Besuch der Biennale Arte 2019 in Venedig

„May you live in interesting times“ ist das Motto der Biennale Arte 2019

Das Motto „May you live in interesting times“ der diesjährigen Biennale Arte klang beim ersten lesen ganz interessant. Beim zweiten Mal lesen mussten wir zugeben, dass wir aus dem Titel nicht ableiten können, welche Art von Kunst uns denn nun erwarten wird. Kein Problem dachten wir, es gibt ja eine Broschüre der Ausstellung mit einer entsprechenden Einleitung bzw. Beschreibung. Aber ehrlich gesagt, waren wir nach dem Lesen auch nicht schlauer, sondern weiterhin ratlos. So ein Kauderwelsch ist für uns auch wirklich nicht zu verstehen. Erst dachten wir, es liegt an unserem fehlenden englischen Fach-Wortschatz. Aber auch das Googlen hat uns nicht entscheidend weitergebracht. 

Die Rheinische Kulturraumverdichtung hat die Aussagen/Hintergedanken des Kurators Ralph Rugoff folgendermaßen beschrieben:

„Letztendlich strebt die Biennale Arte 2019 nach dem Ideal, dass das Wichtigste an einer Ausstellung nicht das ist, was sie ausstellt, sondern wie das Publikum seine Erfahrungen mit der Ausstellung hinterher nutzen kann, um Alltagsrealitäten aus erweiterten Blickwinkeln und mit neuen Energien entgegen zu treten. Eine Ausstellung sollte die Augen der Menschen öffnen für bislang nicht bedachte Lebensmöglichkeiten und so ihre Sicht auf die Welt verändern“.

Himmel Herrgott, wer versteht denn so eine „verschwurbelte“ Sprache?! Ich dachte bisher immer, dass es in den Ausstellungen um die einzelnen Werke geht. Und ob Sie etwas in mir berühren oder bestimmt Gefühle auslösen. Obwohl, um ehrlich zu sein, die Ausstellung hat auch Gefühle in uns ausgelöst. Allerdings wahrscheinlich nicht die vom Kurator und von den Künstlern erhofften.

Versteckte Kamera bei der Biennale Arte 2019??

Die Biennale Arte ist in mehrere Areale bzw. Bereiche aufgeteilt. Die Zentralausstellung, die Ausstellungen in den nationalen Pavillions und die Nebenausstellungen. Voller Schwung und Elan begannen wir mit der Zentralausstellung. Je mehr „Werke“ wir sahen umso „leidender“ wurden wir. Wir verstanden die Welt bzw. die Ausstellungsstücke überhaupt nicht. Was hier so geboten wurde war für uns als zeitgenössische Kunstlaien zu mind. 80 % „Schrott“. 

Wir ertappten uns dabei, wie wir verstohlen nach der versteckten Kamera Ausschau hielten. Wir konnten es nicht fassen, dass es diese Werke in eine der bedeutendsten Ausstellungen geschafft haben. Obwohl von Werken möchten wir hier gar nicht sprechen. Teilweise hatten wir das Gefühl, die Erstlingswerke der Kindergarten-/Krabbelgruppe vor uns zu haben. Zudem waren die meisten der Videoinstallationen für uns absolut unverständlich und wenig nachvollziehbar. Wir empfanden es einfach nur als Zumutung. Ein Werk skurriler, abgehobener und realitätsfremd als das andere. Wir waren der festen Überzeugung, dass es sich hier nur um Verarschung der Besucher ala versteckte Kamera handeln konnte. Aber wir konnten diese einfach nicht finden. Wir waren mehr als fassungslos, dass die hier ausgestellten Werke wirklich ernst gemeint sind. Zur Ehrenrettung muss ich allerdings auch sagen, dass es vereinzelte Ausstellungsstücke gab, die uns zumindest im Ansatz gefallen haben. Aber diese waren leider in der absoluten Minderzahl. 

Deutscher Beitrag zur Biennale Arte 2019 eine einzige Peinlichkeit

Meine bessere Hälfte war nur durch gutes Zureden zu bewegen (ich gebe zu, ein wenig Drohen war auch mit dabei) wenigstens noch den einen oder anderen Länder-Pavillion anzusehen. Mein Mann meinte, die Verlängerung dieser Folter wäre nur schwer für ihn zu ertragen. Zu seinem Leidwesen bin ich hart geblieben. Ich habe dann allerdings einen taktischen Fehler gemacht. Wir sind mit dem deutschen Pavillion gestartet. Und was soll ich sagen, in meinen Augen eine absolute unverständliche Peinlichkeit. Dafür hat Deutschland wiederum einen eigenen Kurator?! Wir haben durchgehend den Kopf geschüttelt. Es ist uns unverständlich, dass Deutschland dafür Geld ausgibt. Es geht im Beitrag um Zuwanderungspolitik, Ausgrenzung und Identität. Das sperrige Werk heißt „Ankersentrum“. Spiegel Online schrieb in seinem Beitrag: „Besucher der Kunstbiennale haben Schwierigkeiten mit dem deutschen Beitrag. Abweisung, Auskunftsverweigerung und Anonymität sind Teil der Idee – doch lohnt sich ein Werk, das Menschen nicht erreicht?“. Wir sagen nein!!! Das Werk hat unsere Fluchtinstinkte verstärkt. So ein hanebüchener Unfug! Und so was schimpft sich Kunst. Wir waren wirklich mehr als peinlich berührt. Es wurde auch nicht dadurch besser, dass die meisten der anderen Länderbeiträge auch ich besser waren. Teilweise für uns sogar noch „verstörender“. 

Als Gesamtfazit bleibt für uns festzuhalten, dass die Biennale Arte 2019 uns nur entsetzt hat. Es war „Folter pur“, um mit den Worten meines Mannes zu sprechen. Es verwundert nun denn auch sicherlich niemanden, dass wir uns das 2te Ausstellungsareal in Arenale nicht mehr angetan haben. Nach 2 Stunden Biennale Arte im Bereich Giardino waren wir bereits restlos ausgelaugt und fix und fertig. Wir wollten nur noch weg. Einfach ganz schnell wieder zurück in die Realität. Nach diesem für uns mehr als denkwürdigen Erlebnis sind wir definitiv nicht mit der zeitgenössischen Kunst warm geworden. Ganz im Gegenteil! Auf diese, unserer Meinung nach Verarschung können wir gut und gerne verzichten. Was den in der Kunstszene scheinbar anerkannten und vielgeschätzten Kurator Ralph Rugoff zu den Inhalten der Ausstellung veranlasst hat wird uns für immer ein Rätsel bleiben. 

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