Mehrtägige Fahrt durch den Brecon Beacons National Park und Besuch des National Botanic Garden of Wales

Der Reiz des Brecon Beacons National Park

Die Brecon Beacons sind ein uraltes Sandsteingebirge in Südwales, dem die Eiszeit vor 10.000 Jahren den letzten Schliff gab. Es erstreckt sich von der Grenze zu England im Osten bis nach Swansea im Westen. Brecon Beacon NationalparkEr ist über 1.344 km2groß. Zudem reich an Tälern, die von den Flüssen einst aus den Bergmassiven geschnitten wurden. Im Nationalpark gibt es 4 Bergmassive, die allesamt nach unseren Verhältnissen nicht allzu hoch sind (alle nicht höher als knapp 900 m). Auch an Wasserfällen mangelt es nicht. Alles ist sehr, sehr grün. Die Vegetation bestimmt sich durch Moore, Wälder und Weiden. Nicht zuletzt auch dank der vielen munter sprudelnden Bäche. Im Kalkgestein der Südseite des Parks sind Tropfsteinhöhlen entstanden, die zum Teil auch besucht werden können. Daneben gibt es auch noch einige sehr nette kleine typisch englische Städte, bei denen sich ein kleiner Stopp lohnt.

Den Park zu durchfahren hat uns sehr viel Spaß gemacht. Die Landschaft ist an vielen Stellen wirklich sehr reizvoll. Aber wir empfanden es nicht als so reizvoll, dass wir versucht waren zu einer mehrstündigen Wanderung aufzubrechen. Aber vielleicht lag es ja nur am trüben und unsteten Wetter.

Abergavenny, die angebliche Hauptstadt der Gourmets und Genießer

In diversen Publikationen haben wir gelesen, dass Abergavenny als Hauptstadt der Gourmets von Wales gilt. Dies zum einen wegen des jährlich stattfindenden Food Festivals. Zum anderen sollen das ganze Jahr über Erzeuger ihre Produkte aus der Region anbieten. Auch sollen sich einige der besten Restaurants von Wales hier finden. Da wir uns selbst als Gourmets bezeichnen und einem guten Essen gegenüber nicht abgeneigt sind war klar, dass wir Abergavenny einen Besuch abstatten müssen.

Die Ortschaft selbst war diesbezüglich enttäuschend. In der Markthalle fand ein Gerümpel-, Entschuldigung, natürlich ein Antiquitätenmarkt statt. Von Lebensmittelständen so gut wie keine Spur. Und auch in der Stadt selbst lässt das Sortiment von nur ganz wenigen Geschäften darauf schließen, dass hier essenstechnisch bzw. zutatenmäßig ein Highlight sein soll. Davon haben wir uns aber nicht entmutigen lassen. Wir haben mittags eines der ausgezeichneten bzw. preisgekrönten Restaurants getestet. Im „The Walnut Tree“ haben wir uns ein 3-gängiges Menü schmecken lassen. Das Essen war wirklich sehr hervorragend. Und auch die Zutaten waren von bester Qualität. Es ist jedoch nicht vergleichbar mit dem, was wir bzw. in München unter Gourmet verstehen. Es ist eher vergleichbar mit einem gehobeneren Italiener bei uns. Aber nichts destotrotz ist das Essen dort sehr zu empfehlen. Kulinarisch gesehen kann man hier auf jeden Fall von einem Highlight in Wales sprechen.

Spaziergang am alten Kanal bei Brecon

Brecon ist ein Beispiel für eine der typisch englischen bzw. walisischen Kleinstädte. Eine Haupteinkaufsstraße an der alle Geschäfte versammelt sind. Alles sehr übersichtlich und beschaulich. Einige der Häuser sind noch im viktorianischen Stil erhalten. Eine kleine Markthalle in der ein Sammelsurium von allem Möglichen angeboten wird. Das Sortiment entspricht keinesfalls dem was man in einer Markthalle üblicherweise erwarten würde. Etwas am Rand ein großer Supermarkt und weitere Läden des täglichen Bedarfs. Mitten im Zentrum eine Kirche und oft auch noch eine Burg-/Schlossruine als Überbleibsel aus vergangenen Jahrhunderten. Die an das Zentrum angrenzenden Wohnhäuser erscheinen alle im gleichen Stil erbaut. Sie erinnern darin sehr stark an den Plattenbau der ehemaligen DDR. Die Häuser, vermutlich alte Arbeitersiedelungen, sind alle aneinandergereiht und im Farbanstrich in ocker und grau gehalten. Teilweise mit undefinierbaren Verputz. Wie zerkleinerter Kies. Sie wirken auf uns sehr trübselig. Oft wird bei uns auch die Erinnerung an Bilder von Deutschland in den 60iger Jahren lebendig. Stromkabel oder andere Kabel an der Fassade sind Standard. Auch außen angebrachte Wasserrohre sind keine Seltenheit. Die ganze Bauweise wirkt auf uns sehr rückständig.

Aber nun zum eigentlichen Highlight, dem Kanal bei Brecon. Er wurde Ende des 18. Jh. erbaut. Und zwar auf einer Länge von 51 km. Er startet unweit von Newport und endet in Brecon. Dabei verläuft er quer durch den Brecon Beacon Nationalpark. Er diente in Vorzeit zum einen dem Zweck die Bevölkerung mit billiger Kohle, Kalk und landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu versorgen. Zum anderen wurden auf dem Kanal Eisen und Kohle zum Export nach Newport gebracht. Die Bedeutung des Kanals wurde bald von der Eisenbahn verdrängt. Der Kanal als solches blieb jedoch erhalten. Heute lässt es sich an ihm in sehr schöner Landschaft wunderbar spaziergehen. Oder man erkundet längere Strecken mit dem Rad. Freizeitkapitäne haben die Möglichkeit entsprechende Kanalboote zu mieten und den Kanal auf eigene Faust von der Wasserseite aus zu erkunden. Uns hat alles sehr stark an den Götakanal in Schweden erinnert. Mit dem Unterschied, dass hier keine Schleusen mehr zu finden sind. Am Kanal verläuft eine wirklich schöne grüne und abwechslungsreiche Landschaft. Es machte uns sehr viel Spaß durch diese zu spazieren. Besonders Radfahrer kommen bei dieser schönen Strecke voll auf ihre Kosten, da sie längere Strecken erkunden können.

Die Henrhyd Falls, die höchsten Wasserfälle Südwales

Henrhyd Falls

Ja, das sind sie wirklich! Der höchste Wasserfall in Südwales!

Wir lieben Wasserfälle. Daher war es natürlich für uns ein Muss auch diesen Wasserfall bei Coelbren anzusehen. Der Henrhyd Fall war schließlich auch schon Schauplatz in diversen Filmen, u.a. dem Film „The Dark Knight Rises“ von 2012. Auf einem steilen Weg geht es vom Parkplatz durch ein Wäldchen stetig nach unten in die Schlucht Nante Llech. Dann weiter auf dicht bewachsenen Pfaden, über eine Brücke und dann wieder ein kleines Stückchen bergauf. Alles ist unheimlich grün. Ein Wasserlauf plätschert entlang des Weges vor sich hin. Gespeist aus dem Wasserfall, wie wir später feststellen konnten. Der Wasserfall selbst ist wirklich sehr schön und sehr idyllisch eingebettet. Das Besondere an ihm ist, dass man hinter den Wasserströmen vorbeigehen kann. Der Besuch des Henrhyd Wasserfalls ist eine sehr schöne kurze Abwechslung zum sonstigen Besichtigungsprogramm. In der näheren Umgebung liegen noch weitere Wasserfälle. Wer möchte kann diese in die Besichtigungsrunde einzubeziehen. Nachdem bei uns das Wetter etwas feucht war und die Wege aufgrund dessen sehr schlammig waren haben wir darauf verzichtet.

Besuch des National Botanic Garden of Wales

Der National Botanic Garden of Wales ist eines der Besuchermagneten schlechthin. Auf unserem Weg vom Brecon Beacon Nationlpark zur Küste lag er fast auf dem Weg. Also nichts wie hin lautete die Devise. Der Garten ist sehr gepflegt und sehr schön angelegt. In seiner Größe ist er allerdings sehr überschaubar. Daher braucht man für seine Erkundung auch nicht allzu viel Zeit. Nach einer knappen Stunde hat man bereits alles gesehen. Die Hauptattraktion ist das große Gewächshaus des Architektenbüros Sir Norman Foster. Es soll angeblich weltweit das Gewächshaus mit der größten Spannweite sein. Es misst 110 Meter in der Länge und 60 Meter in der Breite. Die Landschaft im Glashaus bedeckt eine Fläche von 3.500 m2. Dies klingt gigantisch, in Wahrheit wirkt es allerdings nicht sehr groß. Es beinhaltet Pflanzen aus Australien, Südafrika, Chile, Kalifornien und natürlich vom Mittelmeer, die mediterranes Klima zum Gedeihen benötigen. Für mich als Nicht-Botanikerin waren die Pflanzen zwar ganz nett anzusehen, aber dennoch nicht besonders spektakulär. In der Vielfalt der zur Schau gestellten Pflanzen ist der Botanische Garten in München dem in Wales meilenweit überlegen. Ich denke, man muss schon ein großer Pflanzen-Enthusiast sein, um das Gewächshaus und den Garten entsprechend würdigen zu können.

Aus unserer Sicht versäumt man nichts, wenn man am National Botanic Garden vorbeifährt und die Besichtigung desselbigen einfach auslässt. Der Eintritt von 10 GBP p.P. ist gemessen an der Dauer des Besuches und an dem was geboten wird auch nicht gerade günstig. Besser man spart sich das Geld.

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