Schnupper-Sightseeing in Taipeh und die Wachablösung der etwas anderen Art

Auf unserem Rückflug nach Hause gab es von Taipeh aus keinen unmittelbaren Anschlussflug nach München. Wir hatten daher 24 Stunden Aufenthalt bis zum Weiterflug nach Frankfurt. Das war in doppelter Hinsicht sehr gut. Es lohnt sich, sich für die Nacht ein Hotel zu nehmen und sich in einem guten Bett richtig auszuschlafen. Hier bietet sich das erstklassige und sehr moderne Hotel „Novotel“ in unmittelbarer Nähe am Flughafen an. Zum anderen hat man genügend Zeit an einer der beiden kostenlosen Halbtages-Besichtigungstouren in Taipeh teilzunehmen.

China Airlines bietet diesen Service seinen Transitpassagieren an. Die Tour am Morgen war uns zu früh, so haben wir an der Nachmittagstour teilgenommen. Im strömenden Regen ging es zur Chiang Kai-Shek Memorial Hall und zum Longshan Temple, zwei Touristenattraktionen in Taipeh. Das Ganze wurde sehr professionell von einer Reiseagentur durchgeführt. Wir waren insg. nur 5 Touristen in einem kleineren Touristenbus mit einem Guide und einer Fahrerin. Das Design dieses Busses ähnelte sehr stark dem unserer Busse zur Jugendzeit unserer Eltern. Wir fühlten uns gleich in eine andere Zeit zurückversetzt. Als erstes ging es zur Chiang Kai-Shek Memorial Hall. Vom Flughafen war es eine gute Stunde Fahrzeit. Der Guide hat diese Zeit genutzt, um uns einige Daten und Fakten zu Taipeh mit auf den Weg zu geben. Es war wirklich sehr interessant und kurzweilig. Beim Blick aus dem Fenster flogen die Hochhäuser nur so an uns vorbei. Richtig große „Wohnsilos“. Platz ist hier wirklich Mangelware. So wundert es auch nicht, dass ein großer Teil der Autobahn vom Flughafen in die Stadt auf einer Brücke verläuft – sozusagen eine Etage höher.

Die Chiang Kai-Shek Memorial Hall ist ein wirklich sehr beeindruckendes Monument zur Erinnerung an den langjährigen Präsidenten der Republik und obersten Militärbefehlshaber der Republik China. Hier wurde ihm ein wahrhaft sehr gigantisches Denkmal gesetzt. Gelegen mitten in der Stadt in einem sehr großen Park mit 25 ha. Das Gebäude beinhaltet alles, was der Personenkult um eine Person so hergibt. Für uns Deutsche ist dieser Kult um eine Person in dieser Art und Weise schon sehr ungewöhnlich. So etwas in dieser fast schon „penetranten“ Art bei uns ist mir nicht bekannt. Die Wichtigkeit der Person Chiang Kai-Shek insbesondere seine Rolle im 2ten Weltkrieg wird hier enorm „aufgeblasen“. Auf einigen Bildern sieht man ihn zusammen abgebildet mit wirklichen Persönlichkeiten wie z.B. Churchill und Roosevelt. Riesige Ölgemälde, persönliche Ausstellungsstücke, wie z.B. sein Wagen, diverse Photografien etc. finden sich im Erdgeschoß des sehr prächtigen und großen Gebäudes. Interessanterweise finden sich im Gebäude auch unzählige Souvenierläden, eine Post und ein Restaurant. Es werden sozusagen alle möglichen „Bedürfnisse“ eines in- und ausländischen Touristen abgedeckt. Im oberen Stockswerk ist in einem riesigen Saal eine wirklich mehr als große bronzene Statue von Chiang Kai-Shek beheimatet.

Am Buckingham-Palace in London oder am Königspalast in Kopenhagen befindet sich vor der Statue eine Ehrenwache in schmucker Uniform. Um 15:00 Uhr findet täglich die Wachablösung statt, die auch hier eine Vielzahl von Schaulaustigen anzieht. Ausländische Touristen bzw. „Langnasen“ konnten wir –außer unserer kleinen Reisegruppe- keine ausmachen. Ob es sich um bei den Umstehenden alles um Taiwanesen oder andere Asiaten handelte, hat sich uns nicht erschlossen. Sie waren auf jeden Fall alle sehr diszipliniert und verhältnismäßig leise. Die Wachablösung selbst ist wirklich sehenswert – ein Spektakel zwischen rhythmischer Sportgymnastik und Ballett. Es war wirklich nett anzusehen und sehr amüsant. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis die wachhabenden Soldaten in einer aufwändigen Choreographie auf ihren Plätzen ausgetauscht waren. Leider war die Besichtigungszeit sehr knapp bemessen und bot nur die Möglichkeit kurz in die einzelnen Räume hinein zu schnuppern. Wir hätten dort gerne noch mehr Zeit verbracht, da wir es wirklich sehr interessant fanden. Gerne wären wir auch noch im Garten umhergestreift oder hätten uns das Nationaltheater und die Nationalkonzerthalle angesehen, die sich auf dem gleichen Gelände befinden. Aber als nächstes Ziel wartete bereits der Longshan Temple auf und uns. Dieser ist im Wanhua District gelegen. Er wurde 1738 gegründet und ist Guanyin gewidmet, der buddistischem Göttin des Erbarmens und der Gnade. Das wir uns im Jahr des Affens befinden, war sogar für uns Laien auf den ersten Blick ersichtlich. Überall hingen kunstvolle Lampions in Affenform und auch der Tempel innen war mit einer Vielzahl dieser sehr kreativen Lampions dekoriert. Die Tempelanlage ist geteilt in eine Vorhalle, Haupthalle, hintere Halle und einem rechten und linken Flügel. Alles sehr kompakt gebaut. Unser Guide hat uns noch einiges an Informationen zum Glauben und den Bräuchen im Tempel mitgegeben. Eine wirklich faszinierende Angelegenheit. Der Tempel selbst ist wunderbar ausgeschmückt. So finden sich z.B. auf dem Dach wunderbar kunstvoll gestaltete Drachen. Ich konnte mich daran gar nicht satt genug sehen. Zum Zeitpunkt unseres Besuches fand gerade ein „Gottesdienst“ statt. Es war schon sehr berührend zu sehen, wie intensiv die Tempelbesucher in Ihrer Zwiesprache versunken sind. Wir konnten uns sehr frei im Tempel bewegen und keiner hat von uns Kenntnis genommen oder uns angesprochen. Die Menschen aus Taiwan scheinen in dieser Beziehung sehr zurückhaltend zu sein. Unweit der Tempelanlage befand sich der Touristenmarkt. Es handelt sich dabei um eine lange überdachte „Straße“, in der sich eine Vielzahl von Restaurants, Fusspflege und Fußmassagesalons befinden. Vereinzelt finden sich auch noch Schuh- und Kleiderläden. Von Touristen am Nachmittag keine Spur. Dagegen besuchten die Taiwanesen sehr rege die Fußmassagesalons deren Sessel wirklich keine Wünsche offen ließ. Sogar Fernseher gab es daran zu sehen. Fußmassage scheint ein Volkssport in Taiwan zu sein.

 

In den meisten Restaurants wurde Schlange serviert. Die armen Tiere mussten in Käfigen in Schaufenstern bis zu ihrem Verzehr ausharren. Das war wirklich furchtbar für uns. Es heißt zwar „andere Länder – andere Sitten“, ich könnte mich daran sicherlich aber trotzdem nicht gewöhnen.

Dieser kurze Ausflug in Taipeh hat uns dennoch sehr gut gefallen und uns auf den Geschmack gebracht, einen Urlaub in Taiwan zu verbringen.

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