Das beinah-Fußball-EM-Drama in Trondheim

Seit klar war, dass Deutschland im EM-Viertelfinale steht war es für meinen Göttergatten extrem wichtig, dass wir am Tage des Fußballspiels unbedingt in einer größeren Stadt die Nacht verbringen. Wir haben keine Satellitenschüssel, sondern nutzen die Technik DVB-T. Platt gesagt über Laptop mit Antenne. Voraussetzung ist, dass die Spiele nicht verschlüsselt übertragen werden. Robert konnte es daher gar nicht schnell genug in Richtung Trondheim gehen. Insgeheim von Anfang sein Ziel für das Fußballspiel, denn in seiner Vorstellung müssen alle Voraussetzungen in einer so „großen“ Stadt wie Trondheim gegeben sein.

Wir sind dann auch -wenn wundert es- pünktlich am Samstag mittag in Trondheim angekommen. Zu unserem Glück haben wir auch noch den vorletzten Platz auf dem nahe zum Zentrum gelegenen Parkplatz bekommen. Robert war ganz hin und weg. Leider währte dieser Glückszustand nicht allzu lange. Kaum standen wir richtig, musste gleich alles für die abendliche Fußballsession aufgebaut und getestet werden. Und damit nahm das Unglück seinen Lauf. Alles war verschlüsselt und daher von uns nicht zu empfangen. Roberts Laune sank in den Keller und ich habe es mir 10mal überlegt, bevor ich ihn angesprochen habe. Der Spaziergang in Trondheim stand dann mehr oder weniger unter dem Motto „Welche Kneipe/Hotel etc. überträgt das Spiel“. Wir sind dann auch relativ schnell fündig geworden. Aber welche Pein und Qual für Robert – es wurden keine Reservierungen mehr angenommen. Um noch halbwegs eine Chance zu haben, hätten wir schon Stunden vorher im Pub sein müssen. Und darauf hatte ich absolut keine Lust. Zudem lag die Lokalität mind. 30 Minuten weg vom Stellplatz.

Aber manchmal lösen sich die Probleme dann schneller und einfacher als man meint. Wohnmobilisten sind ja alle so ein eigenes Völkchen (wobei ich ganz frech Robert und mich ausnehme) und man kann viel über sie herziehen (was ich beizeiten auch ausgiebig mache) aber sie sind im Regelfall alle wahnsinnig hilfsbereit. Wir waren kaum von unserem Stadtspaziergang beim Stellplatz zurück als uns ein älteres Ehepaar aus Pfaffenhofen an der Ilm ansprach. Zu Roberts großer Freude verfügte ihr Wohnmobil über eine Satellitenschüssel. Und noch wichtiger sie waren auch gerne bereit Robert während des Spiels Asyl zu gewähren.

Aber –O-Schreck- der Satellit hatte keinen Empfang. Aber wie es das Glück nun mal so wollte, sind in der Zwischenzeit zwei Stellplätze kurzfristig frei geworden. Und der Pfaffenhofener war sehr willig (er wollte das Spiel auch gerne sehen, aber seine Frau hatte mit Fußball so gar nichts am Hut) und hat sein Wohnmobil so lange umgeparkt und ausgerichtet bis das ZDF zu empfangen war. Robert war vielleicht glücklich um nicht zu sagen selig. Sein Seelenfrieden und damit auch meiner waren wiederhergestellt.

Trondheim hat uns auch bei unserem nun bereits zweiten Besuch wieder ausnehmend gut gefallen. Im Vergleich zu anderen norwegischen Städten kann man hier auch wirklich von einer Stadt sprechen. An Trondheim gefällt uns besonders, dass hier alt und neu so nahe beieinanderliegen. Über die alte Stadtbrücke geht es in das Viertel mit den alten Speicherhäusern und Holzhäusern. Am Ende dieses Viertels liegt eine modern gestaltete Restaurantmeile und ein Einkaufszentrum. Die Innenstadt selbst verströmt ein heimeliges und lebhaftes Flair, wie es nur Studentenstädte vermögen. Die Studenten haben ihre eigenen Restaurants und mit ihrem Sortiment auf sie spezialisierte Läden. In etwa vergleichbar mit dem Schwabinger Viertel in München. Man kann sich durch das Zentrum wunderbar zu Fuß treiben lassen. Alles Sehenswerte liegt auch hier praktischerweise wieder sehr nahe beieinander. Auch im unmittelbaren Zentrum ist das Miteinander von alt und neu wieder hautnah zu erleben. Auf der einen Seite die moderne Fußgängerzone. Auf der anderen Seite ein Geschäftsviertel mit weißen Holzhäusern im Schachbrett angelegt. Auch für den Kunst- und Kulturinteressierten gibt es einiges zu besichtigen – u.a. diverse Museen und die bereits von außen wirklich imposante Kathedrale. Allerdings haben wir auch dieses Mal wieder von einer Besichtigung der Kathedrale Abstand genommen. Zum einen, weil wir schon Unmengen von Kathedralen überall auf der Welt gesehen haben und es eigentlich auch nicht so mit Kirchen haben. Zum anderen weil der Eintrittspreis wirklich gesalzen ist.

Trondheim ist für uns eine sehr interessante und pulsierende Stadt. Ich bin mir sicher, dass wir hier auch bei unserem nächsten Norwegen-Aufenthalt wieder einen Stopp einlegen.

 

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