz so wie heute ….

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Atemberaubende Postkartenausblicke auf dem South Downs Way zum Beachy Head und zu den Seven Sisters

Vom Pier in Eastbourne besteht die Möglichkeit über Beachy Head und die Seven Sisters Klippen gut 10 km bis nach Exceat zu wandern und von dort mit dem Bus nach Eastbourne zurückzukehren.

Blick von Birling Gap auf Seven Sisters.

Dieser Abschnitt des South Downs Way steht unter Naturschutz, wie überhaupt große Teile des Reit- und Wanderpfades.
Beim Beachy Head, der 163 m steil abfallenden Klippenformation handelt es sich um die höchste Kreideklippe Großbritanniens. Die sieben aufeinanderfolgenden Kalkformationen werden Seven Sisters genannt. Zwischen diesen beiden Attraktionen liegt Birling Gap, ein einstmals verschwiegenes Schmuggler-Versteck.

Nachdem am Samstag Vormittag das Wetter nicht so einwandfrei war und wir auch unabhängig von irgendwelchen Busfahrplänen sein wollten, haben wir diese Wanderung in 2 Etappen gesplittet.

Leuchtturm vor Beachy Head

Birling Gap bildete dabei bei beiden Touren unseren Anfangs- und Ende-Punkt. Sowohl die Tour zum Beachy Head am Samstag als zu den Seven Sisters am Sonntag hat uns sehr begeistert. Der Weg führt in einer sehr starken Wellenbewegung und damit verbunden in einem stetigen auf und ab auf dem Wiesenstreifen an der Klippenabbruchkante entlang und bietet immer wieder atemberaubende Ausblicke auf die Klippen. Viele dieser „Wellen“ sind meist so ausgeprägt, dass oben auf dem Wellenkamm die Spitze des nächsten „Hügels“ zu sehen ist, aber der „Boden“ dazwischen  nicht. Aber die wirklich einmaligen Ausblicke entlohnen für die Mühen und vor lauter Begeisterung darüber nimmt man die Anstrengung als solche gar nicht mehr so richtig war. Die Abbruchkante selbst ist nicht gesichert und ich war immer wieder erstaunt, um nicht zu sagen entsetzt, wie leichtsinnig nahe die Menschen an diese herangehen auf der Jagd nach einem besonders schönen Ausblick bzw. Fotomotiv. Dass dies nicht ungefährlich ist, zeigen die einzelnen kleinen Kreuze am Klippenrand. Wirklich zwei wunderschöne Touren von jeweils 2 bzw. 3 Stunden Dauer, die wir gerne jederzeit wiederholen würden.

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Englischer Wein – gibt es den wirklich und kann das was sein?

Im Herzen von Kent liegt der Weald, ein ehemals dichter Waldgürtel. Aus den Lichtungen, die in den Wald geschlagen wurden, entwickelten sich die Ortschaften und Dörfer. Kent ist aus unserer Sicht der „Getreidespeicher“ Englands, denn überall sind Felder, Weiden, Wiesen und Obstplantagen. Auch der Weald ist davon umschlossen. Die zahlreichen Endungen der Namen auf „den“ (Lichtung), wie z.B. Biddenden & Tenterden sowie „hurst“ (Wald), wie z.B. Lamberhurst und Goudhurst, erinnern an den früheren Waldreichtum. Auf eine separate Rundfahrt durch den High Weald kann man aus unserer Sicht verzichten. Der Weald hält die Sehenswürdigkeiten Scotney Castle & Sissinghurst Gardens parat (mehr zu diesen beiden in einem späteren Eintrag) und beim Ansteuern derselbigen kriegt man automatisch einen guten Eindruck von dieser Landschaft.

Kaum zu glauben, aber wahr  – im Weald ist auch die Weinbrauregion beheimatet. Genauer gesagt liegt in Biddenden das älteste Weingut von Kent und in Tenterden das größte Weingut in Großbritannien. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Auf der Fahrt nach Tenterden haben Robert und ich schon kräftig gelästert, dass der Wein bestimmt ein rechter „Plempel“ ist, denn da, wo neben Obst und Getreide der Wein wächst, kann das bestimmt nichts aufregendes sein. Außerdem haben wir noch nie etwas von englischem Wein gehört. Aber dass muss ja bekanntlich noch nichts heißen.

Informative Führung durch das Weingut.

Wir haben nun eine wirklich sehr interessante und gut gestaltete Führung durch das Weingut „Chapel Down“ gemacht. Dabei hatten wir zwei mal wieder unbandiges Dussel – aufgrund einiger kurzfristiger Absagen waren wir  nur zu viert und hatten damit fast eine Privatführung. Bei der anschließenden Verkostung mussten wir doch glatt unsere Vorurteile über den Haufen werfen und Abbitte leisten. Die Weine waren nicht nur gut trinkbar, sondern der eine oder andere war wirklich excellent (z.B. der Pinot Blanc 2011). Besonders gut waren die Schaumweine die alle nach der Champagner Methode hergestellt werden und den Vergleich mit den großen Champagnern nicht zu scheuen brauchen. Die Weinanbauflächen vor Ort sind nicht gerade groß und die Trauben werden daher auch noch aus anderen Gegenden von England angeliefert.

Die Führung und anschliessende Weinprobe hat nicht nur uns Spass gemacht, sondern auch unserer Führerin. Statt drei Weinen durften wir das gesamte Sortiment verkosten…. Hicks….

Der jährliche Ausstoß dieses größten Produzenten sind über die gesamte Produktpalette hinweg nicht einmal 1 Mio. Flaschen. Da verwundert es nicht, dass der Wein nicht exportiert und komplett in England konsumiert wird. Nun ist uns auch klar, warum es bei uns zum einen keinen englischen Wein zu kaufen gibt und zum anderen die Produktion/der Anbau auf den englischen Geschmack nach spritzigen und frischen Weinen abgestellt ist (z.B. Baccus, Cuvee aus Müller Thurgau, Huxelrebe , Reichensteiner). Die Preise sind leider auch alle im hochpreisigen Segment.
Der Besuch war wirklich eine lehrreiche Erfahrung.

Grillmaster of the Universe!!!

Um den ganzen verkosteten Wein bzw. dessen Alkoholgehalt aufzusaugen, haben wir dann abends schön gegrillt. In England gibt es in jedem Supermarkt eine schöne Auswahl an Lammfleisch und das nützen wir nun weidlich aus. Mit Robert als begeisterten Grillmeister und mir als Salate-Macherin und Fleisch-Vorbereiterin haben wir uns ein wirklich leckeres Essen gezaubert.

Wer braucht da denn noch den      Gourmettempel ….!!!!

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Chartwell – auf den Spuren der persönlichen Geschichte von Sir Winston Churchill

Chartwell, der sehr beeindruckende Familiensitz der Familie von Sir Winston Churchill ist gelegen in Westerham unweit des Hever Castles. Hier lebte er von 1924 – 1965. Das Haus ist größtenteils noch so wie die Familie Churchill es bewohnte. Es ist voller Bilder, Bücher, Fotos und anderer weiterer persönlicher Andenken. Es bietet damit die einmalige Möglichkeit die private und persönliche Seite von Churchill kennenzulernen.
Bis heute gilt er den Briten als die bedeutendste Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts und mir ist, als wenn die Verehrung noch heute in diesem Hause in den einzelnen Ausstellungsstücken zu spüren ist.
Mir war Churchill bisher nur als brillianter Politiker ein Begriff, der u.a. eine außergewöhnliche Rolle im 2ten Weltkrieg spielte. Ich wusste bisher nicht, dass Churchill aus einem Zweig der illustren Familie der Dukes of Marlborough entstammte und damit dem Kreis der Hocharistokratie angehörte. Neu war mir auch, dass er nicht nur ein begnadeter Literat für historische Werk war, dem 1953 der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, sondern auch ein sehr talentierter Maler. Er verfügte sogar über ein sehr großzügiges Studio im Garten, welches ebenfalls besichtigt werden kann. Das Studio enthält nach wie vor eine umfangreiche Ausstellung seiner Werke

Sir Winston war darüberhinaus auch ein begeisterter Gärtner und seine Passion für die Tierwelt und das Wasser, kombiniert mit der Liebe seiner Frau zu Pastellfarben, ließ seinen Garten zu etwas Besonderem werden.

Die nachfolgende Begebenheit belegt aus meiner Sicht ganz gut, dass Churchill ein ausfallend scharfzüngiger im Umgang nicht einfacher Mensch war:
Churchill geht spätnachts angeheitert durch die Flure des Unterhauses und trifft ein sehr puritanisches weibliches Parlamentsmitglied. Diese meinte zu ihm: „Mr. Churchill, Sie sind sehr, sehr betrunken.“ Daraufhin antwortete Churchill: „ Yes Madam, und Sie sind sehr, sehr häßlich“. Nach kurzem Zögern fügte er noch hinzu: „ Aber ich bin morgen früh wieder nüchtern“.

Der Besuch von Chartwell war sehr kurzweilig und ich habe dabei einiges dazu gelernt. Ich fand die einzelnen Räume insbesondere sein Arbeitszimmer hochinteressant. Auch die alten Photographien haben es mir angetan, geben sie doch einen guten Eindruck von der damaligen Zeit. Der Besuch ist u.E. für jederman eine Bereicherung und nicht nur Geschichtsinteressierten zu empfehlen.

 

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Ein kurzweiliger Tag in „The Historic Dockyard“ in Chatham

The Historic Dockyard Chatham. Blick auf die HMS Gannet, eines der ersten dampfbetriebenen Kriegsschiffe und dahinter „The Big Space“. Dort wurde 1905 das letzte Schlachtschiff, die HMS Africa, in Chatham gebaut.

Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich freiwillig und ohne mich zu langweilen  6 ½ Stunden (incl. Mittagspause) in einem Museum oder Ausstellung verbringen würde, dann hätte ich ihn der Lüge bezichtigt. Aber wir haben heute dieses Wunder tatsächlich vollbracht und diese lange Zeit sehr kurzweilig in den königlichen Werftanlagen verbracht. Das 32 ha große Areal sind die weltweit am besten erhaltenen und ältesten Marine-Werftanlagen aus dem Zeitalter der Segelschiffe, die erst 1984 stillgelegt wurden. Neben dem längsten Seilereigebäude der Welt, 3 historischen Kriegsschiffen (U-Boot, Segelschiff und Zerstörer), einer audiovisuellen Show zur damaligen Entstehung der Segelschiffe gibt es auch noch diverse interessante Ausstellungen zu besichtigen. Überall stehen Freiwillige bereit, um mit Begeisterung Fragen zu beantworten – sei es zur Geschichte der Werftanlagen oder zu den einzelnen Ausstellungsstücken.

Die geführte Tour durch das U-Boot Ocelot (1991 außer Dienst genommen) hat mich besonders beeindruckt. Es ist im U-Boot so was von eng, dass man gerade genug Platz hat um zu Laufen, aber zu mehr auch schon nicht. Überall sind Rohre, Leitungen, Knöpfe, Schalter, Hebel, Maschinen und vieles mehr. Dass sich hier noch jemand auskennt grenzt aus meiner Sicht an ein Wunder. Die 30 Minuten im U-Boot haben gereicht um bei mir Beklemmungen auszulösen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es ist, sich wochen- oder gar monatelang dort aufhalten zu müssen, noch dazu wo es keine Privatsphäre gibt.

Auch besonders hervorzuheben ist die audiovisuelle Show zur Entstehung der Segelschiffe. Das ganze war so gestaltet, dass es für den Besucher den Anschein hat, er wäre mittendrin in der Geschichte. Wie bei der Geisterbahn auf dem Rummelplatz wurde man von Raum zu Raum gelotst. Jeder dieser Räume ist ausgestattet, wie in der damaligen Zeit und wird begleitet von einem Film, der die jeweilige Geschichte bzw. Hintergründe erzählt. Genauer gesagt begleitet man auf dieser Tour einen ehemaligen Schiffsbauer und seinen Enkel durch die damalige Werft und lernt dabei ganz nebenbei einiges über den Schiffsbau kennen. Das muss man den Engländern lassen, die wissen eine Ausstellung wirklich lebensnah und kurzweilig zu gestalten.

Hier wurden die Taue für die Schiffe hergestellt.

Einziger Wehrmutstropen war die Führung in der Seilerei. Nicht dass es nicht sehr interessant gewesen wäre – ganz im Gegenteil – wir haben leider nur so gut wie nichts verstanden. Die Tour-Führerin hat dermaßen schnell in ihrer eigenen Art gesprochen, dass wir uns gefragt haben, kann das wirklich Englisch sein. Nachdem die Muttersprachler allerdings alle folgen konnten, muss es dann doch an uns gelegen haben. Ich kann nun alle Ausländer besser verstehen, die mit ihrem gelernten Hochdeutsch an all unseren verschiedenen Dialekten verzweifeln. Aber Gott sei Dank haben die Ausstellungs- und Demonstrationsobjekte für sich gesprochen und wir konnten auch noch einiges über die Schautafeln an Informationen mitnehmen.

Uns hat die königliche Werftanlage wirklich wahnsinnig gut gefallen. Aus unserer Sicht steht sie zu Recht auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Welterbe. Wir möchten daher jedem, der sich irgendwann in dieser Gegend aufhält, einen Besuch ans Herz legen. Es lohnt sich und wirklich jeder kommt auf seine Kosten!

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Leeds Castle – nach eigener Aussage „The Loveliest Castle in the World“

Blick auf Leeds Castle

10 km von Maidstone entfernt liegt Leeds Castle. Für viele Engländer ist es die schönste Burg Englands. Eingebettet in einen riesigen Park liegt es auf zwei Inseln und ist von einem natürlichen Wassergraben des Flusses Len umgeben. Das ganze wirkt schon sehr anmutig und lässt einen verstehen, warum die Engländer gerade dieses Schloss so lieben. Aber ob es wirklich das wunderschönste Schloss der Welt ist, liegt doch sehr stark im Auge des Betrachters. Unsereins ist nach dem Besuch der diversen Schlösser der Loire etwas verwöhnt. Dennoch finden auch wir Leeds Castle zauberhaft und es ist schon etwas Besonderes. Gerade die englischen Gärten bzw. Parks sind immer eine Pracht für sich und strotzen vor „britischem Understatement“. Das gilt auch für den 200 ha großen und von Capability Brown angelegten Landschaftsgarten. Trotz des horrenden Eintrittspreises von 19 GBP pro Person ist Leeds Castle u.E. einen Besuch wert. Besonders interessant war für uns über das Leben von Lady Olive Baillie zu erfahren, der letzten Privateigentümerin des Schlosses, die reich geerbt hatte und mit diesem Geld das Schloss von Grund auf renovierte. Dafür hat sie die besten französischen Architekten und Designer beschäftigt. Es ist unglaublich was schon zur damaligen Zeit (ab 1926) alles möglich war, wenn Geld keine Rolle spielt. Dabei verblasst geradezu die große Geschichte des Hauses, demnach sich das Schloss in 150 Jahren im Besitz von 6 Königinnen des Mittelalters befand (Eleonore von Kastilien, Margarethe von Frankreich, Isabella von Frankreich, Anna von Böhmen, Johanna von Navarra und Katharina von Valois). Und nicht zu vergessen, Heinrich VIII., der das Schloss oft zusammen mit Katharina von Aragon besuchte, um von dort nach Hever Castle zu eilen, wo er mit Anne Boleyn herumturtelte. Bei Anne Boleyn und ihrem Schicksal werden bei mir doch direkt Erinnerungen an meine Schulzeit bzw. an den Geschichtsunterricht wach. So wird ein Stück Geschichte für mich lebendig und verliert damit etwas von seiner damaligen „Trockenheit“.

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