Die wunderschöne, malerische und sehr abwechslungsreihe Küstenlandschaft der Côte d’Opale

Die bisher von uns stiefmütterlich behandelte Côte d’Opale, die Küstenregion entlang des Ärmelkanals

Die Cote d’Opale (Opalküste) ist der französische Küstenstreifen des Ärmelkanals von Dunkerque im Norden bis zur Mündung der Somme im Süden. Wir haben nicht gedacht, dass die Landschaft hier so wunderschön ist. Nahezu malerisch kann man schon sagen. Bisher ging es für uns immer direkt nach Calais auf die Fähre bzw. bei der Rückfahrt von der Fähre gleich wieder Richtung Heimat. Die Gegend im Bezirk Calais haben wir bisher für nicht interessant genug erachtet. Das war ein großer Fehler, wie wir nun feststellen mussten. Die Landstraße führt von Calais immer an der Küste entlang. Von vielen Stellen hat man nicht nur einen sagenhaften Blick auf die Steilküste und den Ärmelkanal. An besonders klaren Tagen kann man sogar die Küste Englands mit ihren Kreidefelsen gut erkennen. Alles erscheint zum Greifen nahe und liegt doch in einiger Entfernung davon. Es ging vorbei an Getreidefeldern, zum Teil abgeerntet, andere noch in vollem Korn. Wir passieren sanft geschwungene Höhen und fahren durch kleine französische Dörfer. Eine wirklich schöne und abwechslungsreiche Strecke. Rechts der Straße weisen immer wieder Hinweisschilder den Weg zu langen Stränden, gelegen in tollen Buchten. Für Wasserratten die ideale Gelegenheit für ein kühles und erfrischendes Bad im Meer. Eine wirklich sehr schöne Strecke auf der wir nur langsam vorangekommen sind vor lauter Schauen, entlang der Küste wandern oder einfach nur genießen der Landschaft und der frischen dort zuhauf angebotenen Meeresfrüchte.

Der Ärmelkanal, eine stark frequentierte Schiffspassage

Für uns überraschend wird ein Viertel des weltweiten Schiffsverkehrs über den Ärmelkanal abgewickelt. Sage und schreibe mehr als 500 Schiffe aller Arten und Tonnagen passieren hier einen der beiden Verkehrskorridore inmitten der Meerenge. Die über den Kanal pendelnden Fähren, Fischerboote und Schiffe des Küstenverkehrs sind dabei noch nicht einmal mitgezählt. Egal wann man aufs Meer hinaussieht, man sieht immer Schiffe. Bis hin zum riesigen Containerschiff ist wirklich alles mit dabei. Die engste Kanalstelle findet sich am Cap Gris-Nez. Von dort kann man auch am besten die Küste Englands sehen und das rege Schiffstreiben beobachten. Wir haben gelernt, dass der Ärmelkanal auch ein Korridor für Zugvögel ist. Insbesondere das Cap Gris-Nez soll eine Hochburg des Vogel-Beobachtens sein. Leider konnten wir dies nicht feststellen. Wir konnten keine Menge an Vögeln ausmachen. Wir waren sicherlich zur falschen Zeit dort. Dafür durften wir ein paar Seehunde beim Sonnenbaden im Meer beobachten. Die waren wirklich sehr possierlich. Nur ihr Kopf schaute aus dem Wasser heraus. Bei Ebbe konnte man meinen, dass es sich dabei um die Spitze von den schwarz aus dem Wasser ragenden Felsen handelte.

Die Batterie Todt und die Zeichen des 2ten Weltkrieges entlang der Küste des Ärmelkanals

 

 

 

 

Auch die Küste entlang des Ärmelkanals ist verschandelt mit den diversen Bunkern und Geschützstellungen. Überall sieht man ihre Überreste. Es ist leider wie in der Normandie und der Bretagne. Direkt oben auf dem Cap Gris-Nez befand sich eine große Verteidigungsanlage der Deutschen. Ein paar hundert Meter weiter im Landesinneren befindet sich noch die Batterie Todt. Heute ist diese als Museum allen Interessierten zugänglich. Alles damals geschützt von starken und effizienten Flugabwehrkanonen. Es war dadurch ein schwer zu erreichendes Ziel für die Alliierten. Heute ist direkt am Cap Griz-Nez davon nicht mehr viel zu sehen. Einen Teil davon hat sich die Natur bereits wieder zurückerobert. Vieles ist so überwachsen, dass es nicht mehr erkennbar ist. Trotzdem kann man sich die Größe der damaligen Anlage dort auch heute noch gut vorstellen. Mit Gräsern überwucherte Krater zeugen noch heute von den damals heftigen Kämpfen um diese Stellung.

Die Batterie Todt war während des 2ten Weltkrieges eine deutsche Geschützstellung der Marine-Küsten-Artillerie. Sie war mit vier 38-cm-Schiffsgeschützen mit einer Reichweite bis zu 55,7 km ausgestattet. Damit konnten sie problemlos England erreichen. Das in der Batterie eingerichtete Museum ist sehr informativ und sehenswert. Die in den Jahren zusammengetragene Sammlung gibt sehr gut Auskunft über das Leben in und die Ausstattung sowie Funktionsweise der Batterie. Alte Fotografien dokumentieren ihren Bau August 1940 – Herbst 1941. Sogar ich fand das Museum sehr interessant. Das lag in erster Linie daran, dass es hier mehr um technische Fakten und Ausstattung als um die Schlacht als solches ging. Fotos der Schlacht und von ihren Opfern gab es Gott sei Dank nicht zu sehen. Normalerweise mache ich immer einen Bogen um diese Art von Museum. Sie nehmen mich immer viel zu sehr mit. Ich sehe in erster Linie junge Männer mit Familien und ihre Schicksale. Das stimmt mich immer sehr nachdenklich und traurig. Mir fehlt dabei leider der professionelle Abstand.

Um die Geschichte zur Batterie Todt noch zu vervollständigen: Am 20 September 1944 kam es zur größten Luftoffensive gegen diesen Sektor. 600 Bomber warfen die unvorstellbare Menge von 6000 Bomben von 250 und 500 kg ab. So verwunderte es uns nicht, dass einige dieser Krater noch heute gut zu sehen sind. Am Ende waren die Alliierten damit scheinbar erfolgreich. Am 29. September 1944 setzte die kanadische Infanterie der Besetzung des Cap Gris-Nez schließlich ein Ende.

Traumhafte und abwechslungsreiche Küstenwanderungen rund um das Cap Gris-Nez

Überall an der Côte d’Opale lässt es sich wunderschön von einem kleinen Ort zum anderen laufen. Wir haben uns als Ausgangspunkt für das Cap Gris-Nez entschieden. Dort verläuft ein schöner Küstenwanderweg in beide Richtungen. Auf der einen Seite kann man sogar über 27 km weit immer an der Steilküste und an den Stränden in Richtung Calais entlanggehen. Wir haben beide Seiten von Cap Gris-Nez erkundet. Erstaunlicherweise sind sie landschaftlich nicht gleich. Sie unterscheiden sich doch erheblich voneinander. Die erste Route führte uns nach Wissant (ca. 6 km einfach). Das liegt ungefähr in der Mitte der Wissant Bucht. Diese wiederum wird begrenzt durch das Cap Gris-Nez auf der einen und das Cap Blanc-Nez auf der anderen Seite. Durch diese privilegierte Lage zwischen zwei Küsten bietet sich eine Vielfalt von Lebensräumen. Es gibt Dünenlandschaften, fossile Kliffe und eine Sumpflandschaft im Küstenhinterland zu sehen. Die Küstenlandschaft selbst findet sich in ständiger Bewegung. Gut zu sehen ist das bei Ebbe, wenn die von den Meeresströmungen geformte Sandbank sichtbar wird. Sie schützt das Watt vor den Wellen und ermöglicht damit den Anbau der Bouchot-Miesmuscheln. Der Weg selbst ist auch sehr abwechslungsreich. Er führte uns an der Steilküste entlang, über den harten Strand bei Ebbe und auf sandigen und anstrengend zu laufenden Dünenwegen. Immer wieder mit tollen Ausblicken auf die lang gezogene Wissant Bucht. Es war eine herrliche Küstenwanderung ganz nach unserem Geschmack.

Am nächsten Tag sind wir dann auf der anderen Seite bis in die kleine Ortschaft Audresselles gewandert (ca. 7 km einfach). Hier ging es immer oben an der Steilküste entlang. Begleitet von Feldern und Wiesen. Und von ganz besonders vielen Bunkern und Küstenstellungen entlang des Weges. Es erstaunt uns immer wieder in welch gutem Zustand diese Anlagen nach so langer Zeit noch sind. Hier zeigt sich die deutsche Gründlichkeit von ihrer häßlichen Seite. Sogar die diversen Einschläge sind noch deutlich am Beton zu sehen. Es läuft mir schon kalt den Rücken runter, wenn ich mir vorstelle, dass hier Menschen ums Leben gekommen sind. Es mutet fast schizophren an, dass man von vielen dieser alten Stellungen ganz tolle Panoramaaussichten auf die Küste hat. In Audresselles haben wir uns nach dieser ebenfalls sehr lohnenden Wanderung erst einmal gestärkt. Wir hatten den Eindruck, dass dieses kleine Örtchen eine Hochburg für frische Meeresfrüchte ist. Die Dichte an entsprechenden Restaurants ist jedenfalls gewaltig. Damit haben wir auf keinen Fall gerechnet. Ohne Reservierung war leider beim „Platzhirschen“ am Ort kein Tisch mehr zu bekommen. Wir sind aber in einem der anderen auch guten Restaurants fündig geworden. Die dortige Meeresfrüchteplatte konnte sich dann auch mehr als sehen lassen. Mit viel Genuss und wahrer Gaumenfreude haben wir diese dann verspeist. Ein wunderbar dazu passender Sancerre hat dafür gesorgt, dass das Meeresgetier weiterhin auch im Magen etwas zum Schwimmen hatte. Es war ein rundum gelungener Tag verbunden mit einem perfekten Einkehrschwung in Audresselles.

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2 Antworten zu Die wunderschöne, malerische und sehr abwechslungsreihe Küstenlandschaft der Côte d’Opale

  1. Heike sagt:

    Na endlich schaut Robert mal wieder glücklich aus! Gescheites Essen, Sonne und noch dem historischen Hobby fröhnen…
    Offenbar habt ihr die richtige Entscheidung getroffen! Gute Fahrt, Santé!
    Heike

    • Robert Wanninger sagt:

      Liebe Heike, das war wirklich eine gut Entscheidung. Wir genießen Land, Wein und das Essen in Frankreich. Lg Robert

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