„Natur-„ und „Kunst-Genuss“ an einem Tag: Vormittags Kahn-Fahrt im Spreewald und nachmittags Besichtigung der Meissner-Porzellan Schauwerkstätten in Meißen

Inspiriert durch die Spreewaldkrimis war es schon immer mein Wunsch irgendwann einmal eine Kahnfahrt durch den Spreewaldzu machen. Auf dem Weg von Berlin nach Meißen hat sich nun dazu endlich die Gelegenheit ergeben. Das ganze ist vornehmlich eine Veranstaltung für Herrschaften ab 65++, da die Fahrt ganz entspannt und nicht anstrengend ist. Lediglich der Ein- und Aussteigevorgang gestaltet sich für den einen oder anderen Oldie etwas schwieriger, sehr zur Unterhaltung der Umstehenden. Kein Wunder also, dass ganze Busladungen voller Rentner im Spreewald einfallen. Um es gleich vorweg zu nehmen, den Spaß mindert das nicht, ganz im Gegenteil.

Wir sind während der Kahnfahrt voll auf unsere Kosten gekommen. Das lag sicherlich nicht nur an der romantischen Landschaft rechts und links der Kanäle, sondern auch an unserem Fährmann, der am laufenden Band trockene Sprüche und Witze zum Besten gegeben hat.

Wir haben uns Lübbenau als Startpunkt ausgesucht. Lübbenau, das sich selbst als Stadt der Kahnfahrt und der Gurken bezeichnet, erstreckt sich am Südrand des Oberspreewaldes. Es ist beliebtester Ausgangspunkt für die Kahnfahrten oder für eigene Fahrten mit dem Boot (Kajaks oder Kanadier können vor Ort gemietet werden). Der Hafen, von dem alle Fahrten abgehen, liegt im historischen Teil von Lübbenau. Angeboten werden verschiedene Fahrten und als Spreewald-Neulinge hatten wir dabei die Qual der Wahl. Wir haben uns letzten Endes für den Klassiker entschieden, die 3stündige Lehde-Rundfahrt. Bei dieser Fahrt geht durch das besiedelte Umland des Dorfes Lehde. Bei diesem Dorf handelt es sich um das wohl bekannteste im Spreewald. Aufgrund der Vielzahl baugeschichtlich wertvoller Blockhausbauten steht Lehde in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz. Wer nun denkt, dass wir nach 3 Stunden Fahrt mit einem platten Hintern ausgestiegen sind, den muss ich enttäuschen. Die Fahrt selbst dauerte insg. nur 2 Std.; 1 Std. war Zwangspause bei einem Restaurant. Wir haben uns dem Zweck des Zwangsstopps (Einkehr in das Restaurant) dadurch entzogen, indem wir die Umgebung etwas erkundet haben. Leider war die Zeit zu kurz, um in Lehde das älteste Freilandmuseum Brandenburgs zu besichtigen. Auch sind die Spreewaldkähne relativ gemütlich und sogar mit Tischen ausgestattet. Wir vermuten, dies soll die Passagiere animieren bei den regelmäßig am Kanal aufgebauten Ständen ein wenig zuzuschlagen und sich an Spreewaldgurken und Schmalzbroten zu laben. Die Einheimischen scheinen findige Geschäftsleute zu sein. Verhungern und verdursten muss während der Fahrt also niemand.

Und wem das nicht reicht, für den hat der Fährmann auch noch einiges an Getränken in seiner Kühlbox mit dabei. Apropos Spreewaldkahn – es handelt sich dabei um eine Art Flachboot ohne Kiel, meist aus Kiefernholz oder auch neuzeitlich aus Aluminium mit einer Länge von bis zu 9 Metern und einer Breite von nicht einmal 2 Metern. Drauf passen ungefähr 22 Passagiere. Der Fährmann steht am Ende und stakt mit dem Rudel, einer über 4 Meter langen Stange aus Eschenholz, durch das Wasser. D.h. sie stoßen sich mit dem Rudel am Boden der Fließe ab. Schaut gar nicht so anstrengend aus, aber ich bin überzeugt, das täuscht und geht für Ungeübte ganz schön in die Arme. Es wollte auf jeden Fall keiner mit dem Fährmann tauschen – auch ich nicht ….!

Neben vielen Ferienhäusern gibt es entlang der Fließe nur noch 150 Einwohner. Kein Wunder, sind viele Häuser nur vom Wasser aus zu erreichen und alles was gebraucht wird, muss mit dem Boot transportiert werden.

Es gibt hier sogar noch eine Postbotin, die die Post per Kahn austrägt. Vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage konnten wir uns gleich selbst überzeugen, da uns der Postkahn doch glatt entgegenkam. In der Fließlandschaft dauerhaft zu wohnen wäre absolut nichts für mich, auch wenn das Ganze so schön idyllisch, ruhig und romantisch ist. Für mich ist es zu viel Einsamkeit und Ruhe, der man zwischendurch immer nur per Boot entfliehen könnte. Die Kahnfahrt dagegen ist ein sehr kurzweiliges Erlebnis. Die Atmosphäre im Spreewald ist wirklich so, wie sie in den Spreewaldkrimis im Fernsehen rüberkommt. Wir waren hier sicherlich nicht das letzte Mal!

Für Interessierte noch eine Kurz-Informationen zum Spreewald:

Der Spreewald ist eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft, die 1990 zum Biosphärenreservat erklärt wurde und 1991 den UNESCO-Status erhalten hat. Die Niederung (48.400 ha) ist durchfurcht von einem Fließnetz (1.575 km Wasserarme), Feldern, Wiesen und Gehölzen und es gibt in diesem Flusslabyrinth 260 km befahrbare Fließe.

2 gekreuzte Schwerter (über die vielen Jahre in unterschiedlichen Versionen) sind seit jeher das Erkennungszeichen der staatlichen Porzellan-Manufaktur MeissenGmbH, dem großen Besucher-Magneten in Meißen. Gegründet 1710 per Dekret von August dem Starken hat es bis heute an seiner Attraktivität nichts eingebüßt. Obwohl wir keine Fans des Meissener Porzellans sind (es ist nach unserem Geschmack zu überladen bzw. für uns zu kitschig) konnten wir uns dennoch der Anziehungskraft nicht erwehren und haben die Porzellanmanufaktur oder besser gesagt die Schauwerkstätten besichtigt.

In diesen wird dem Interessierten an 4 Arbeitsplätzen gezeigt, wie das Meissener Porzellan in Handarbeit entsteht. Auch wenn die Informationen zu den einzelnen Arbeitsplätzen vom Band kommen, so schmälert dies nicht das gezeigte beeindruckende handwerkliche Können. Ich war bisher immer der Meinung, dass das gesamte Porzellan mittels Formen maschinell hergestellt und dann nur noch manuell verziert wird. Dies ist jedoch nicht der Fall. Am Arbeitsplatz des Drehers und Formers wurde sehr anschaulich gezeigt, wie eine reliefierte Tasse mit Hilfe einer Form gedreht wird. Der Former hatte dabei eine wahre Kunstfertigkeit und Schnelligkeit an den Tag gelegt. Wir als Zuschauer konnten gar nicht so schnell schauen, wie die Tasse geformt war. Als nächstes zeigte uns eine Bossiererin, wie die einzelnen Figurenteile zusammengefügt werden.

Dabei wird jedes einzelne benötigte (Verzierungs-) Detail von Hand mittels Formen hergestellt und alles miteinander verbunden. Eine sehr zeitaufwändige Arbeit. Kein Wunder also, dass die einzelnen Kunstgegenstände ihren hohen Preis haben. Auch die Unterglasurmalerei und die Aufglasurmalerei wurden anschaulich demonstriert und zeugen ebenfalls von einer einmaligen „Fingerfertigkeit“ und sehr großem Können. Hier sitzt wirklich jeder Pinselstrich! Mit derlei Hintergrundwissen versehen sind wir im Anschluss mit ganz anderen Augen durch das „Museum of Meissen Art“ gelaufen und konnten dabei die einzelnen Exponate bzw. die dahinterliegende Arbeit und damalige Kunstfertigkeit viel besser würdigen. Das Museum beherbergt die umfangreichste Sammlung Meissener Porzellan von den Anfängen 1710 bis heute und ist m.E. auch für nicht Porzellanfreunde sehr eindrucksvoll. Wer gerne ein Erinnerungsstück mit nach Hause nehmen möchte, der muss ein ausgesprochener Liebhaber und ausgestattet sein mit einem entsprechend großen Geldbeutel. Nachdem wir beides nicht sind bzw. haben war daher der „Outlet“-Shop bei uns ganz schnell „durchlaufen“ und abgehakt.

Die Stadt Meißen jetzt nur auf die Porzellanmanufaktur zu reduzieren würde ihr nicht gerecht werden. Die Altstadt ist –wenn auch überschaubar in der Größe- sehr schön hergerichtet. Besonders beeindruckend ist der Blick von der Elbe hinauf zur Albrechtsburg, in der von der Gründung bis zum Jahr 1863, das Meissener Porzellan hergestellt wurde. Die Altstadt mit ihren Gassen u.a. auch hinauf zur Albrechtsburg ist schnell zu Fuß erkundet und bietet sehr schöne Einkehrmöglichkeiten für eine kleine Verschnaufpause. In den Seitenstraßen ein wenig abseits der Haupttouristenroute finden sich auch noch nicht hergerichtete Häuser aus der Zeit vor der Wende, die nun mal mehr oder weniger ein tristes Dasein führen. Viele dieser Häuser stehen leer und warten auf einen Investor, der ihnen wieder neues Leben „einhaucht“. Interessant waren für uns die vereinzelten alten noch erkennbaren (Reklame-/Hinweis-)Schriften auf der Fassade. Da haben wir doch glatt ein paar nostalgische Gefühle bekommen, ohne damals dabei gewesen zu sein bzw. zu wissen, wie es damals wirklich war. Die Kombination aus Altstadterkundung und Besichtigung der Porzellanmanufaktur hat uns Meißen ein kleines Stück näher gebracht und uns sehr viel Spaß gemacht.

P.S. Wer noch mehr Informationen zur Porzellanmanufaktur bekommen möchte, dem empfehle ich bei wikipedia unter www.de.m.wikipedia.org nachzulesen.

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