Canal du Midi, Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik

Der Bau war wahrlich ein Kraftakt und das nicht nur in finanzieller Hinsicht. Mit der Erstellung der Fahrrinne war die unglaubliche Anzahl von 12.000 Arbeitern beschäftigt. Sie bauten dazu auch noch 64 Schleusen, 126 Brücken und 55 Aquädukte. Solche Fakten machen uns erst einmal kurz sprachlos.

Heute spielt der Canal du Midi in der Wirtschaft keine Rolle mehr. Er ist dafür zum Eldorado für Freizeitkapitäne geworden. Einheimische und Touristen schippern nun auf ihm mit Hausbooten umher und genießen die wunderbare landschaftliche Kulisse entlang des Kanals.

Les Ecluses de Fonserannes, die mehrstufige Schleusentreppe

Wir sind große Freunde des Wassers. Ob Meer, Seen, Kanäle oder … wir fühlen uns magisch davon angezogen. Nachdem uns der Göta-Kanal in Schweden schon so gut gefallen hat, wollten wir auch ein Teilstück des Canal du Midi kennenlernen. Besonders interessant klang für uns die Les Ecluses de Fonserannes bei Bézier. Dabei handelt es sich um eine sechstufige (ursprünglich achtstufige) Schleusentreppe. Die Schiffe werden hierbei insgesamt um 13,6 Meter gehoben oder gesenkt. Die Durchfahrt aller Schleusen dauert bergwärts rund 45 Minuten, talwärts sind es nur 30 Minuten. 

Wir haben unseren Kastenwagen in der Rue René Boyer direkt am Kanal in Bézier geparkt. Der Platz in der ruhigen Seitenstraße war so schön, dass wir hier sogar die Nacht verbracht haben. Ein „Haustier“ in Form einer gigantischen Bisamratte gab es hier auch inklusive. Dieses wirklich große Vieh schien an der Uferböschung sein Zuhause zu haben. Es fühlte sich durch uns nicht im Geringsten gestört und kam sogar recht nahe an das Wohnmobil heran. Ich ging dafür abends nicht mehr aus dem selbigen heraus …!

Von unserem Parkplatz sind wir dann in gut 20 Minuten zu Fuß am Kanal entlang zu den Les Ecluses de Fonserannes spaziert. Der Weg dorthin ist auf beiden Seiten gesäumt von riesigen Zypressen. Er sieht damit sehr mediterran aus. Ein wirklich sehr schönes Wegstück mit ganz viel Flair. Immer wieder gibt der Weg den Blick auch auf das auf einem Hügel liegende Wahrzeichen von Beziér frei, der Kathedrale Saint-Nazaire. Ein ganz prachtvoller Anblick. 

Das erste Highlight auf der Wegstrecke ist das Aquädukt über den Fluss Orb. Eine wahrlich meisterhaft konzipierte Brücke. Auf ihr überwinden die Schiffe den Fluss Orb. Es ist für uns immer wieder faszinierend was zur damaligen Zeit alles ohne die heutigen technischen Errungenschaften gebaut wurde. Das Aquädukt trägt nicht nur das Wasser, sondern hält auch noch den darin fahrenden Schiffen stand. 

Die Les Ecluses de Fonserannes fanden wir sehr interessant. Auf die Idee der Schleusentreppe muss man auch erst einmal kommen. Mittlerweile ist das ganze Gelände für die Besichtigung schön ausgebaut. Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß den Schiffen beim Schleusen zuzusehen. Allerdings sind wir uns sicher, dass die ersten Schleusungen auf einem Boot noch aufregend sind. Mit der Routine und Wiederholung es dann jedoch ganz schnell langweilig wird. Es ist halt doch immer wieder der gleiche zeitintensive Vorgang. 

Kulinarisches Experiment in Bézier

Bézier verfügt, wie so viele andere Städte auch, über eine wunderbare Markthalle. Wir hatten zwar den Eindruck, dass der Anteil der Restaurants bzw. Bistros in der Markthalle um einiges größer ist, als der Anteil der Verkaufsstände. Um uns in Versuchung zu führen hat es jedoch mehr als gereicht. Und das zwar gleich in doppelter Hinsicht.

Beim Durchschlendern konnten wir uns vom Anblick der Auslage eines Metzgers nicht lösen. Die dort angebotenen Fleischstücke waren einfach der Hammer. Wir mussten hier also für das Abendessen einkaufen. Und da Fleisch alleine bekanntlich nicht reicht, brauchte es dazu noch Beilagen und zum Abschluss etwas Käse. Unser Einkauf war so „anstrengend“, dass wir uns anschließend in einem der dortigen Bistros stärken mussten. 

Wieder einmal hat es uns dafür in den Fischbereich verschlagen. Eine Portion Austern und Bulots waren ganz schnell vertilgt. Es gab dort aber noch mehr im Angebot. Unter anderem Seeigel, die dort als Delikatesse gelten. Wir wussten bisher gar nicht, dass Seeigel essbar sind. Also haben wir uns an das Abenteuer gewagt und haben eine Portion davon probiert. Was uns serviert wurde sah wirklich etwas abenteuerlich aus. Lachsfarbene „Paste“ die in einer Art Flüssigkeit schwimmt. Tapfer haben wir uns an den Selbstversuch gewagt. Es war für uns ein wirklich sehr intensives Geschmackserlebnis der besonderen Art. Der Seeigel schmeckt extrem salzig, nach Meer und nach Fischeiern. Sehr interessant, aber für uns dennoch mehr als gewöhnungsbedürftig. Ich glaube, so schnell wird es keine Wiederholung davon geben. In die Schlange der Seeigel-Enthusiasten werden wir uns ganz sicher nicht einreihen. 

Der Tunnel Malpas am Canal du Midi

Beim Tunnel Malpas in der Nähe von Nissan-lez-Ensérune handelt es sich um den ersten Kanaltunnel der Welt. Er wurde für den Canal du Midi auf 160 Meter unter dem Hügel von Ensérune hindurch gebaut. Da unser Übernachtungsplatz zufälligerweise gleich um die Ecke lag, ließen wir es uns nicht nehmen einen kleinen Abstecher zu besagtem Tunnel zu unternehmen. 

Der Tunnel, dessen Ende bzw. Ausgang gut sichtbar ist, erscheint uns eher unscheinbar. Wir können uns nur schwer vorstellen, dass er so etwas einzigartiges und besonderes war. Aber wahrscheinlich müssen wir das Ganze durch die Brille von damals betrachten. Obwohl der Kanaltunnel sehr schmal ist, passen die breit wirkenden Hausboote ohne Probleme hindurch. Wir konnten uns selbst davon überzeugen.

Der Tunnel Malpas ist eine ganz nette, allerdings keine spektakuläre Angelegenheit. Extra dafür hinfahren lohnt sich u.E. nicht. 

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