Wanderung im Rondane Nationalpark und wie uns meine Wanderstöcke vor nassen Füßen bewahrten

Oh je, bei uns macht sich momentan ganz schöner Wetter-Frust breit. Wir dachten, wir wüssten worauf wir uns wettermäßig mit Norwegen einlassen. Uns war klar, dass wir hier keine hochsommerlichen Temperaturen haben werden. Unser Leitspruch war daher immer „Hauptsache es regnet nicht!“. Der Regen hält sich auch im Großen und Ganzen in Grenzen bzw. ist einigermaßen erträglich. Allerdings haben wir unterschätzt, dass ein ständig grauer Himmel auf Dauer auch ganz schön aufs Gemüt geht.
Womit wir jedoch am Meisten zu kämpfen haben sind die eher „winterlichen“ Temperaturen, die wir so nicht erwartet hatten. Es ist für uns für diese Jahreszeit im Durchschnitt mindestens 5 – 8 Grad zu kalt. Wenn wir die letzte Zeit Glück hatten, dann ging das Thermometer mal auf max. 15 Grad. Ansonsten liegt es so um die 10 Grad plus/minus ein paar Grad. Es fehlt einfach an Sonnenschein. Kommt die Sonne mal ein wenig durch, dann wird es auch gleich ein paar Grad wärmer. Kommt einer der Regenschauer, dann geht das Thermometer gleich auf unter 10 Grad. Mütze und Handschuhe sind momentan unverzichtbare Accessoires. Und das wohlgemerkt im Juli, dem wärmsten Monat im Norwegen. Einige geplante Aktivitäten sind dann leider auch der Kälte zum Opfer gefallen.

Ich hatte mich z.B. schon die ganze Zeit auf ein Wiedersehen mit den Moschusochsen im Dovrefjell Nationalpark gefreut. Wir wollten dieses Mal an einer Moschusochsen-Safari teilnehmen. 5-6 Stunden im Freien bei 10 Grad bei zudem angesagten Regenschauern ohne Skiunterwäsche und richtiger Winterkleidung haben uns dann jedoch davon abgebracht. Wir sind dann frustriert und in der Hoffnung auf besseres Wetter weiter in den Rondane-Nationalpark gefahren. Vor 3 Jahren haben wir schon einmal eine kleine Wanderung in diesem Nationalpark gemacht, allerdings auf der Ostseite. Die hat uns so gut gefallen, dass wir den ältesten Nationalpark in Norwegen unbedingt noch weiter kennenlernen wollten.

Wir haben uns dieses Mal auf der westlichen Seite zur kleinen Erkundung aufgemacht. Wir sind bei Otta die 13 km lange Stichstraße nach Mysuseter gefahren. Von dort ging es auf einer Mautstraße zum 3 km entfernten Wanderparkplatz Spagnet. Dieser liegt bereits oberhalb der Baumgrenze mitten im Nationalpark. Die Sicht von dort ist schon einfach phänomenal. Und man ist schon mitten in der tollen und faszinierenden Tundralandschaft. Die Temperaturen waren mit 7 Grad dann auch noch sehr frostig. Allerdings kam an einigen Stellen immer wieder die Sonne durch und es zeigten sich auch vereinzelte Fetzen von blauem Himmel. Das war ja dann schon einmal was. Nachdem immer nur im Auto sitzen auch nicht das Wahre ist, haben wir uns dick eingepackt und sind trotzdem losmarschiert. Beim stramm marschieren wird einem ja bekanntlich warm.
Wir sind entlang auf einer Schotterpiste oberhalb des Flusses Store Ula gute 6 km bis zur bewirtschafteten Hütte Rondvassbu gewandert. Diese liegt direkt am See Rondvatn. Eine wirklich wunderschöne Strecke inmitten der einmaligen und faszinierenden Tundra-Landschaft. Immer wenn die Sonne durchkam glänzten die gelben Rentierflechten goldfarben im Sonnenlicht. Und das Licht- und Schattenspiel auf den umliegenden Bergen einfach einmalig. Die Landschaft hat uns auch dieses Mal wieder sehr begeistert. Einziger Wehrmutstropfen waren die doch recht vielen Leute, die unterwegs waren. Das ist der Einfachheit des Weges bis zur Hütte geschuldet. Für den Rückweg wollten wir dann doch mehr „Wander-Natur-Feeling“ und ein wenig Einsamkeit haben. Wir sind dann auf der anderen Seite direkt am Lauf des Flusses Store Ula auf einem ausgetretenen Wanderpfad zurückgewandert.
Der Weg war wirklich sehr feucht bzw. nass. Er führte durch moorige Passagen, Wasserläufe und sogar ein breiter Bach (ohne Brücke) waren zu überqueren. Mit dem richtigen wasserdichten Schuhwerk nicht wirklich ein Problem. Haariger war es mit den überschwemmten Teilen des Weges. Wir wussten nie, wie tief steht das Wasser steht und ist es wirklich nur Wasser oder ist darunter sumpfiger Morast. Am Anfang der Tour waren wir noch etwas unbekümmert und prompt bin ich mit einem Fuß fast bis zum Schuh-Schaft im Batz eingesunken. War gar nicht so leicht, den Fuß wieder heraus zu bekommen.
Aber Gott sei Dank hatte ich meine Wanderstöcke dabei. Ich bin also voran marschiert und an heikel aussehenden Stellen habe ich erst einmal mit meinen Stöcken den Untergrund getestet. Es war kaum zu glauben, wie tief das Wasser oftmals war. Wir vermuteten ein paar Zentimeter, dabei waren es dann gut 15- 20 cm. Teilweise versanken die Stöcke auch tief im Morast. Mit diesem „Prozedere“ ist es uns gelungen alle „Klippen“ zu umschiffen und trockenen Fußes wieder zum Parkplatz zurückzukehren. Ich muss sicherlich nicht sagen, dass wir auf der Strecke nahezu ganz alleine unterwegs waren. Denn wer ist schon so „doof“ und geht so einen teilweise „abenteuerlichen“ nassen Weg, wenn es eine bequeme Schotterpiste gibt. Wir haben unsere Entscheidung für den Rückweg jedoch nicht bereut. Wir hatten viel Spaß dabei und unglaublich schöne & intensive Landschaftseindrücke, die wir so in der Art von der Schotterpiste aus nicht gehabt hätten.

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