Beidseitige 180°-Wendung am Telemarkkanal

Manchmal wird es mir richtig unheimlich, wie ähnlich mein Mann und ich mittlerweile ticken. Es kommt sehr oft vor, dass wir im selben Moment das gleiche denken bzw. aussprechen. Heute war auch wieder so ein Tag, wo ein einfacher Blick genügte und die Entscheidung damit getroffen war. Aber immer der Reihe nach.

Robert und ich waren vom Götakanal in Schweden schwer begeistert. Als wir dann mitbekommen haben, dass es in Norwegen den Telemarkkanal gibt war es abgemachte Sache, dass wir diesem einen Besuch abstatten werden. Die Details hörten sich ganz gut an: 105 km langer Kanal der zwischen Skien und Dalen verläuft, er verbindet 4 Seen miteinander, in 18 Schleusenkammern werden insgesamt 72 m Höhenunterschied überwunden, mehrere alte Schiffen verkehren regelmäßig auf dem Kanal. Die nette Dame von der Touristinfo in Stavern hat uns empfohlen die Strecke von Ulefoss nach Lunde mit dem Boot zu fahren und von dort mit dem Bus wieder zurückzukehren. Dieser Teil sei aus ihrer Erfahrung die schönste und ansprechendste Etappe. Der Großteil der übrigen Strecke führt durch die Seen und sei nicht so spannend. So haben wir uns in der Früh rechtzeitig um 10:00 Uhr in Ulefoss an der Schleuse eingefunden. Mit jeder Minute wurden es mehr Leute. Erst dachten wir, die meisten von ihnen möchte sich nur den Schleusungsvorgang ansehen. Aber weit gefehlt, die wollten alle mit aufs Boot. Während des Schleusungsvorgangs an der Ulefoss-Schleuse haben wir auch noch festgestellt, dass der größte Teil des Schiffes überdacht ist. Damit ist die Sicht nach oben und zur Seite eingeschränkt. Der vordere und während der Fahrt interessanteste Bereich des Schiffes war leider von der Größe sehr überschaubar und zudem schon besetzt von den früher zugestiegenen Fahrgästen. Robert und ich haben uns nur kurz angesehen und den Kopf geschüttelt. Für uns beide war ohne Diskussion sofort klar, dass wir unser Vorhaben nicht in die Tat umsetzen und auf die Fahrt mit dem Schiff verzichten. Wir haben beide sozusagen im Handumdrehen eine 180°-Wendung vollzogen. Da die Fahrkarten an Bord zu kaufen sind, war dies auch gar kein Problem. Im Nachhinein müssen wir sagen, dass wir gut daran getan haben es sein zu lassen. Kaum haben wir uns auf den kurzen Rückweg zum Auto gemacht hat es zum Regnen angefangen und den ganzen Rest des Tages nicht mehr aufgehört. Wir hätten viel Geld ausgegeben ohne richtig etwas davon zu haben. Hinzu kommt noch, dass die ersten beiden von uns von Land betrachteten Schleusungsvorgänge ganz interessant waren, die nachfolgenden dann aber ganz schnell ihren Reiz verloren hatten und langweilig wurden. Durch unseren Verzicht haben wir nicht wirklich etwas versäumt. Wir sind nämlich einen kurzen Teil der Strecke am Wasser entlanggefahren bis zur wirklich interessantesten und größten Schleuse bei Vrangfoss. Der Vorgang der Schleusung über die dortigen 5 Kammern dauert 40 Minuten. Zähle ich noch die anderen Schleusen mit dazu, dann hätten wir die Hälfte der über 2stündigen Fahrzeit in den verschiedenen Schleusenkammern verbracht. Das war uns vorher irgendwie auch nicht so bewußt. Aber Glück gehabt! So haben wir den Schleusungsvorgang „unseres“ Schiffes über die 5 Kammern hinweg von der Schleusenmauer aus beobachtet. Von dort hatten wir sicherlich die bessere Sicht als vom Schiff aus. Außerdem konnten wir einfach gehen und weiterfahren als wir genug davon hatten. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass man nicht immer in der „ersten Reihe sitzen muss“, sondern auch als „Zaungast“ auf seine Kosten bzw. zu seinem Vergnügen kommt.

Am Rande sei nur erwähnt, dass der Telemarkkanal aus unserer Sicht nicht wirklich mit dem Götakanal in Schweden vergleichbar ist und an diesen mitnichten herankommt.

Ich bin überzeugt man versäumt nichts, wenn man den Besuch des Telemarkkanals auslässt.

Dieser Beitrag wurde unter 2016 Norwegen, Reisen abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.