Ein Tag komplett im Zeichen des Eisens in Blaenavon

Blaenavon, die ehemalige Eisenhüttenstadt mit reicher Industrievergangenheit

Nicht sparen sollte man sich einen Besuch der Eisenhütte von Blaenavon. Sie wurde in 2000 in die Liste des UNESCO-Welterbes mit aufgenommen. Von Seiten der EU wurde hier sehr viel Geld investiert um die Reste der Industrie-Vergangenheit zu konservieren und dem Besucher zugänglich zu machen. Von den Besucherströmen scheint die Stadt selbst bisher noch nicht profitieren zu haben. Sie wirkte auf uns sehr trist um nicht zu sagen leicht trostlos. Von einem aktiven Geschäftsleben war auch nichts zu spüren. Es gab nichts, was uns zum Verweilen verleitet hätte. Das trübe Wetter verstärkte diesen Eindruck noch bzw. passte genau dazu.

Bereits ab dem 16 Jh. wurde in Blaenavon Eisenerz gewonnen. Im 19 Jh. stand hier sogar eine der größten Eisenhütten der Insel. Das lag daran, dass der Ort am Rand der Brecon Beacons in der Nähe von drei wichtigen Rohstoffen (Kalk, Eisenerz und Kohle) lag. Mit der Industrialisierung und dem steigenden Bedarf an Eisen und Stahl wuchs auch hier die Produktion. Die Zechen schossen nur so wie Pilze aus dem Boden. In der Spitze deckten hier die Zechen 1/3 des Weltbedarfes. Der Niedergang wurde mit dem Einbruch der weltweiten Nachfrage nach Kohle ab 1921 eingeläutet. Immer mehr Zechen mussten schließen. Bereits 1925 war mehr als die Hälfte der arbeitenden Einwohner von Blaenavon arbeitslos.

World Heritage Center, Blaenafon Ironworks & Big Pit – Stationen der Entdeckungstour

Die aus unserer Sicht sehr spannende Industrievergangenheit kann von den Besuchern an 3 „Stationen“ nachvollzogen werden:

Im überschaubaren World Heritage Center erhält man anhand von Filmen, Schautafeln und interaktiven Ausstellungen einen ersten Eindruck über die Bedeutung der Industrialisierung der Region.

Die Reste der stillgelegten Hütte Blaenafon Ironworks zeugen vom damaligen Aufschwung und Erfolg der Eisengiesserei. Angeblich handelt es sich bei den sichtbaren Resten um das am besten erhaltene Industriedenkmal seiner Art in Westeuropa. Für uns war hier nicht mehr so wahnsinnig viel zu sehen. Da möchten wir gar nicht wissen, wie wenig von den anderen Plätzen dann noch übrig sein muss. Am interessantesten war für uns der Stack Square. Hierbei handelt es sich um die restaurierten Arbeiterwohnungen von 1792. Diese wurden sogar bis in die 1960iger Jahre bewohnt. Einfach unvorstellbar, denn es gab bis zuletzt keine Bäder & Toiletten in den Häusern. In einigen war der Zustand in den verschiedenen Jahrhunderten nachgestellt worden. Dieser gab auch Auskunft über die jeweiligen Lebensbedingungen.

Das Highlight von allem war für uns aber „The Big Bit“, die Schaugrube des National Museums of Wales. Hier kann man zusammen mit einem ehemaligen Kumpel zu einer Tour in den Untergrund aufbrechen. Vorher mussten wir jedoch alle Utensilien bzw. Gerätschaften mit Batterie und Akku abgeben. Zwecks Vermeidung von Explosionen im Tunnel. Somit war klar, dass es keine Erinnerungsfotos geben wird. Schade! Dann geht es richtig ausgestattet mit Helm, Lampe und Notfallset mit dem Förderkorb 100 Meter nach unten in die Tiefe. Da haben wir dann doch kurz einmal ein mulmiges Gefühl bekommen. Unten ist es kalt, nass und schlammig. Und leider sind die Stollen nicht immer mannshoch. In gebückter Haltung zu gehen ist auf längere Strecken gesehen doch mehr als ungemütlich. Unten in den Stollen kriegt man auf eindrucksvolle Weise gezeigt und erläutert, was es heißt in einer Kohlengrube zu arbeiten. Die Arbeitsbedingungen waren sehr lange Zeit kein Zuckerschlecken. Sie mussten schon als brutal bezeichnet werden. Es hat lange gedauert, bis sich diese verbessert haben. Früher mussten die Arbeiter z.B. nass und verdreckt nach Hause laufen. Ihre Frauen durften sie dann daheim in Waschzubern waschen. Dies war nicht nur schlecht für die Gesundheit des Minenarbeiters, sie brachten damit auch den Kohlestaub mit all seinen Problemen in ihr Heim. Ich kann gut verstehen, dass die Frauen rebelliert und dafür gekämpft haben, dass in der Mine Bäder bzw. Duschen installiert wurden. Heute ist im Badebereich eine informative Ausstellung untergebracht, die über die Geschichte der Kohlenmine und seiner Arbeiter eindrucksvoll informiert. Darüber hinaus gibt noch weit mehr zu sehen und zu erkunden. Die Zeit vergeht hierbei rasend schnell. Um alles in Ruhe und mit evtl. einer kleinen Teepause anzuschauen sollte man schon mind. 3 Stunden für den Besuch einplanen. Es lohnt sich wirklich!

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