Auf dem Weg nach Dover – Warwick und Stratford-upon-Avon zwei sehr sehenswerte Städte Mittelenglands

Goodbye Grossbritannien  – wir haben die Schnauze voll vom kalten und trüben Wetter

Nach dem Besuch des Stadions in Liverpool standen wir am „Scheideweg“ unseres Urlaubs. Sollten wir diesen wie geplant weiter Richtung Norden in den Lake District fortsetzen. Oder ist ein Abbruch der Fahrt in England und Fortsetzung der selbigen in Frankreich die bessere Alternative. Wir mussten darüber nicht lange nachdenken. Die vergangenen Wochen in Wales waren alles andere als sommerlich. Die Temperaturen eher herbstlich, wenn nicht sogar frostig. Das Tragen von Sommerkleidung war, von wenigen Tagen abgesehen, lediglich Wunschgedanke. Uns ist schon klar, dass bei einer Reise durch England nicht mit 30 Grad zu rechnen ist. Im Schnitt 15-17 Grad, durch den Wind gefühlt noch kälter, sind uns für einen Sommerurlaub dann auf Dauer doch zu wenig. Dazu meist noch wolkenverhangener grauer Himmel. Ein wirkliches Graus! Die Wetterprognose für das ursprl. geplante Reisegebiet war noch dazu schlecht, eine absehbare Besserung nicht erkennbar. So haben wir uns dann ganz schnell für die Urlaubs-Fortsetzung in Frankreich entschieden. Auf dem Rückweg haben wir aber noch eine kleine Zwischenetappe eingelegt. Das Durchfahren der Strecke nach Dover an einem Tag war uns dann doch zu stressig. So hatten wir noch Gelegenheit die beiden wirklich sehenswerten Städte Warwick und Stratford-upon-Avon zu besuchen.

Warwick, eine Stadt mit großem historischem Charme

Warwick ist die Hauptstadt der Grafschaft Warwickshire. Sie liegt in Mittelengland südlich von Birmingham. Das erste was einem in Warwick auffallen, sind die vielen wunderschön erhaltenen Fachwerkhäuser. Ganz besonders ins Auge sticht dabei das Ensemble des Lord Leycester Hospital aus dem späten 14. Jahrhundert. Interessanterweise war es nie ein Hospital, sondern ein Heim für alte Soldaten. Diesem Zweck dient es noch heute. Sehr sehenswert ist auch die Mill Street mit ihren sehr pittoresken Fachwerkhäusern. Diese Sackgasse endet in den Mill Gardens. Einem sehr winzigen wunderschön angelegten typisch bunten englischen Garten. Ich hätte nie gedacht, dass es in Grossbritannien so schöne Fachwerkhäuser zu sehen gibt. Überall in der Stadt finden sich zudem noch alte Überreste, wie z.B. alte Stadttore. Im Altstadtkern gibt es auch einige ineinander übergehende Einkaufsstraßen, die zum Bummeln verleiten. Die Hauptattraktion des Ortes ist allerdings unbestritten das Warwick Castle. Dieser gut erhaltene Bau geht auf William I. aus dem Jahre 1086 zurück. Es wurde damals von ihm als Bollwerk gegen dänische Invasoren errichtet. Leider gehört das Schloß seit 1978 der Firma Madame Tussaud. Diese vermarktet das Schloß mit aller Macht als „größtes mittelalterliches Erlebnis des Landes“. So verwundert es dann auch nicht, dass Heerscharen von Touristen, bevorzugt mit Kindern, dahin strömen. Sie lassen sich auch nicht von den astronomisch hohen Eintrittspreisen davon abhalten. Obwohl man angeblich für sein Geld einiges geboten bekommt, haben wir von einem Besuch Abstand genommen. Uns war der Trubel drum herum einfach zu viel. Und über 30 GBP Eintrittsgeld pro Person sind ja auch ein Wort! Den schönsten und auch kostenlosen Blick auf das Schloß hat man von der Castle Bridge an der Banbury Road. Von den eintrittspflichtigen Mill Gardens sieht man lediglich nur einen kleinen Ausschnitt des Schloßes. Unter der Castle Bridge verläuft der Fluß Avon. Wer möchte kann sich ein Boot mieten und dem Schloß zu Wasser ein wenig näherkommen. Oder kann einfach am Ufer des Avons entlanglaufen. Auch wenn man das Schloß nicht besucht, sollte man Minimum 2 Stunden für einen Spaziergang durch Warwick einplanen.

Stratford-upon-Avon, die Stadt Williams Shakespeares

Stratford-upon-Avon liegt nur etwa 10 km südlich von Warwick. Diese Stadt strotzt nur so von alten und pittoresken Fachwerkhäusern. Die Stadt ähnelt dabei sehr einem Fachwerkdorf aus dem Elsaß. Im ersten Moment glaubt man nicht, sich in einer englischen Kleinstadt zu befinden. Vor über 450 Jahren wurde in ihr William Shakespeare geboren. Diesen Umstand schlachtet die Stadt gnadenlos aus. Sie hat eine beispiellose Shakespeare-Industrie etabliert. Nicht weniger als 5 Häuser, die eine Verbindung zum Dichter oder seiner Familie aufweisen, wurden in Museen umgewandelt. Zudem gibt es das große Royal Shakespeare Theater direkt am River Avon. Wenn wir uns die Parkplatz-Kapazitäten dieses Ortes ansehen, können wir uns sehr gut vorstellen, was hier zur High Season Ende Juli/Anfang August alles los sein muss. Auch jetzt war die Stadt schon sehr gut besucht. Insbesondere asiatische Reisegruppen und auch Einzelreisende gaben sich ein Stelldichein auf den Spuren Shakespeares. Es machte uns wahnsinnig Spaß uns durch die Straßen von Stratford-upon-Avon treiben zu lassen. Besonders die wunderschönen Fachwerkhäuser haben es uns angetan. Besonders meine Begeisterung darüber fand gar keine Grenzen. Abgerundet haben wir den Besuch mit einem sehr schönen kurzweiligen Spaziergang entlang des Avons. Es gibt nicht weit entfernt eine Brücke über den Avon, durch die dann ein Spaziergang auf beiden Seiten des Avon möglich ist. Wer sich bei der Erkundung der Stadt schon die Füße wund gelaufen hat kann den Avon auch ein Stück mit einem Kanalboot erkunden. In insg. 40 Minuten fahren sie die gleiche Strecke hin- und wieder zurück, die wir selbst gelaufen sind. Statford-upon-Avon ist zu Recht ein Highlight Mittelenglands. Die Erkundung der Stadt sollte von keinem Reisenden verpasst werden. Ich bin überzeugt, dass jeder von ihr begeistert sein wird.

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