Inselrundfahrt auf Yap, d.h. Männerhäuser, Steingeld, Relikte aus dem 2ten Weltkrieg und ganz viel „Urwald“

Die Insel Yap ist nicht sonderlich groß und gibt in Bezug auf Sehenswürdigkeiten nicht allzu viel her. In einer mehrstündigen Rundfahrt (max. 3-4 Std.) ist es möglich alles Sehenswerte oder ansatzweise Interessantes auf der Insel zu sehen.

Alle Taucher sind meist immer ganz wild drauf, jeden Tag tauchen zu gehen. Erst am letzten tauchfreien Tag vor dem Abflug sind sie bereit etwas zu unternehmen oder sich etwas anzusehen – sind dann sozusagen im „Rudel“ unterwegs. Was für ein Graus…!! Robert hat für unseren Ausflug einen Tag vom Tauchen pausiert. Als Belohnung dafür waren wir die einzigen auf der Inselrundfahrt und hatten den Guide für uns ganz alleine. So mussten wir uns in puncto Interessen bzw. wer will was sehen nicht abstimmen und konnten die Route nach Belieben bestimmen. Für Robert war das besonders gut, denn die meisten Urlauber interessieren sich nicht sonderlich für die Relikte aus dem 2ten Weltkrieg. So kann sich jeder denken, wo wir den Schwerpunkt gelegt haben.

Die „Attraktionen“ von Yap liegen alle im Süden und daher führte uns die Tour erst einmal in den Süden. Unser Hotel liegt in der Hauptstadt Colonia. Wobei die Bezeichnung Stadt hier wirklich nicht passt. Es ist aus unserer Sicht nicht mal ein Dorf! Von einem Punkt oberhalb der „Stadt“ konnte man die Umrisse derselbigen sehr gut erkennen und es ist wirklich winzigst. In Colonia zentrieren sich die an einer Hand abzuzählenden Geschäfte bzw. eher Gemischtwarenläden und es ist wirklich das Zentrum der Insel. Ich wäre hier mit meinem Anspruchsdenken ganz schön aufgeschmissen. Immer eine große Auswahl gewohnt, gilt es hier scheinbar zu nehmen, was es gerade gibt. Die Bewohner machen allerdings alle einen zufriedenen und entschleunigten Eindruck und zeigen damit, dass oftmals weniger mehr ist. Ich denke, wir können hier noch einiges lernen in puncto Reduzierung der Ansprüche und der wirklichen Notwendigkeiten.

In Colonia gibt es sogar noch die Reste von einem von den Deutschen Anfang des 20 Jahrhunderts erbauten Turms (genannt „Anker“) zu sehen, der damals zur Telekommunikation diente und einiges an Kabeln beherbergte. Bereits damals konnte man von Berlin nach Yap (über verschiedene Stationen) telefonieren.

Nicht weit vom „Anker“ befindet sich das von den Japanern erbaute Flugfeld, dass während des 2ten Weltkrieges von den Amerikanern kräftig bombardiert wurde. Im Dschungel neben der Rollbahn liegen noch die Überreste von abgeschossenen japanischen Kampffliegern und von einem Flugabwehrgeschütz. Es ist schon belastend überall noch heute die Einschusslöcher erkennen zu können und sich vorzustellen, was damals mit den Besatzungen passiert sein muss. Da bekommt man wirklich gleich eine Gänsehaut. Die Relikte werden gepflegt, d.h. regelmäßig von den Überwucherungen befreit. Der Urwald erobert sich sein Territorium nämlich wahnsinnig schnell zurück.

Um wieder auf schönere Gedanken zu kommen, ging es dann im Anschluss gleich zur  Steingeld-Bank. Hierbei handelt es sich um einen Platz oder besser gesagt Weg an dessen Seiten rechts und links Steingeld aufgereiht aufbewahrt wird. Beim Steingeld handelt es sich um tonnenschwere Steinscheiben unterschiedlichster Größe mit einem Loch in der Mitte drin, die abgesehen von der Steingeld-Bank vor den Häusern, u.a. den Männerhäusern, abgestellt werden. Das Steingeld ist auch heute noch als Zahlungsmittel im Gebrauch. Allerdings wird es nur noch zum Erwerb von Immobilienbesitz eingesetzt und nicht mehr zum Erwerb von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern. Der Wert dieser Scheiben beziffert sich nach dem Alter und damit einhergehend mit der Herstellungsweise (z.B. bereits unter Einsatz von Maschinen oder noch komplett handwerklich mit den alten Werkzeugen hergestellt) und seiner jeweiligen Historie, d.h. durch welche Hände ist es gegangen und welchem Rang gehörten die Beteiligten an und was wurde dafür erworben. Aufgeschrieben ist die jeweilige Historie nicht, sie wird mündlich in der Familie bzw. innerhalb des Dorfes überliefert. Mit den Jahren/Jahrhunderten sind leider einige Informationen hierzu verloren gegangen. Der Stein, aus dem das Steingeld gemacht ist, gibt es nicht auf Yap. Er kam aus dem 400 km entfernten Palau. 1931 wurde in Palau zum letzten mal Steingeld geschlagen. Die einzelnen Scheiben sind wirklich sehr beeindruckend und es wäre sicherlich interessant von den Dorfältesten die jeweilige Geschichte zu hören. Leider gibt es dazu keine Gelegenheit.

Unweit der Steingeld-Bank haben wir dann eines der typischen traditionellen Männerhäuser besichtigt. Immer nahe zum oder direkt am Meer hat jedes Dorf sein eigenes Männerhaus. Es ist meist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch im traditionellen Stil aus den traditionellen Materialien (z.B. Seile aus Kokosnussfaser, Säulen aus Mahagoni-Holz, Dächer aus den Blättern einer ganz bestimmten Palmenart) gebaut. In diesen Häusern treffen sich ausschließlich die Männer zum Entspannen und Reden. Ein Pedant nur für Frauen gibt es nicht. Ist ja mal wieder typisch und nicht sonderlich überraschend…! In der Nähe zum Dorf befindet sich ein Versammlungshaus, dass im Baustil ähnlich zu den Männerhäusern ist und hier haben auch die Frauen Zutritt. Die Form und die Bauart des Männerhauses ist wirklich faszinierend – es scheint wirklich nirgendwo ein Nagel oder sonstige „neumodische“ Materialien verwendet worden zu sein.

Apropos Männer, hier auf Yap gibt es für Männer eigene Handtaschen aus Palmwedeln geflochten, die regen Anklang bei der männlichen Bevölkerung finden. Verstaut werden darin –soweit ich das sehen konnte- lediglich die Bethelnüsse, die hier alle und ständig kauen und die für die Vorbereitung der Bethelnüsse notwendigen Zutaten. Ich hätte Robert gerne eine dieser Männer-Handtaschen gekauft, aber er hat sich standhaft geweigert. Leider! Ich verstehe allerdings nicht warum, schaut doch ganz schick an ihm aus und bei uns hätte er damit sicherlich das „Gschau“ gehabt.

Noch ein Wort zum Kauen der Bethelnüsse. Hier scheinen wirklich alle zu kauen – vom etwas älteren Jugendlichen bis hin zum Greis. Gekaut und kräftig gespuckt (Igitt!!!) wird den ganzen Tag und egal wo sie sind ist und in wessen Gesellschaft sie sich befinden. Die „Kauer“ sind ganz schnell an der Rotfärbung der Zähne und der Innenlippen zu erkennen. Die Nüsse werden aufgebissen und dann kommt noch Kalkpulver und –kein Witz– ein Stück einer Filterzigarette hinein. Da braucht man sich nicht wundern, dass bei den meisten die Zähne auch noch ganz eklig braun sind. Als professionelle Zahnreinigerin würde ich hier sicherlich ein Bombengeschäft machen können. Das wäre sicherlich eine Marktlücke!

Nach diesen ganzen Besichtigungen war es an der Zeit für das Mittagessen und das haben wir an dem kleinen Strand im Norden der Insel eingenommen, der dem Hotel gehört. Auf Yap gibt es so gut wie keine Strände und die wenigen sind, wie das übrige Land, alle im Privatbesitz und man darf es erst nach vorheriger Zustimmung betreten. Alles ganz schön kompliziert. Am Strand hatten wir dann Gesellschaft von einem Hund – vermutlich aus der Nachbarschaft. Ein wirklich friedfertiger und sehr netter Zeitgenosse. Allerdings so dünn, dass die Rippen des Brustkorbes sich unter dem Fell abgezeichnet haben. Mein mitleidiges Herz konnte dies gar nicht mit ansehen und so haben wir dann unser Mittagessen mit ihm geteilt.

Im Norden und Westen von Yap gibt es keine Sehenswürdigkeiten an sich. Wie wir feststellen konnten, sieht es hier wie überall auf der Insel aus. Ganz Yap scheint aus einem nicht zu durchdringenden grünen Urwald zu bestehen, der nur von ganz wenigen Straßen (die meisten davon Schotterpiste) durchzogen ist. Bei dem „Grün“ handelt es sich nicht um einen „wilden“, sondern um einen von den Bewohnern kultivierten Urwald, in dem u.a. Bananen, Kokosnüsse und Brotfrüchte angebaut werden. Ein Blick in die Läden lässt vermuten, dass die meisten Selbstversorger sind und sich in erster Linie von dem Selbstangebauten und Fisch ernähren. Manchmal sieht man einzelne Hühner am Straßenrand umherlaufen und ab und an ist ein Schwein zu sehen. Es gibt in den Supermärkten so gut wie keine frische Ware – in erster Linie Öl, Reis, Nudeln und Unmengen an Knabber-Kram. Ob das wirklich so gesund ist, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten etwas festere und teilweise sogar barocke Figuren haben.

Die Dörfer, die hier auch nur aus einem Haus bestehen können, sind oftmals nur schwer oder gar nicht als solche zu erkennen. Die Häuser befinden sich meist nicht unmittelbar an der Straße, sondern sind mehrere Meter in den „Urwald“ zurückversetzt und sind aufgrund des dichten Bewuchses so von der Straße nicht zu erkennen. Die Häuser sind meist sehr einfach und haben oftmals auch keinen Strom oder fließend Wasser. Ich habe den Eindruck, dass sich das hauptsächliche Leben im Freien abzuspielen scheint. Es gibt meistens neben jedem Haus so etwas wie eine mit einem Sonnendach aus Palmwedeln überdachte Terrasse auf Pfählen. Hier habe ich immer die Bewohner sitzen sehen.

Die Tour war wirklich sehr kurzweilig und sehr informativ. Wir haben viele interessante neue Einblicke und Eindrücke gewonnen. Wieder einmal haben wir festgestellt, wir privilegiert wir in Deutschland leben und wie gut es uns allen doch geht.

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