Kraftwerk Vermork – Der Kampf im 2. Weltkrieg um das schwere Wasser

Wider besseren Wissens sind wir weiter in Richtung Norden gefahren. Über Notodden ging es auf der Straße 37 weiter nach Rjukan. Landschaftlich wirklich sehr schön und sehr abwechslungsreich. Das Wetter aber wieder sehr unbeständig und saukalt! Kein Wunder, schließlich geht es auch über die Berge auf 1200 m Höhe und noch darüber hinaus. Wandern bei frostigen Temperaturen ist nicht so unseres. Wir haben uns daher –scheinbar als einige der wenigen- nicht auf den Weg hoch zum 1800 m hohen Gaustatoppen gemacht. Von dort hat man bei klarem Wetter Sicht nach Schweden und auf große Teile von Norwegen. Am besagten Morgen war es allerdings nass, saukalt und neblig.

Warum sich die Massen dennoch auf den Weg nach oben begeben haben ist uns bis jetzt ein Rätsel geblieben. Wir sind dann auch in einem Rutsch –mit einer kurzen Unterbrechung in Rjukan um das Industriearbeitermuseum anzusehen- sozusagen in einem Bogen immer auf der Straße 37 über Rjukan nach Dalen (wieder in Richtung Süden) durchgefahren. Auch die anschließende Fahrt durch das sehr nette alpenländisch wirkende Setesdal an die Südküste ging ohne Unterbrechungen von statten. Wir haben nun wirklich genug von den wenig sommerlichen Temperaturen und dem meist grau verhangenen Himmel. Wir lechzen nach Wärme und beständigem Sonnenschein. Es ist scheinbar Zeit endlich wieder in Richtung Heimat aufzubrechen. Wir haben nun die Fähre (von Larvik nach Hirtshals) für Mitte nächster Woche gebucht. Bis dahin hoffen wir auf ein paar annähernd sommerliche Tage an Norwegens Südküste und anschließend auf ein paar sonnige Strandtage in Dänemark.

Nun aber zum Industriearbeitermuseum. Dieses Museum weist eine Besonderheit bzw. Einzigartigkeit auf. In dem ehemaligen Wasserkraftwerk in Vermork bei Rjukan wurde in den 40iger Jahren schweres Wasser hergestellt. Es handelt sich dabei um Wasser mit besonderen Eigenschaften, dass während des Zweiten Weltkrieges aufgrund seiner Verwendungsmöglichkeiten im Bereich der Kernphysik sehr begehrt war. Vereinfacht kann man sagen, dass schweres Wasser bei der Kernspaltung als eine Art Bremsflüssigkeit eingesetzt wird. Was macht das Ganze nun so interessant? Ich habe hier einen für mich neuen Teil bzw. Aspekt der Geschichte des 2ten Weltkrieges kennengelernt. Mir war bisher nicht klar bzw. so deutlich vor Augen, dass die Deutschen während des 2ten Weltkrieges intensiv an der Atombombe geforscht bzw. experimentiert hatten. Das haben die Wissenschaftler der alliierten Länder zwar ebenfalls getan, allerdings nach anderen Prinzipien als die Deutschen. Ein Erfolg war bei ihnen jedoch nicht in Sicht. Die Deutschen schienen durchaus weiter zu sein.

Eine Großbestellung der Deutschen an schwerem Wasser in dem von Deutschen besetzten Norwegen ließ die Alliierten auf jeden Fall sehr unruhig werden. Die Angst, dass Deutschland mit einer Atombombe den Krieg für sich entscheiden könnte war sehr präsent. Dies galt es mit allen Mitteln zu verhindern und die Experimente der Deutschen zu sabotieren. Die Geschichte erzählt nun von den zuerst misslungenen und später erfolgreichen Bemühungen der Alliierten und von Norwegern selbst die Produktion von schwerem Wasser lahm zu legen. Alles sehr anschaulich dargestellt und wirklich hochinteressant. Den Rest des Museums kann man dann getrost im Schnelldurchgang durchlaufen oder auch auslassen.

Wer noch mehr Informationen zum schweren Wasser und die Rolle des Werkes von Vermork in der Geschichte des 2ten Weltkrieges bekommen möchte, der findet diese sehr ausführlich auf Wikipedia.

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