Ein „schwarzer“ Montagabend und die Hilfsbereitschaft der Schweden

Es war mal wieder soweit – die Wäsche musste gewaschen werden. Wir übernachten immer in der „freien“ Wildbahn und meiden Campingplätz so gut es geht. Aber zum Wäsche waschen heißt es nun mal ab auf den Campingplatz in Östersund .

In Schweden und Norwegen sind jetzt Sommerferien und die ganze Nation ist mit Wohnwagen, Wohnmobil oder Zelt im Urlaub unterwegs – Gott sei Dank in Richtung Süden und bei uns geht es ja immer weiter in Richtung Norden. Es gab daher nur noch Stellplätze auf einer Wiese. Da wir schon mehrmals auf einer Wiese standen, war das kein Problem für uns.

Wir fahren also auf die besagte Wiese und wollen das Fahrzeug noch ein bischen ausrichten bzw. besser positionieren und nichts geht mehr. Die Vorderreifen haben sich in einer Furche im Matsch festgefahren. Ach Du Sch… waren meine erste Gedanken. Ich habe kaum zu Ende gedacht und bin ausgestiegen als auch schon eine schwedische Familie auf uns zugeeilt kam. Der Mann hat dann sofort das Kommando übernommen und Bretter, Wagenheber etc. gebracht. Gott sei Dank haben wir einen Klappspaten dabei gehabt und ein anderer Schwede kam gleich mit einer Axt. Erst sah es nicht so aus, als könnten wir den Wagen aus dem Schlamm bekommen. Die Angestellten des Campingplatzes sahen sich außer Stande das Auto herauszuziehen mangels nicht geeignetem Gefährt (und das bei einer Unzahl von schweren und sehr großen Wohnmobilen auf dem Platz) und meinten, sie könnten ein Abschleppunternehmen beauftragen, uns aus dem Schlamm herauszuziehen – die Kosten gehen dann natürlich zu unseren Lasten.

Der schwedische Mann hat im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck gewühlt (Robert konnte/durfte fast nichts machen) und hat es dann doch dank Wagenheber etc. geschafft, die Bretter entsprechend unter den Vorderreifen zu positionieren. Seine Frau hatte derweil ein paar andere Camper organisiert, die dann von hinten gemeinsam angeschoben haben. Nach gut 1 Stunde war unser Wägelchen dann wieder „befreit“ und ich war wahnsinnig erleichtert. Die Wiese sah dann hinterher an der besagten Stelle wie ein Schützengraben aus. War uns dann aber wurscht!

In der Zwischenzeit kam noch ein weiteres Wohnmobil um auf der Wiese zu parken – ein Deutscher. Ich konnte ihn allerdings noch rechtzeitig warnen. Hätte die Aktion nicht geklappt, dann hätte er uns herausgezogen. Ein passendes Abschleppseil haben wir Gott sei Dank dabei. Robert und ich mussten nach dieser Aktion gegenseitig Abbitte leisten – ich war gegen den Klappspaten, da wir ja nicht n der Sahara unterwegs sind und Robert meinte, dass ein Abschleppseil nicht von Nöten ist, da bei einer Panne sowieso der schwedische ADAC kommen muss. Beide waren wir im Unrecht. Die Moral von der Geschichte – man kann nie genug Ausstattung mit dabei haben, auch wenn es im ersten Moment etwas abwegig klingt. Lieber zu viel mitnehmen als zu wenig. Und ganz wichtig!!! – vor dem Befahren einer Wiese immer vorher aussteigen und diese in Augenschein nehmen bzw. die Beschaffenheit prüfen.

Gott sei Dank ist uns das Ganze auf dem Campingplatz passiert und nicht in der freien Wildbahn. Wer weiß, ob es da auch so hilfsbereite Schweden gegeben hätte.

In der ganzen Aufregung und Anspannung haben wir doch glatt vergessen, ein Foto von unserem festgefahrenen Auto zu machen. Aber ich denke, man kann sich das ganze auch so gut vorstellen.

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Hamra Nationalpark – Uralte Wälder, stille Moore und rauschende Flüsse

Der Nationalpark liegt in der welligen Landschaft Dalarnas in der Grafschaft Gävleborg zwischen Orsa und Sveg. Er hat 3 Eingänge und an jedem dieser Eingänge gibt es Parkmöglichkeiten bzw. Rastplätze. Wir sind am Abend über den Eingang Huvudentren angekommen und haben auch dort übernachtet. Zum Übernachten bietet sich m.E. nur dieser Parkeingang an, da nur hier ein richtiger Parkplatz vorhanden ist; bei den beiden anderen Eingängen steht man direkt an der Straße. In vielen Nationalparks und Rastplätzen an der Straße gibt es Feuer- bzw. Grillstellen, an denen sogar schon das gehackte Holz zur kostenlosen Selbstbedienung bereitliegt. Die Feuerstellen im Hamra-Nationalpark gehören für mich mit zu den bisher schönsten. Sie sind sehr modern und sehr puristisch gestaltet und fügen sich phantastisch in die Landschaft ein – man sitzt richtig mittendrin.

Der Hamra Nationalpark besteht fast zur Hälfte aus Moor und man kann stundenlang über Moose, Bäche, kleine Weiher, Schwingrasen und mit Kiefern bewachsene Holme wandern.  An jedem der 3 Eingänge kann man kleinere  Wandertouren machen. Wir haben an einem Tag 4 Touren gemacht von insg. gut 11 km und da jede Tour einen anderen Natur-Schwerpunkt hatte, so den Nationalpark gut kennengelernt.  Der Hamra Nationalpark hat uns sehr gut gefallen und wir waren besonders von dem großen zusammenhängenden Moor sehr beeindruckt – meistens sind die Moorgebiete durch Strassen oder Gräben zerschnitten. Auch wenn der Hamra Nationalpark nicht direkt auf den sonst üblichen Touristenstrecken liegt, ist ein Besuch sehr zu empfehlen – der Abstecher lohnt sich aus unserer Sicht. Und unbedingt vorher was zum Grillen einkaufen!

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Nationalpark Fulufjället – höchster Wasserfall Schwedens

Nachdem wir aufgrund der Biber-Safari schon in der Gegend waren und der Fulufjället-Nationalpark nicht allzu weit von Sälen entfernt ist, haben wir uns aufgemacht, diesen ein wenig kennenzulernen.

Geworben wird mit dem Njupeskär, dem höchsten Wasserfall Schwedens. Seine Fallhöhe beträgt 93 m, wobei das Wasser 70 m völlig frei fällt. Lt. Info-Broschüre lockt diese „monumentale Sehenswürdigkeit“ seit mehr als 150 Jahren Besucher aus nah und fern an.

Auf dem Weg zum Nationalpark war so gut wie nichts los. Umso geschockter waren wir dann, als wir unser Ziel erreicht haben. Der Riesen-Parkplatz war zum Platzen voll.

Gott sei Dank hat sich aber die Menge Mensch gut verlaufen, so dass wir nicht im Pulk unterwegs waren und den Großteil der Zeit nur für uns unterwegs sein konnten.

Der Rundweg zum Wasserfall beträgt 4 km und ist auch für „Fußkranke“ gut zu laufen. Die Landschaft auf dem Rundweg ist wirklich sehr schön. Wir sind nach dem Besuch des Wasserfalls noch die Tour „around the waterfall“ gegangen. Auf  diesem Weg war so gut wie nichts los, da er anstrengender war. Erst ging es etwas steil nach oben, bis das Kahlgebirgsplateau erreicht war. Der Panorama-Blick war bzw. ist einfach unbeschreiblich. – Wälder so weit das Auge reicht, nur stellenweise von ein paar Seen unterbrochen. Einfach wunderschön.  Anschließend ging es nahezu eben auf von Flechten/Moosen überwachsenen Steinen weiter. Hier musste man gut aufpassen, wo man hintritt. Nach einer gewissen Weile ging es dann wieder –mehr oder weniger- sanft nach unten. Insg. waren es gut 8 km.  Eine wirklich schöne und abwechslungsreiche Tour.

Nur dem Wasserfall wegen den Nationalpark zu besuchen, würde ich nicht empfehlen. Der Wasserfall ist ganz nett, jedoch nicht spektakulär, wie die Beschreibung vielleicht vermuten lässt.  Und das liegt sicherlich nicht daran, dass wir als Globetrotter schon richtig spektakuläre Wasserfälle (wie z.B. die Viktoria-Fälle in Zimbabwe) gesehen haben. Wer jedoch eine schönes Wandergebiet  auch mit kürzeren Touren sucht, ist hier richtig.

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Biber-Safari mit dem Kanu in Sälen (Mittelschweden – Provinz Dalarna)

Mit dem Kanu auf  Biber-Safari – das ist genau das Richtige für uns. Gesagt getan und gleich (dank Internet) gebucht. Voller Vorfreude sind wir dann nach Sälen nahe der Grenze zu Norwegen gefahren.

Die Landschaft dorthin war einfach wunderschön. Endlich ist die Umgebung so, wie wir uns Schweden vorgestellt haben. Wälder, Seen, wenig Verkehr und Leute und einfach nur Natur pur.

 

Was wir „Gescheiterles“ in Bezug auf Biber-Safari allerdings nicht bedacht haben ist, dass der Biber ja generell sehr scheu ist. Aber der Reihe nach.

Die Kanu-Tour ging abends um 19:00 Uhr los, was dank der langen Helligkeit (bis ca. 22:45 Uhr) ohne Probleme möglich ist. Mit uns zusammen war nur noch eine Familie mit zwei kleinen Kindern dabei. Bingo, dachten wir – nur 4 Kanus incl. Führer, das geht doch schon vielversprechend los.

Damit der nicht paddelgewöhnte Touri nicht gleich verschreckt wird, geht die Paddelstrecke flussabwärts mit der Strömung, so dass man sich nicht allzu plagen muss.

Ich saß vorne und Robert hinten im Kanu. Ich fühlte mich gleich an meine Teenager-Zeit erinnert, in der ich mit meinem Papa im Kanadier die Amper unsicher gemacht habe.

Für die Kanufahrt (ca. 8 km) waren  2 Std. angesetzt. Nach 1 ¾ Std. haben wir allerdings immer noch keinen Biber gesehen. Macht ja nichts, dachten wir, da die Kanufahrt selbst sehr schön war und sehr viel Spaß gemacht hat. Ca. 300 Meter vor der Anlegestelle tauchten dann doch noch 2 Biberköpfe aus dem Wasser auf. Wir mussten uns allerdings sehr anstrengen, um die Biber zu erkennen. Näher kommen war schwierig, da wir den Eindruck hatten, dass diese nur eine bestimmte Nähe zuließen. Egal, ob wir uns mit dem Kanu in Richtung Biber treiben ließen oder vorsichtig gerudert sind, sobald eine gewisse Distanz unterschritten war, tauchte der Biber mit einem heftigen Schlag seiner „Hinterläufe“ ab.

Fazit: Kanufahrt sehr zu empfehlen – jedoch, das mit dem Biber ist ein Satz mit „X“ – das war wohl nix. Dient wohl eher dazu, die Touris zum Kanu-Fahren zu locken. Was bei uns ja gut funktioniert hat.

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Grube Falu Gruva in Falun – UNESCO Welterbe

Bei der ehemaligen Kupfergrube in Falun handelt es sich um eines der bekanntesten Industriedenkmäler Schwedens. Die Geschichte der Grube lässt sich fast 1000 Jahre zurückverfolgen. Auf den Schlackenfeldern rund um die Grube entstand die Stadt Falun. Die größte Bedeutung erlangte die Grube während der schwedischen Großmachtzeit im 17 Jhd., als –kaum zu glauben, aber wahr- zwei Drittel der Kupfer-Weltproduktion allein von hier stammten und rund 1000 Arbeiter beschäftigt waren.

Die Grube kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden und dass haben wir uns nicht nehmen lassen. Bewehrt mit Helm und Regencape sind wir schlumpfgleich hinter der Führerin 55 m tief  in das Reich der Finsternis hinabgestiegen. Unten angekommen ging es dann auf eine 600 m lange Grubenwanderung, die eine gute Vorstellung von den mühsamen Arbeitsbedingungen der damaligen Zeit gab. Es gab damals ja noch kein Dynamit, nur den guten alten Hammer. Ein Mann schaffte damals in einem Monat gerade 1 Kubikmeter an Geröll.  Für mich Frostbeule wäre die Arbeit in der Grube schon aufgrund der Temperaturen nichts – es ist schon sehr feucht und fröstelig. Wir waren auf jeden Fall sehr von der Grubenbegehung beeindruckt und können den Besuch dieser Grube nur wärmstens weiterempfehlen. Übrigens gibt es auch Führungen auf deutsch!

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Stockholm – Venedig des Nordens

Am Dienstag Nachmittag, den 09.07. – genau am 30igsten Tag unserer Reise – haben wir Stockholm bei strahlendem Sonnenschein erreicht.

Der Stellplatz auf der Insel Langholmen ist nicht besonders schön und die reinste Massenveranstaltung, dafür ist die Lage aber einfach genial – nur 2,5 km von der Altstadt entfernt und alles ist zu Fuß sehr gut erreichbar. Auf diesem Stellplatz haben wir mal wieder festgestellt, dass die Camper ein eigenes Völkchen sind mit ganz vielen Eigenarten. Da wird ohne Hemmungen geglotzt und gegafft  und es ist immer jemand auf der Suche nach einem Opfer zum bequatschen. Grauenvoll!!!! Ich denke und hoffe, dass wir nie so werden!!!

Abgereist sind wir dann wieder am Sonntag, so dass wir 4 ½ Tage für die Besichtigung und Erkundung hatten. Diese Zeitspanne braucht man aus unserer Sicht unbedingt, auch wenn man kein großer Museums-Fan ist. Stockholm bietet so viel, dass wir Prioritäten setzen mussten. Noch länger bleiben wäre zwar kein Problem gewesen, nach gut 4 Tagen Sightseeing-Marathon haben wir aber eine Pause gebraucht.

Stockholm ist eine sehr große, geschäftige und interessante Stadt, die sich auf mehrere Inseln verteilt. Dies bedeutet, dass viel zu Laufen oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren ist, um die einzelnen Sehenswürdigkeiten auf den einzelnen Inseln zu besichtigen. Und Sehenswürdigkeiten/Museen gibt es wirklich mehr als genug. Wir sind jeden Tag mind. 12 km gelaufen und hatten abends „rauchende“ Fußsohlen.

Wir haben uns die Stockholm-Card zugelegt, mit der Eintritt in alle Museen und die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel umsonst ist. Da die Karte nicht ganz billig ist, vorher unbedingt schauen, was man besichtigen möchte und ausrechnen, ob es sich für einen lohnt. Wer mit Museen nicht viel am Hut hat, fährt wahrscheinlich ohne die Karte günstiger.

Besonders schön und faszinierend ist Stockholm  jedoch von der Wasserseite aus. Die alten Häuser mit den wunderschönen Giebeldächern direkt an der Wasserlinie sind sehr malerisch. Es werden mehrere 1stündige Rundfahrten angeboten. Der Royal-Canal-Tour ist dabei der History-Tour der Vorzug zu geben, da man hier mehr von der Altstadt sieht.

Wirklich sehr zu empfehlen ist das Wasa-Museum, in dem das eindrucksvolle Kriegsschiff Wasa aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs zu sehen ist. Die Wasa ist auf ihrer Jungfernfahrt mitten in ihrem Heimathafen gekentert und in den Fluten „mit stehenden Segeln, Flaggen und allem“ verschwunden. 1956 wurde das Schiff entdeckt und 5 Jahre später konnte es geborgen werden. Absolut unglaublich, wie gut das Schiff erhalten ist – sogar die Details der einzelnen Schnitzereien sind gut zu erkennen. Dies liegt daran, dass es in der gering salzhaltigen Ostsee den Schiffswurm nicht gibt.

Weiterhin zu empfehlen ist  Stockholms Stadthaus und der Turm des Stadthauses. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das Stadthaus nur im Rahmen einer Führung

besichtigt werden kann. Auch für den Turm gib es festgelegte Zeiten mehrmals am Tag. Am Besten vorher erkundigen und entsprechend planen.

Nachdem wir einen Tag mit Regen hatten, haben wir uns u.a. auch das Schloß von innen angesehen.  Was für eine überbordende und schwülstige Pracht – so

viel Samt, Gold, Lüster etc. auf einem Fleck. Man hätte meinen können, es gab schon damals einen Glöööööckler, der sich voll austoben durfte. Das war kaum auszuhalten. In Rekordzeit waren wir durch die Räume durch. Das Schloß ist nur Royalisten und Glöööööckler-Fans zu empfehlen oder Hardcore-Masochisten.

Der absolute Höhepunkt  war jedoch eine 1tägige Schärenfahrt mit dem klangvollen Namen „A Thousand Islands Cruise“ auf dem alten Dampfschiff Waxholm III (kam auch bei der Hochzeit der Prinzessin Madeleine zum Einsatz). Gebaut wurde das Schiff 1903 – wird jetzt allerdings nicht mehr mit Dampf betrieben, sondern fährt nun mit Motor.

In der Früh um 9:30 Uhr ging es los und die Rückkehr war erst um 20:30 Uhr. Es war wirklich eine sehr kurzweilige und sehr abwechslungsreiche Fahrt. Die Schären sind einfach was ganz Besonderes, das Mittag- und Abendessen an Bord war überraschenderweise erstklassig, sommerliche Temperaturen und Sonnenschein den ganzen Tag, tolle Stopps bei 3 Schäreninseln – ein wirklich rundum gelungener Tag, bei dem keine einzige Minute Langeweile aufkam. Ein absolutes Muß für jeden Stockholm-Besucher!!!!

Vom Anlegesteg Nybrokajen direkt an der Gamla Stan (Altstadt) ging es zuerst zur  Schäreninsel Kymmendö. Hier hatte der Schriftsteller August Strindberg eine (im wirklichen Sinne) kleine Schreibhütte und wurde hier zu seinem Buch „Hemsöborna“ ( Leute von Hemso) inspiriert. Hätte an der Hütte kein entsprechendes Schild gehangen, wären wir von der Größe her eher von einem Plumpsklo ausgegangen.

Dann ging es weiter nach Bullerö, einem Naturschutzgebiet. Hier konnte man auf einem ausgeschilderten Weg eine Rundtour gehen und idyllische Fischerhäuschen bestaunen. War so ganz nach meinem Geschmack.

Last but not least gab es zu guter Letzt noch einen Stopp auf der Schäreninsel Sandhamn, aus meiner Sicht dem Sylt von Stockholm. Das Besondere an Sandhamn ist, dass die Insel von Sandstränden umgeben ist und diese ziehen die Stockholmer an zum Sonnenbaden und die „Schönen und die Reichen“ und solche die es gerne sein wollen,  stellen hier ihre Yachten und Segelboote zur Schau. Frei nach dem Motto „wer ko der ko“.

Ich möchte nicht mit der Aufzählung und Bewertung aller unserer Aktivitäten langweilen.  Wer vorhat Stockholm zu besuchen und dafür noch ein paar Tipps braucht, dann einfach bei mir melden.

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Wandeln auf Kurt Tucholskys Spuren …

Besichtigung des Schlosses Gripsholm in Mariefred, direkt gelegen am Mälarsee, dem drittgrößten See Schwedens. Schloß Gripsholm wurde bekannt durch den deutschen Schriftsteller Kurt Tucholsky, der hier lebte und hier seine berühmte Novelle Gripsholm schrieb.

Das Schloß Gripsholm ist sehr imposant und die Lage am Mälarsee kann geradezu als idyllisch bezeichnet werden. Das prächtige Schloß gehört zu den schönsten Vasa-Schlössern, was wir nur bestätigen können.

Im Schloß ist eine umfangreiche Portraitsammlung schwedischer Größen zu sehen. Die Besichtigung lohnt auch für den Kultur-/Portraitbanausen, da einige Räume auch noch mit Original-Mobiliar ausgestattet sind. Es ist auch recht interessant durch das verwinkelte Schloß zu gehen und ein wenig in die alte Zeit hineinzuschnuppern.

Wir haben es geschafft einen Übernachtungsplatz direkt am Hafen mit Blick auf das Schloss zu ergattern. Besser geht es schon fast nicht mehr.

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Erkundung des Göta Kanals

Am 04.07. war es soweit  – wir haben Motala erreicht. Motala liegt nicht nur am Vätternsee, sondern hier beginnt auch ein Teilstück des Göta-Kanals. Dieser hat uns so fasziniert und beeindruckt, dass wir ihn sehr ausgiebig mehrere Tage erkundet haben.

Zuerst ging es zu Fuß von Motala –immer am Kanal entlang – zu den Schleusen von  Borenshult (insg. 8 km hin und zurück). Diese bilden die zweitgrößte Schleusentreppe des Göta-Kanals. In fünf Schleusenkammern überwinden die Boote hinter dem See Boren einen Höhenunterschied von 15 m. Es ist schon ein einmaliges und faszinierendes Erlebnis, den Booten beim Schleusen zuzusehen. Ich denke, es sieht einfacher aus, als es ist. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön und auf dem Weg liegt auch das reich an Raritäten bestückte Industriemuseum.

Als nächstes Teilstück haben wir uns die Strecke von Berg (Carl-Johann-Schleuse mit 7 Schleusentreppen) nach Borensberg (einzige von Hand bedient Schleuse) vorgenommen. Ursprünglich war geplant, diese Strecke mit dem Boot zurückzulegen. Die „Passage“ war auch schon gebucht, aber kaum waren wir auf dem Boot drauf, waren wir auch schon wieder herunter. Auf dem Boot gab es nur Tische und keine Stuhlreihen und der Außenbereich war erheblich kleiner als der Innenbereich. Wir hätten drinnen sitzen müssen und darauf hatten wir beide bei strahlendem Sonnenschein und Sommertemperaturen keine Lust. Nachdem wir noch nichts bezahlt hatten, haben wir einfach wieder ausgecheckt und sind stattdessen die Strecke mit dem Fahrrad gefahren. Alle die mich kennen, Ihr habt richtig gelesen – ich bin mit dem Fahrrad gefahren. Die Strecke war so richtig schön Martina-like – immer brettleben geradeaus ohne jedwede Steigung und ohne Gegenwind. Ein Traum!!

Nach gut 21km kurz vor dem Ziel hat Roberts Vorderreifen den Geist aufgegeben, so dass wir dann mit dem Bus zurückfahren mussten. Für den Anfang reichen ja auch erst einmal 21 km zum Radeln, nicht dass ich noch zum Radlfreak werde J.  Im nachhinein betrachtet war die Fahrt mit dem Rad die bessere Lösung. Wir sind die Strecke in gut 1 Std. gefahren, das Schiff braucht dafür aufgrund der ganzen Schleusen 3 Std., was dann auf Dauer doch ganz schön langweilig geworden wäre. Die Strecke selbst ist  sehr abwechslungsreich und wird nicht umsonst als eines der schönsten Teilstücke des Göta Kanals beschrieben. Ist  wirklich absolut empfehlenswert.

Last but not least sind wir dann zum Abschluss von Söderköping nach Mem gewandert. Dieses Teilstück kann man sich aus unserer Sicht schenken – es ist sehr eintönig und Mem selbst gibt nicht viel her. Im Gegensatz zu Söderköping, einer gemütlichen Kleinstadt mit engen Gassen und Kopfsteinpflastern.

Fazit: Der Göta Kanal ist zu Recht eine der bekanntesten und meistbesuchtesten Touristenattraktionen Schwedens, für die man sich unbedingt ein paar Tage Zeit nehmen sollte.

Abschließend noch ein paar Zahlen und Daten zum Göta-Kanal:

Der 190 km lange Kanal wurde von 1810 bis 1832  gebaut. 87 km der Kanalstrecke wurden von insg. 58.000 schwedischen Soldaten von Hand gegraben. Initiator und Bauherr war Baltzar von Platen. Der Kanal erstreckt sich von Mem an der Ostsee bis Sjötorp am Vänensee und hat 58 Schleusen. Sein höchster Punkt liegt 91,8 m ü.d.M. beim See Viken. Zusammen mit dem Trollhätte Kanal verbindet die Wasserstraße Stockholm und Göteborg miteinander

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Segel-Ausflug mit der Vega in die Schärenwelt von Västervik

Aus dem Hafen raus ging es noch mit Motorantrieb, dann aber wurden alle 3 Segel gesetzt. Was für ein Erlebnis – wir kamen uns vor, wie in einem alten Piraten-Film. Es ist schon beeindruckend einmal live mit zu erleben, wie aufwändig und mit wie viel Kraft das Setzen der Segel verbunden ist. 3 Mann der Besatzung sind auch hoch oben in den Segeln„rumgekrabbelt“. Uns wurde alleine schon von Zusehen schwindelig. Wer wollte, durfte/musste beim

 Segel-Setzen/Segel-Einholen mit Hand anlegen. Mich hat es –sehr zur Freude von Robert- beim Einholen der Segel erwischt. Obwohl ich den einfachsten Part zu übernehmen hatte, d.h. dass sich beim Einholen der Segel verlängernde Segeltau nachzufassen und stramm zu ziehen, war ich nachher schweißgebadet und hatte ziemlich rote Hände.

 

 

 

Die Schären-Landschaft ist einmalig – lauter kleine Inseln, die Küste selbst „zerstückelt“ bzw. umrandet von den vom Meer glatt geschliffenen großen Steinen. Zwischendrin die typischen rot gestrichenen kleinen und großen schwedischen Holzhäusern. Wir konnten uns gar nicht satt sehen und waren ganz traurig, dass nach 4 Stunden alles schon wieder vorbei war.

Bei der Vega handelt es sich um einen 1909 in Viken gebauten Frachter, der von einem Segel-Enthusiaten vor dem Abwracken gerettet und liebevoll restauriert wurde. Alle Details zum Schiff sind zu finden unter: www.skonarenvega.se

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Rückschau auf die Insel Öland

Die Tage sind immer so ausgefüllt und man glaubt es kaum – wir kommen zu nichts, so dass ich erst jetzt die Zeit finde, unsere Eindrücke/Erlebnisse von Öland zu schildern.

Gleich mal vorneweg, die Insel ist für Leute wie uns (mit einer Allergie gegen Massenaufläufe und damit Campingplätze) nicht gut geeignet. Wildes Campen ist hier leider so gut wie nicht möglich. Die Insel ist sehr klein und verfügt über ein engmaschiges Netz an Campingplätzen. Kaum haben wir einen idyllischen Parkplatz am Strand entdeckt, konnten wir sicher sein, dass fast nebenan ein Campingplatz ist und auf dem Parkplatz das Übernachten verboten war. Wir mussten daher auf einen der wenigen Stellplatz-Möglichkeiten an den Häfen ausweichen. War aber auch nicht besser, denn hier traf sich die geballte Menge der schwedischen Wohnmobilisten mit ihren riesigen „Wohn-LKW’s“. Mit unserem kleinen Wägelchen haben wir nicht wirklich dazu gepasst. Hier haben wir auch die bisher einzige negative Erfahrung gemacht. Manche Schweden sind so kleinlich und pingelig – schlimmer als jeder Kleingartenbesitzer.

Wir rauschen auf den Stellplatz und freuen uns, dass noch eine Stelle direkt am Wasser frei ist. Kurz geschaut, ob wir hier reinpassen und noch genügend Abstand zum nächsten Wohnmobil ist. Hat aus unserer Sicht gepasst und schon war geparkt. Kaum ausgestiegen sehe ich 4 mich anglotzende und sich aufregende Schweden. Höflich wie ich bin, grüße ich erst einmal freundlich mit einem schwedischen „Hey“. Mit meinem nicht vorhandenen Schwedischkenntnissen habe ich dann doch etwas Zeit gebraucht, bis ich begriffen habe, dass wir aus deren Sicht zu eng zum nächsten geparkt haben bzw. dass es nicht die einzuhaltenden 4 Meter waren.  Ob 3 oder 4 Meter Abstand, mit etwas guten Willen wäre es schon gegangen. Da wir die Deutschen nicht in Verruf bringen wollten, haben wir halt dann umgeparkt. Interessanterweise, war der, der sich am meisten aufgeregt hat, gar nicht der Besitzer des Wohnmobils neben uns.

Nun aber zu Öland. Die Insel ist 135 km lang und nur 10-15 km breit. Seit 1972 gibt es eine Brücke über den Ölandsund und Öland ist von Kalmar direkt zu erreichen.

Auf Öland fällt schnell die Andersartigkeit der Landschaft auf. Heller Kalkstein hat den rötlichen Granit abgelöst und im Südteil der Insel erinnert die Steppenlandschaft (Stora Alvaret) eher an Südeuropa. Die Stora Alvaret ist eine durch Jahrhunderte als Weideland intensiv genutzte und dadurch verkarstete Landschaft. Die langen Sandstrände, wegen denen Öland als Urlaubsinsel bei den Schweden so beliebt ist, befinden sich ganz im Norden der Insel. Solliden, der Sommersitz der königlichen Familie befindet sich an der Westküste oberhalb von Kalmar in der Nähe von bzw. bei Borgholm.

Wir haben Öland gegen den Uhrzeigersinn erkundet. Gestartet sind wir auf der Westküste bei Färjestaden. Zu besichtigen und zu bestaunen gibt es auf Öland, Runensteine, Kirchen, Grabfelder, Burgen und Windmühlen ohne Ende. Ich muß gestehen, ich finde es ganz nett, mir einmal ein Grabfeld oder einen Runenstein anzusehen, aber dann ist auch genug. Für mich Banausen, sehen die immer alle gleich aus. Obwohl wir uns dann vieles „geschenkt“ haben, haben wir für die gesamte Umrundung der Insel doch 3 Tage benötigt. Ich denke, die langen Strandspaziergänge und die Fahrt bis ganz in den Norden zum langen Erik (Leuchtturm) sind daran nicht ganz unschuldig.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei den schwedischen Sehenswürdigkeiten mit Superlativen nicht gespart wird – der schönste, der größte, der älteste, der interessanteste, der best erhaltenste etc. Unsere Erwartungen sind dann dementsprechend hoch. Und nicht selten waren wir dann überrascht, dass das, war wir dann vorfinden mit einem Superlativ bedacht wurde. Nicht alles war dann so spektakulär, wie angekündigt.

Zum Beispiel der Runenstein Karlevistenen. Normalerweise sind Runensteine auf Öland nichts  Besonderes, dieser wurde jedoch als eine interessante Ausnahme dargestellt, da der Text kunstvolle Verse aus der Wikingerzeit enthält. Für mich war das ein Runenstein, der sich von den anderen nicht unterschieden hat. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich in dieser Beziehung ein Banause bin.

Sehr idyllisch gelegen mit schönem Blick auf den Kalmarsund liegt das Gettlinge Gräberfeld. Das Feld hat eine Länge von ca. 1500 m mit vielen verschiedenen Grabformen, hochkant gestellte Steinen und einer rund 30 m großen Schiffssetzung.

Besonders häufig findet man auf Öland Stoppelmühlen. Es gibt derzeit noch rund 400 mehr oder weniger gut erhaltene Mühlen.  Südlich des Ortes Lerkaka ist mit eine der schönsten Mühlenreihe auf einer Anhöhe mit Blick auf die Strandwiesen zu sehen.

Erste Windmühlen gab es schon im Mittelalter, doch erst im 18 Jahrhundert wurde Öland zur Insel der Windmühlen, als jeder Bauer glaubte, eine eigene Mühle für den Hausgebrauch zu haben.

Sehr gut gefallen hat uns der Schloßpark von Solliden. Ein schöner, kleiner und gut gepflegter Park mit Park- und Gartenanlagen im italienischen, holländischen und englischen Stil. Eine Ausstellung rund um die Königsfamilie gab es noch obendrauf. Das war wie Gala oder Bunte live.

Besonders beeindruckt war ich vom Vida Museum und Kunsthalle 9 km westlich von Borgholm. Beindruckt hat mich weniger die Ausstellung als vielmehr die Architektur des Hauses. Das Museum wurde erst 2001 eröffnet und ist ein 2000 qm großes hypermodernes Gebäude aus Glas, Beton, Stahl und Holz mit einer wunderschönen Aussicht auf den Kalmarsund.

Das Museum zeigt u.a. Werke der bekannten schwedischen Glaskünstler Ulrica Hydman-Vallien und Bertil Vallien und hat auch einen eigenen Bereich für einen der bekanntesten schwedischen Künstler – Ulf Trotzig. Seine Werke sind sehr farbenfroh, aber alles andere als gegenständlich. Mir fehlt hier der Sinn für Kunst und wieder frage ich mich einmal, wie schaffen es diese Künstler so bekannt und berühmt zu werden.

Öland fanden wir in Summe ganz nett, aber aus unserer Sicht versäumt man nicht viel, wenn aus zeitlichen Gründen auf Öland verzichtet werden muss.

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