Spektakuläre Geometrie im Schlossgarten von Villandry

Schlossgarten von Chateau Villandry

Von diesem Schlossgarten bin ich sehr beeindruckt. Ich habe so etwas prachtvolles und spektakuläres noch nie gesehen. Dieses in Frankreich einzige Beispiel eines Renaissance-Gartens bringt nicht nur eingefleischte Gartenfans zum Schwärmen. Der Garten besteht aus mehreren Sektionen bzw. Einzelgärten. Am interessantesten und schönsten finde ich den Gemüse- und den Ziergarten.

Der Gemüsegarten besteht aus neun Quadraten identischer Größe, in denen jeweils unterschiedliche geometrische Figuren zu finden sind. In diesen Quadraten findet man Gemüsepflanzen in unterschiedlichen Farben, um die Illusion eines Spielbretts zu vermitteln. Die Herkunft des Gemüsegartens reicht bis in das Mittelalter zurück, denn die Mönche in den Klöstern liebten es, ihre Gemüsepflanzen in geometrischen Formen, und im Speziellen in Kreuzform anzuordnen.

Der Ziergarten besteht aus vier Quadraten, die die Gärten der Liebe bilden. Nahezu fast hüfthohe Buchsbaumhecken wurden in der entsprechenden Ornamentik angepflanzt und beschnitten, die der „zarten“, „leidenschaftlichen“, “unbeständigen“ und „tragischen“ Liebe entsprechen. Die einzelnen Ornamente sind in der Mitte mit Tulpen und Vergiss-mein-nicht bepflanzt. Der Blick von oben von der Schlossmauer auf den Ziergarten ist einfach unbeschreiblich und ich konnte gar nicht genug davon bekommen.

Chateau Villandry

Nachdem wir bereits eine ganze Latte an Schlössern angesehen haben, sind wir bereits an dem Punkt angekommen zu glauben, schon alle möglichen Arten von Mobiliar kennengelernt zu haben und dass die Schlösser sich lediglich noch in ihrer Form und landschaftlichen Einbettung unterscheiden. Die Besichtigung der Innenräume des Schlosses von Villandry haben wir uns daher geschenkt und uns stattdessen voll und ganz auf den Schlossgarten konzentriert. Und der ist wirklich – auch bereits im April- ein unvergessliches Erlebnis und absolut empfehlenswert

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Die Schlösser der Loire

Gleich mal vorneweg – mir ist jetzt klar, warum immer nur von den Schlössern der Loire gesprochen wird und nicht von der Landschaft. Die Landschaft ist aus unserer Sicht sehr eintönig, man könnte schon fast sagen langweilig. Sie ist landwirtschaftlich geprägt und hat damit Felder über Felder (obwohl leuchtend gelbe Rapsfelder zu Beginn schon noch sehr schön anzusehen sind) und Laubwälder über Laubwälder – und das war es. Obwohl halt – die Loire selbst, sofern man die Möglichkeit hat an Ihren Ufern zu fahren oder zu halten, ist schon sehr reizvoll. Die bisherigen Sichtungen zeigen keinen großen reißenden Fluss, wie ich mir die Loire anfangs vorgestellt habe, sondern einen breiten, trägen Fluss, stellenweise sehr seicht und „durchsiebt“ von Sandbänken.

Die Anzahl der Schlösser ist jedoch gewaltig und übersteigt bei weitem die große Menge, mit der ich gerechnet habe. Gefühlt ist an jeder Straßenecke ein Schloss und jedes hat den Anspruch einzigartig und des Besuches wert zu sein. Dies wird auch von den diversen Reiseführern unterstützt und suggeriert. Um nicht vorzeitig einen Schloss-Koller zu kriegen, „sieben“ wir daher richtig aus und besichtigen nur die Schlösser, die für uns wirklich interessant klingen. Leider mussten wir feststellen, dass nicht alles, was interessant klingt auch so ist. Aber hinterher weiß man es ja bekanntlich immer besser.

Nachfolgend eine kleine Übersicht der von uns bisher besichtigten Schlösser. Ich bin doch ziemlich überrascht, was da für eine Menge zusammenkommt und wir sind noch lange nicht fertig mit der Tour.

Highlights, die man aus unserer Sicht nicht versäumen sollte:

  • Schloss Chambord– Unesco Kulturdenkmal

    Chateau Chambord

    Besonders beeindruckt hat uns hier die geometrische Architektur des Schlosses, über die sehr anschaulich in einem Film berichtet wird. König Franz hat 1519 mit dem Bau des Schlosses begonnen. Bemerkenswert ist auch die berühmte Doppelwendeltreppe, welche die 3 Stockwerke des Schlosses verbindet. Auf den beiden ineinander greifenden Wendeltreppen können sich zwei Personen auf unterschiedlichen Treppenläufen bewegen – man sieht sich zwar durch die Öffnungen, man begegnet sich aber nicht. Von dieser Treppe gehen auf jeder Etage kreuzförmig 4 Korridore ab, die zu vier vollkommen identischen Appartements führen (=geometrische Figur). Das Treppenhaus und dieser für Frankreich innovative Grundriss geben Anlass zur Vermutung, dass das Projekt auf Anregungen von Leonardo da Vinci zurückgehen, der sich auf Wunsch von Franz I. ab 1516 in Frankreich aufhielt.

  • Schloss Valencay

    Chateau Valencay

    Auf Wunsch von Napoleon hat sein Außenminister Talleyrand 1803 das Schloss gekauft und Staatsgäste empfangen. Von 1808 bis 1814 wurde auch der Prinz von Asturien (der spätere König Ferdinand) von Napoleon auf dem Schloss gefangen gehalten. Hier auf dem Schloss wurde von Napoleon der Vertrag von Valencay unterzeichnet, in dem festgehalten ist, dass sich Frankreich aus Spanien zurückzieht und Spanien dadurch seine Freiheit wiedererlangt. Valencay ist mit Möbeln und Dekorationsobjekten besonders aus der Kaiserzeit prachtvoll ausgestattet. Und das gepaart mit der Geschichte um Napoleon macht es für uns so interessant. Hier bekommt der frühere Geschichtsunterricht über Napoleon ein Gesicht und wird dadurch ein bisschen lebendig.

  • Schloss Chenonceau

    Chateau Chenonceau

    Man betritt das Schlossareal bei einer großen Baumallee, an deren Ende sich das Schloss erhebt. Das Schloss ist im Wasser am Fluss Cher erbaut; ist von Wäldern umgeben und wird rechts und links von wunderschönen Gärten flankiert. So romantisch stelle ich mir ein Loire-Schloss vor. Das einzige was stört sind die Massen an Besuchern, die Pilgern gleich, zu dieser Stätte strömen. Das mit der Romantik scheint sich leider schon herumgesprochen zu haben. Für Geschichtsinteressierte ist die Rolle des Schlosses im Zweiten Weltkrieg besonders hervorzuheben. Im Zeiten Weltkrieg lag am Fluss Cher die Demarkationslinie (Grenze zwischen dem freien und dem besetzten Frankreich). Der Eingang des Schlosses befand sich somit auf der besetzten Seite (rechtes Ufer). Die Galerie, deren Südtür den Zugang zum linken Ufer ermöglichte, erlaubte der Résistance, viele Menschen in die freie Zone hinüber zu schmuggeln. Während des gesamten Krieges stand eine deutsche Batterie bereit, auf Befehl Chenonceau zu zerstören. Gott sei Dank kam es dazu allerdings nicht. Für Robert, der ja bekanntlich besonders geschichtsaffin ist, war und ist der Besuch allein aus diesem Grund schon ein Muss. Obwohl, ich muss zugeben, dass mit diesem Wissen im Hintergrund der Blick auf das Schloss bzw. Lage mit Ein-/Ausgängen dann doch ein etwas anderer ist. Diese geschichtliche Epoche ist greifbarer, als die Geschichte um die Erbauung und das ganze drum herum im 16 Jahrhundert. Die Räume des Schlosses sind sehr prächtig ausgestattet – es handelt sich allerdings zum Großteil nicht um die Original-Möblierung, es sind jedoch alles Möbel aus der gleichen Epoche.

  • Schloss Amboise

    Blick auf Chateau Amboise

    Das Schloss oberhalb der Stadt und unmittelbar an der Loire gelegen ist wirklich ein besonderer Blickfang. Besonders gut  zeigt sich das Ensemble vom anderen Ufer der Loire. Der Rundgang durch das Schloss ist sehr kurzweilig und es gibt architektonisch gesehen auch eine „Neuheit“ – den Tour des Minimes. Der Tour des Minimes ist ein gewaltiger Rundturm, der beide Flügel des Schlosses miteinander verbindet und eine einzigartige wandelförige Reiterrampe besitzt. Diese ermöglicht es den Pferden und Kutschen auf raffinierte Weise, von der Stadt zu den Schlossterrassen zu gelangen. Wunderschön ist auch der Panoramablick nach unten auf das Stadtzentrum und auf die Loire.

Kann man besuchen, wenn genügend Zeit und Interesse vorhanden ist:

  • Schloss Cheverny

    Chateau Cheverny

    Das Schloss ist von außen nicht so eindrucksvoll, wie die anderen Schlösser, verfügt jedoch über eine vollständige und kostbare Innenausstattung aus dem 17. Jahrhundert.
    Für Freunde des Comic „Tim und Struppi“ ist dieses Schloss allerdings ein Muss. Der belgische Zeichner Hergé ließ sich von Cheverny inspirieren und es gibt nun ein kleines Museum hierzu.
    Das Schloss hat aus meiner Sicht allerdings einen Makel. Der jetzige Besitzer pflegt noch die Hetzjagd mit Hunden – Pfui, kann ich dazu nur sagen. Es gibt daher auf dem Schloss auch einen Hundezwinger mit einer beachtlichen nicht zählbaren Anzahl von Jagdhunden, einer Kreuzung aus englischem Foxhund und französischem Poitevin. Der Hundezwinger ist für mich ein einziger trostloser nicht gerade angenehm riechender Betonbau. Die nicht „verzärtelten“ Hunde scheinen sich daran aber nicht zu stören. Um solchen Zicken wie mir, die sofort das Wohl der Hunde anzweifeln, gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, wird in der Besichtigungs-Beschreibung explizit darauf hingewiesen, dass der Hundezwinger den gesetzlichen Vorschriften des Umweltschutzes, der Nutztierhaltung sowie des öffentlichen Gesundheitswesens entspricht. Für mich ist es dennoch einfach nur pervers.

  • Schloss Sully-sur-Loire

    Chateau Sully

    Dieses Schloss, umgeben von einem Wassergraben, habe ich eher als Festung, denn als Schloss wahrgenommen. Das seit Ende des 10 Jahrhundert existierende und im 17 Jahrhundert umgebaute Schloss hat einen wirklich sehr beeindruckenden Dachstuhl vom Ende des 14. Jahrhunderts, der angeblich zu den schönsten Zeugnissen mittelalterlicher Handwerkskunst in Frankreich zählt. Von der Form erinnert mich der Dachstuhl stark an einen umgedrehten Schiffsrumpf eines alten Schiffes. Geschichtlich von Interesse ist vielleicht, dass Jeanne d’Arc hier 1429, nachdem sie Orleans berfreit hatte, Karl VII. das Versprechen abnahm, sich in Reims krönen zu lassen. Im 18 Jahrhundert fand der aus Paris verbannte Voltaire hier Zuflucht. Das Mobiliar ähnelt stark dem Mobiliar anderer Schlösser aus dem 17 und 18 Jahrhundert.

Kann man sich getrost sparen:

  • Cité Royale des Loches (incl. Donjon)

    Cité Royale des Loches

    Hier passt aus meiner Sicht der Satz mit X, das war wohl nix, ganz gut. Die Aussenansicht des Cité Royal, des königlichen Palastes, war für mich eigentlich das Beste von allen. In den Räumen selbst wurden das nahezu nicht vorhandene Mobiliar ersetzt durch die Ausstellung der Kostüme von diversen Opern, die in der damaligen Zeit spielten, z.B. Maria Stuart.. Ansonsten geht man durch eine Reihe von Zimmern, man könnte auch sagen einer Anhäufung von „Steinen“. Hier hat sich der Eintritt wahrlich nicht gelohnt. Wesentlich interessanter , wenn auch nicht besonders spektakulär, war der separat gelegene Donjon.

    Der Donjon wurde bis 1926 als Gefängnis genutzt.

    Aber auch hier versäumt man aus meiner Sicht nichts Wesentliches, wenn man die Besichtigung auslässt.

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Die speziellen Weine der Loire – hier der Cour Cheverny (Romorantin)

An der Loire gibt es nicht nur unzählige Schlösser, sondern auch eine Vielzahl von Weingütern, die Weine aus Traubensorten herstellen, die es bei uns nicht gibt und die wir in der Art und Weise gar nicht kennen – geschweige denn, dass wir je von Ihnen gehört haben.

Die Ortschaft Cour Cheverny stellt so eine „Besonderheit“ dar. Im AOC Cour Cheverny wird unter dem Label Cour Cheverny ausschließlich Weißwein aus der Traube Romorantin hergestellt. Diese Traubenart gibt es nur dort und sonst nirgendwo auf der Welt.

Deshalb war es schon Pflicht und keine Kür, dass wir uns einen Übernachtungsplatz bei einem Winzer gesucht haben, um ausgiebig diesen Wein zu testen und dann auch einzukaufen.

Der Wein ist trocken und „knackig“ und schmeckt sehr frisch. Angeblich hat er großes Potential und eignet sich daher für die langfristige Lagerung im Keller. Auch soll er sowohl jung als auch „gealtert“ hervorragend schmecken. Wir werden es austesten – 1 Kisterl trinken wir jetzt auf unserer Fahrt und 1 Kisterl wird für ein paar Jahre gelagert.

Gott sei Dank haben wir im Kastenwagen einen großen Stauraum. Allerdings habe ich nach jeder Station bei einem Winzer mehr das Gefühl, dass wir bald ein größeres Wein-Lager mit uns führen.

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Die Entdeckung des (roten) Sancerres

Blick über die Weinfelder. Im Hintergrund liegt die Stadt Sancerre.

Für uns als Wein-Liebhaber und insbesondere für Robert war der Besuch der Region des Sancerres ein absolutes Muss. Robert war schon ganz aufgeregt –in Bayern würden wir sagen „gangig“ -was das Verkosten (und natürlich auch Kaufen) des Sancerre-Weines angeht. Sein größtes Problem war, bei welchem Winzer wir am Besten vorbeischauen sollten. Aber Gott sei Dank mussten wir das Ganze nicht vertiefen bzw. das „Problem“ hat sich von selbst gelöst und der Hausfrieden ist nicht in Gefahr geraten. Wir sind für 2014 „Gäste“ bei France Passion. Mit der Bezahlung eines Beitrags  darf man bei den Mitgliedern (Bauern, Käserein, Imkereien, Weingütern etc.) 1 Jahr lang umsonst übernachten. Die Kellerei von Bernard Fleuriet & Fils in La Vauvise (5 km von Sancerre) ist eines der Mitglieder. Nachdem Roberts kurze Internet-Recherche nur positives zu vermelden hatte, war es abgemachte Sache, dass wir dieser Kellerei einen Besuch abstatten. Und es hat sich wirklich gelohnt – wir sind mit dem Kastenwagen schön im Grünen gestanden und die Weine waren mehr als hervorragend. Es war wirklich gut, dass wir bzw. Robert nach der Weinverkostung nicht mehr fahren mussten. Die Probiergläser wurden immer gut eingeschenkt und als wir dann unsere Einkäufe erledigt haben, gab es nochmals kräftig Nachschub. Wir wussten bisher gar nicht, dass es auch einen roten Sancerre (Pinot Noir) gibt. Dieser ist sehr kräftig, mit Geschmacksnoten von Beeren und wird überraschenderweise kalt (so um die 10 Grad) getrunken. Der rote Sancerre war eine interessante Erfahrung, der weiße bleibt jedoch unser Favorit.

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Pont Canal von Briare – ein Wunderwerk der Technik

Pont Canal

Die 1897 eingeweihte gut 600 m lange Kanalbrücke verbindet den Canal Lateral am rechten Ufer mit dem Canal de Briare am linken Ufer der Loire. Da Schiffe über eine Verbindungsbrücke fahren können, haben wir bisher nur in Schweden gesehen. Die Kanalbrücke in Briare ist jedoch um einiges länger und viel imposanter. Das Ingenieurbüro von Gustave Eiffel war an der Konstruktion beteiligt. Es ist schon ein Erlebnis, rechts und links des Wasserwegs über breite Trottoirs von einem Ende zum anderen zu gehen und unter sich die Loire zu haben.

Neben dem Port Canal ist Briare besonders zu empfehlen wegen der wunderbaren Kanäle an denen man sehr bequem und in idyllischer Umgebung zu verschiedenen Touren aufbrechen kann. Besonders wohl fühlt sich hier der passionierte Radler, den ein wunderbar aufbereitetes Wegenetz entlang der Kanäle und der Loire erwartet.

Radweg entlang der Loire

Bekanntermaßen bin ich ja kein begeisterter Radler, aber sogar mich hätte hier das Bedürfnis eines Radlausflugs gepackt – tolle Natur und stangerlgerade Wege. Nachdem ich leider nach wie vor Probleme mit dem Steißbein habe, mussten die Fahrräder zu Hause bleiben. Aber die Kanäle lassen sich auch sehr gut auf Schusters Rappen erkunden und dass macht mindestens genauso viel Spaß.

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Auf Entdeckungstour in der Champagne

Auch wenn wir bisher nicht gerade zu den Champagner-Liebhabern gehörten, so haben wir es uns dann doch nicht nehmen lassen, die Champagne auf dem Weg zur Loire zu erkunden.

Interessant sind für uns insbesondere die Weinberge, die wir in dieser Form so bisher nicht gesehen haben. Die Weinreben gehen nicht höher als bis knapp über das Knie und sind sehr stark beschnitten. Damit die Arbeit in der ständigen Hocke nicht zu anstrengend wird, bewegen sich die Arbeiter im Weinberg auf einer Art Bobby-Car bzw. Dreirad fort. Das ganze sieht aus der Entfernung sehr lustig aus, fast wie eine Art „Schnecken-Wettrennen“.

Der Großteil der Champagner-Kellereien befindet sich in Reims und Epernay. Deshalb haben wir diese beiden Städte einer genaueren Besichtigung unterzogen. In Reims locken zudem noch die Kathedrale und Basilika, beides Stätten des Unesco-Welterbes.

Der spontane Besuch einer Champagner-Kellerei ist so gut wie unmöglich. Entweder ist eine telefonische Terminvereinbarung oder eine Buchung über die Touristeninformation notwendig. In Reims finden einzig und allein bei Taittinger regelmäßige Führungen ohne Voranmeldung statt. Also nichts wie hin, lautete die Devise.

Das Gebäude von Taittinger ist ein unscheinbarer, fast häßlicher Bau. Es ist schwer vorzustellen, dass an dieser Stelle einst einmal eine prächtige Abtei stand.

72.000 Flaschen Champagner auf einen Haufen

Und es ist kaum zu glauben, dass sich unterhalb dieses Gebäude der in den Kalkstein gehauene original Champagner-Keller der Abtei befindet, in einer Tiefe bis zu 30 m und mit 4 km an Tunneln/Wegen. Die Führung war sehr beeindruckend – nicht nur wegen der 4 Millionen Champagner-Flaschen, die hier lagern. Sehr anschaulich wurde der Werdegang bzw. Schaffensakt einer Flasche Champagner beschrieben Wir hätten nicht gedacht, dass so viele verschiedene Prozesse notwendig sind und waren auch sehr überrascht von der langen „Ruhe-„ bzw. Lagerzeit, bevor der Champagner in den Verkauf kommt – vorgeschrieben ist ein Minimum von 15 Monaten, die im Regelfall jedoch überschritten wird. Der absolute Premium-Champagner von Taittinger (Comte) reift 8-10 Jahre im Keller.

Champagnerverkostung bei Taittinger

Die an die Führung anschließende Verkostung war für uns Laien ein wirkliches Erlebnis und wir mussten uns eingestehen, dass es auch sehr gut schmeckenden Champagner gibt und wir uns an dessen Genuss glatt gewöhnen könnten.  Die Champagner-Sorten von Taittinger waren wirklich gut und die „Normal“-Sorte ist mit 28 Euro sogar noch bezahlbar.

In Epernay haben wir uns dann bewusst keinen großen Champagner Namen wie z.B. Moet ausgesucht, sondern uns für Georges Cartier, einen etwas kleineren Champagner-Produzenten entschieden. Zum einen kannten wir dieses Champagner-Haus nicht und zum anderen sind auch hier keine Voranmeldungen/Buchungen notwendig. Wir hatten sogar Riesenglück, wir waren die einzigen Interessenten und haben damit eine Privatführung durch den Keller bekommen. Der Keller war bei weitem nicht so beeindruckend, wie bei Taittinger, aber dafür hatten wir aufgrund der Privatführung einen detailreichen Informationsaustausch und eine sehr intensive Verkostung. Beide Champagner-Häuser im Kombination haben einen wirklich tiefen Einblick in die Champagner-Herstellung gegeben. Mit diesem Wissen im Hintergrund werden wir ab sofort Champagner mehr zu schätzen und zu genießen wissen.

Kleiner Exkurs zu Eparnay:

Die Straße „Avenue de Champagne“ hat eine Länge von mehr als 1km. In Ihrem Untergrund lagern mehr als 200 Millionen Flaschen Champagner in Kellern von insg. 110 km Länger und einer durchschnittlichen Tiefe von 30 Metern. Da verwundert es nicht, wenn Epernay die Hauptstadt des Champagners genannt wird.

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Lange Strandwanderungen zum Abschied aus Schweden

Mit dem Besuch von Göteborg, der zweitgrößten Stadt des Landes, haben wir die Besichtigung der schwedischen Großstädte komplettiert. Die Hafenstadt Göteborg verfügt über ein gut ausgebautes Bus- und Straßenbahnnetz. So haben wir unseren Kastenwagen außerhalb des Stadtzentrums gut und kostenlos geparkt und waren innerhalb kürzester Zeit absolut stressfrei mitten im Zentrum.

Den Stadtrundgang haben wir begonnen am kleinen Gästehafen neben der auffälligen Oper. Hier steht das markante rot-weiße See- und Schifffahrtsamt mit dem Namen „Utkiken“. Auf der Spitze in Höhe von 86 Metern gibt es dort eine verglaste Aussichtsplattform mit einem unbeschreiblichen Blick über den Göta-Fluss, den Hafen und das Stadtzentrum. Von hier oben sieht man sehr gut, dass das Zentrum sehr überschaubar ist bzw. alles sehr nahe beieinander liegt und eine Erkundung zu Fuß sehr gut machbar ist.
Was Museen und Ausstellungen angeht, sind wir mittlerweile mehr als gesättigt und nicht mehr aufnahmebereit. Wir haben uns daher auf einen schönen und ausführlichen Spaziergang durch das Zentrum beschränkt. Zum Mittagessen sind wir in die Markthallen eingekehrt. Dort gibt es an verschiedenen Theken täglich wechselnde Mittagsgerichte und andere leckere Sachen. Wenn man nicht allzu viel Zeit für ein ausführliches Mittagessen investieren kann oder möchte, sind die Markthallen eine sehr gute Alternative. Es geht sehr schnell und schmeckt sehr gut – unsere dort genossene Fischsuppe war auf jeden Fall wirklich gut.

Sehr zu empfehlen ist auch eine Fahrt mit den Paddan Ausflugsbooten, die am Kungsportsplatsen beginnen. Die Fahrt dauert ca. 50 Minuten und gibt einen eindrucksvollen Blick auf Göteborg aus der Wasserperspektive. Auch bekommt man vielfältige Informationen zur Geschichte von Göteborg. Alles in allem eine sehr kurzweilige Angelegenheit.

Nach einem ½ Tag in Göteborg hatten wir genug vom Sightseeing und vom Stadtflair. Ich muss gestehen, es hat uns ganz stark an den Strand gezogen und wir konnten uns dem Ruf der uns harrenden Strandwanderungen nicht entziehen. Die Küste zwischen Göteborg und Malmö hat eine sehr hohe Dichte an Stränden. Aus unserer Sicht werden die Strände immer schöner und länger, je weiter man in den Süden kommt. Der Nachsaison sei Dank, es waren auch kaum Leute am Strand unterwegs und wir haben tolle Übernachtungsplätze auf Strandparkplätzen gefunden.

Die für uns schönsten Strände gab es bei Haverdal (Haverdalsstrand), Frösakull und Tylosand. Alle 3 Strände liegen der Reihe nach zusammen und beginnen kurz hinter Halmstad. Allen Strandfreunden kann ich diese Strände nur wärmstens empfehlen. Hier kann man kilometerlang am Strand entlanglaufen und sich kaum sattsehen an den malerischen Dünen mit dem Dünengras. Auch ganz nett, aber dennoch auf Rang 2, ist der Skrea Strand von Falkenberg und der Strand von Rinsegard.

Wir haben ausgiebige Strandspaziergänge unternommen und auch das Relaxen am Strand kam nicht zu kurz. So lass ich mir den Urlaubsausklang gefallen.

Bevor wir nun endgültig die Heimreise antreten, geht’s noch für ein paar Tage an die Ostsee und ich habe dabei ausreichend Gelegenheit in meinen Ostsee-Kindheitserinnerungen zu schwelgen. Gleich im Anschluss daran werden wir am 23.09. pünktlich um 8:00 Uhr bei La Strada vor der Werkstür stehen. Wir haben nämlich während unserer Reise aufgrund einer undichten Dusche nasse Füße bekommen. Die Urlaubsfreude haben wir uns aber dadurch nicht nehmen lassen; es gibt Schlimmeres.

Und dann heißt es wirklich Abschied nehmen von einer ganz tollen, erlebnisreichen und unbeschwerten Zeit mit unserem heißgeliebten Kastenwagen. Wir haben, was diese Art des Reisens angeht, noch mehr Feuer gefangen. Gerade die Freiheit und die Flexibilität, die diese Art des Reisens mit sich bringt, ist einfach einmalig. Wir freuen uns daher schon jetzt auf unser nächstes Reiseziel

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Fahrt rund um den Vänernsee

Bevor es weiter an der Westküste Richtung Süden nach Göteborg geht, haben wir noch einen Abstecher zum Vänernsee gemacht. Der Vänern ist Schwedens größter See mit einer Wasseroberfläche von 5650 qkm. Um es gleich vorweg zu  nehmen, die Umrundung des Vänernsees kann man sich sparen. Die Straßen führen nicht am See entlang bzw. erlauben keinen Blick auf den See; die Ortschaften sind alle gleich langweilig und klein und bieten aus meiner Sicht keine wirklichen Highlights.

Sehenswertes gibt es aus meiner Sicht nur punktuell und zwar Sjötorp auf der Ostseite, Haverud auf der Westseite und Trollhättan an der Südspitze.

Durch Trollhättan fließt der Fluss Göta und man findet hier 3 Schleusengenerationen nebeneinander, sowie die größte Schleusenkammer, die von 10 Frachtschiffen täglich passiert wird. Die erste Schleuse wurde 1800 als Wunderwerk der Technik in Betrieb genommen. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, die unterschiedlich alten Schleusen zu erkunden. Leider hatte das Schleusenmuseum seine Pforten für dieses Jahr schon geschlossen. Es wäre sicherlich sehr interessant gewesen noch mehr Informationen zum Bau der alten Schleusen zu erhalten und auch die alten Photographien zu sehen.

In Trollhättan und Umgebung lässt es sich auch sehr gut Radfahren. Ich als bisher überzeugter „Anti-Radfahrer“ habe mich von Robert überreden lassen, eine 50 km lange Radltour (Fahrt entlang des Trollhättan/Västerborgs Leden) zu machen. Was habe ich auf dieser Tour geflucht und geschimpft. Es ging leider nicht immer schön gerade aus, wie am Göta-Kanal und Gegenwind war auch ganz schön. Robert hatte aber 5 km vor Ende der Radltour ein Einsehen mit mir. Gerade als mein Ehrgeiz geweckt war, möglichst schnell zum Ende zu kommen, hat sich Robert einen Platten gefahren. Es machte ein paar Sekunden lang ganz laut ffftttttttttttttttttt und dann war Schluss mit Radeln. Robert ist voller Schwung und Elan in irgendetwas Spitzes gefahren und dass war es dann mit dem Reifen. Aber Glück im Unglück, wir waren nicht mehr allzu weit von einer Straße entfernt. Ich durfte dann mit Roberts Fahrrad eine Zwangspause einlegen, bis dieser dann mit meinem Fahrrad zurückgeradelt ist und das Auto geholt hat. Ich war ganz schön enttäuscht, dass ich meine 50 km nicht voll machen konnte. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals in meinem Leben so weit geradelt bin. Ist wirklich nicht einfach mit mir !!!!!  In Zukunft werde ich auf jede Radltour mit Robert etwas zum Lesen mitnehmen, um evtl. Wartezeiten überbrücken zu können.

In Sjötorp beginnt oder endet der Göta-Kanal. Nachdem uns das andere bzw. entgegengesetzte Stück des Göta-Kanals so gut gefallen hat, war für uns dann dieses Stück des Göta_Kanals auch noch ein Muss. Und wir wurden nicht enttäuscht. Aufgrund Roberts Platten sind wir den Göta-Kanal ein kürzeres Stück als geplant entlang gewandert und zwar von Sjötorp nach Lyrestad (gute 7 km einfach). Der Herbst hat das Laub der Bäume am Göta-Kanal bereits verfärbt und dies hat noch für einen zusätzlichen Reiz gesorgt. Die Saison der Schiffe auf dem Göta-Kanal ist bereits vorbei und so hatten wir den gesamten Kanal für uns. Der Sparziergang an diesem Teilstück des Kanals ist m.E. vergleichbar mit einem Spaziergang an der Isar oder der Amper. Wirklich wieder sehr idyllisch; es hätte einem Landschaftsmaler zur Ehre gereicht. Allen, die genügend Zeit haben, kann ich diesen Spaziergang nur empfehlen.

Last but not least – Haverud. Hier sieht man die sehr interessante Schleusenanlage des Dalsland-Kanals. Das Besondere daran ist der Aquädukt. Der Kanal führt durch eine Stahlblechrinne an den Wasserfällen von Haverud vorbei. Das Bauwerk besteht aus einer Balkenbrücke aus Stahlblech, die auf Betonplinthen ruht und hat eine Spannweite von 32,5 Metern. 33.000 Nieten, von denen bisher nicht eine einzige erneuert werden musste, halten die Konstruktion zusammen. Auf jeweils höherem Niveau führen Eisenbahn und Straße über die Schlucht. Zum Zeitpunkt unseres Besuches war es dort wie ausgestorben – kein einziger Mensch war weit und breit zu sehen und die Saison für die Boote war auch schon vorbei. So musste uns die Vorstellung genügen, wie es wohl ist bzw. sein könnte, wenn die Sportboote durch die Rinne bzw. den Aquädukt fahren.

Beim Besuch also unbedingt darauf achten, daß man sich innerhalb der Saison befindet (27. Juni -15. August). An die Anlage schließt ein Naturreservat an, das sich für einen netten Spaziergang eignet.

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Rückkehr nach Schweden entlang des Oslofjordes und der Skagerrak-Küste

In Oslo standen wir vor einer schweren Entscheidung in Bezug auf die Fortsetzung unserer Reiseroute. Norwegen hat uns bisher sehr begeistert und gerade in West- und Südnorwegen gibt es noch sehr viele einmalige Highlights zu entdecken. Und genau darin liegt das Problem; es verbleibt zu wenig Zeit, um noch alles in Ruhe und bei entsprechenden Temperaturen ausführlich und ohne Hetze zu erkunden.  Der Herbst hat auch in Norwegen schon deutlich Einzug gehalten und die Temperaturen sind merklich nach unten gegangen. Ich muss gestehen, dass haben wir gewaltig unterschätzt. So haben wir uns entschieden, Norwegen vorerst Lebewohl zu sagen und über Schweden langsam die Heimreise anzutreten. Zumal wir uns in Schweden die südliche Westküste und den Vännernsee für die Rückreise aus Norwegen aufgehoben haben.

Von Oslo aus ging es dann an der Nordseite des Oslofjordes mit Stopps in Drobak und Fredrikstad über die Grenze nach Schweden bei Svinnesund.

In Drobak befindet sich die engste Stelle des Oslofjordes mit kaum 100 m Breite – zusätzlich eingeengt durch die Insel Kaholmene mit der Feste Oscarsborg. Wir hatten das Glück, das während unseres Besuches bzw. Spaziergangs die Fähre nach Deutschland durch den Oslofjord bei Drobak durchgefahren ist. Sehr viel Platz bleibt dem Kapitän da nicht wirklich zum Manövrieren.

Drobak ist auch berühmt als Schauplatz des einzigen Sieges der norwegischen Armee gegen die deutschen Eindringlinge im Zweiten Weltkrieg. Hier wurde der deutsche Kreuzer „Blücher“ mit Mann und Maus an Bord versenkt. Noch heute liegt das Wrack in 90 m Tiefe. Gott sei Dank hat Robert den Besuch der Festung auf ein späteres Mal verschoben!!!!

Das Fjorddorf Drobak ist wirklich ganz nett mit seinen alten Holzhäusern und dem kleinen netten Hafen. Aber leider waren auch hier die Gehsteige hochgeklappt und es war nichts, aber auch rein gar nichts los. Die Saison endet ab Mitte bzw. spätestens Ende August und dann ist wirklich überall tote Hose. Einerseits ganz schön, weil man dann die tollen Punkte für sich alleine hat; andererseits fehlt aber auch die Lebendigkeit bzw. das Leben und einige Museen/Highlights können dann leider nicht mehr besichtigt werden.

Ganz schlimm haben wir es in der Altstadt von Fredrikstadt empfunden – ich glaube, wir waren nahezu die einzigen Touristen, die unterwegs waren. Geöffnete Geschäfte oder Cafes/Restaurants – Fehlanzeige! Aber Fredrikstadt ist trotzdem einen Besuch wert.

Die Altstadt ist die heute einzig erhaltene Festungsstadt des Nordens. Ein Wassergrabensystem trennt die Altstadt vom Fluss Glomma, die Gassen sind kopfsteingepflastert und es gibt eine Zugbrücke und einen begrünten Wall. Nicht zu vergessen die uralten Holzhäuser. Alles in allem fühlt man sich um Jahrhunderte zurückversetzt.

 

Der erste Stopp auf schwedischer Seite war Strömstad und diente in erster Linie zum Auffüllen des Kühlschranks und der Weinvorräte. Norwegen ist wirklich so teuer, wie es immer gesagt wird; insbesondere alkoholische Getränke sind nahezu unerschwinglich.

Wieder gut versorgt ging es dann an der Westküste bzw. Skagerrak-Küste Richtung Süden.

Robert und ich lieben das Meer und sind auch von der Schärenküste sehr angetan. Wir haben uns deshalb schon sehr auf diesen Streckenabschnitt gefreut Ich war in meiner Gedankenwelt schon bei den Straßen, die uns direkt an der Küste entlang führen werden, mit vielen tollen Parkplätzen, die schöne Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Ganz zu schweigen von der Vorstellung, bei einem Glas Rotwein den Sonnenuntergang direkt am Meer bzw. Strand erleben zu können. Diese Träume sind allerdings sehr schnell geplatzt. Straßen direkt entlang an der Küste gibt es so gut wie keine; die meisten führen im Landesinneren parallel zum Meer. Um ans Meer zu kommen sind immer wieder Abstecher notwendig und dann kann man sicher sein, dass das Meer nicht wirklich sichtbar ist vor lauter Privatgrundstücken und Privat-Zufahrtsstraßen. Parkplätze nahezu Fehlanzeige und wenn es dann doch einen gibt, dann kann man seinen Kopf drauf verwetten, dass Übernachten bzw. Camping verboten ist, da in der Nachbarschaft ein Campingplatz angesiedelt ist. Ich war ganz schön enttäuscht. Aufgeheitert und entschädigt haben mich allerdings die netten & idyllischen Ortschaften oder besser gesagt Dörfer am Meer. Viele haben sich ihren alten Charme erhalten und besonders die kleinen Häfen sind immer sehr schön anzuschauen mit ihrem Durcheinander an großen und kleinen Segelbooten.

Besonders zu empfehlen ist ein Abstecher zu nachfolgenden Dörfern, die alle auf der Touristen-/Panoramaroute (163er/174er und 171er) parallel zur E6 liegen:
Grebbestad, Fjälbacka, Smögen, Kungshamn & Hovenäset.

Kurz vor Grebbestad liegt Tanumshede, bekannt wegen seiner von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhobenen Felszeichnungen.

Gleich gegenüber dem Parkplatz des Vitlycke Museums liegen die eindrucksvollen Felszeichnungen für Jedermann jederzeit kostenlos zugänglich. Bei uns in Deutschland hätte man daraus sicherlich mit großem Aufwand eine Touristenattraktion gemacht mit einer horrend hohen Eintrittsgebühr. In Schweden wird vieles –darunter auch die Felszeichnungen- als Allgemeingut gesehen und es wird ohne großen Schnickschnack drum herum der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Die vielen mehrsprachigen Infotafeln (darunter auch in deutsch) geben eine Vielzahl an Informationen und sind eine gute Hilfe um das „Drumherum um die Steine“ besser zu verstehen. Die Felszeichnungen bzw. –ritzungen enthalten eine Fülle von Figuren und Szenen, verschiedene Schiffstypen, Männer mit erhobenen Äxten, ein Liebespaar sowie zahlreiche kleine, runde Vertiefungen im Granit. Der Inhalt dieser Bilder gibt den Forschern noch manches Rätsel auf und vieles an Informationen ist nicht gesichert, sondern wird lediglich angenommen bzw. vermutet.
Der Rundgang durch die kleine Anlage ist sehr kurzweilig und faszinierend, wenn man bedenkt, dass die Zeichnungen aus der Bronzezeit stammen. Für mich ein Besichtigungs-Muss für jeden, der auf dieser Strecke unterwegs ist.

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Oslo – ein Besuch im Zeichen von Kunst und Kultur

Nachdem wir auf unserer bisherigen Reise und insbesondere in Stockholm schon sehr viele Museen und Ausstellungen besucht haben, hat sich bei uns nun eine gewisse Besichtigungs-Müdigkeit eingeschlichen. Der Besuch in Oslo sollte daher ganz entspannt ablaufen. Damit wir nicht in Versuchung geraten, haben wir uns bewusst gegen die Oslo-Card entschieden. Damit sich diese nämlich lohnt müssen pro Tag mehrere Sehenswürdigkeiten besichtigt werden, was dann schon sehr anstrengend werden kann.

Unsere Zeit in Oslo haben wir am Freitagnachmittag gestartet mit dem Besuch der neuen Holmenkollenschanze.Vom Sprungturm kann man eine 360 Grad Panoramaaussicht auf die Stadt und über den Oslofjord und die umliegenden Wälder genießen. Leider war die Sicht etwas getrübt durch dunkel verhangenen Himmel, aber dennoch war es sehr beeinddruckend. Es ist schon unglaublich, welchen Aufwand die Norweger für so einen Randsport mit wenigen Ereignissen pro Jahr betrieben haben. Die Besichtigung ist für uns ein absolutes Muss für alle Oslo-Besucher.

Samstagvormittag ging es dann ins Frammuseum, dass um das Polarschiff „Fram“ herumgebaut wurde. Das Schiff diente Fridthof Nansen, Otto Sverdrup und Roald Amundsen zu Forschungsreisen nach Grönland und zum Nord- und Südpol. Das Museum finde ich einerseits sehr interessant, andererseits leider auch sehr ermüdend. Es ist unheimlich viel in englischer Sprache zu lesen und das bei teilweise gedämmten Licht. Nach fast 2 Stunden hatten wir dann auch mehr als genug und es war Schluss mit Besichtigung.  Das Museum ist nur etwas für regnerische Tage – bei uns hat es leider am Vormittag in Strömen geregnet. Aber auch in Oslo zeigt sich, wie schnell sich das Wetter ändern kann. Am Samstagnachmittag schien dann die Sonne und der Himmel zeigte sich von seiner strahlend blauen Seite – eine wunderbare 180 Grad-Wendung des Wetters, die keiner glaubt, wenn er sie nicht selbst erlebt hat.

Man kann sich durch Oslos Altstadt bzw. Zentrum wunderbar treiben lassen. Alles liegt relativ nah beieinander und ist sehr überschaubar. Nicht fehlen sollte bei einem Stadtrundgang der Blick von der Festung Akershus auf den Oslofjord und die „Amüsiermeile“ Aker Brygge.

Der Sonntag hatte gleich mehrere Highlights für uns in petto.  Zu Edvard Munch 150. Geburtstag läuft gerade (noch bis 13. Oktober 2013) eine einmalige Ausstellung, die als die umfassendste Präsentation aller Zeiten der Werke von ihm genannt wird. Die Ausstellung ist auf zwei Orte verteilt: Die Nationalgalerie und das Munch Museum. Wir haben uns beide Ausstellungen angesehen. Die in der Nationalgalerie fanden wir besser; die im Munch Museum kann man sich sparen. Nichts desto trotz war die Ausstellung als ganzes mehr als bereichernd. Besonders die frühen Werke von Munch haben mich begeistert, da diese für mich zeigen, dass Munch wirklich sehr gegenständlich bzw. wie fotografiert malen konnte.

Nachmittags haben wir eine Führung durch die Oper gemacht. Das 2te absolute Muss eines jeden Oslo-Besuchers. Man hat hier die Möglichkeit hinter die Kulissen zu sehen und bekommt eine ganze Menge an Informationen. Die Bühnentechnik ist wirklich mehr als beeindruckend.

Während der Führung lief gerade die technische Probe für die am Abend stattfindende Premiere der Oper „Die Hochzeit des Figaros“ und wir haben dabei erfahren, dass es noch einzelne Restkarten gibt. Für uns war dann ganz schnell klar, dass wir unser Karten-Glück bemühen wollen. Das Glück war uns dann auch hold und wir waren kurze Zeit später glückliche Besitzer von 2 Premierenkarten. Leider keine guten Plätze – was das angeht, bin ich mittlerweile ein großer  verwöhnter Snob – aber hier stand das Motto dabei sein und die Osloer Oper „live in Aktion“ zu erleben im Vordergrund. Und es war wirklich ein einmaliges Erlebnis. Man merkt, dass das Opernhaus erst vor ein paar Jahren fertiggestellt wurde – es ist einfach auf dem technisch neuesten Stand und unglaublich durchdacht, was die Auswahl der Materialien angeht.  Und wir hatten auch von unseren Plätzen in den letzten Reihen auf dem 2ten Balkon perfekte Sicht und super Klang!!!

Da die Oper schon um 18:00 Uhr los ging hatten wir keine Zeit mehr uns umzuziehen. Die Dame an der Opernkasse meinte aber, dass es keinen Dress-Code gibt und wir auch in unseren Freizeitklamotten herzlich willkommen sind. So sind wir dann mehr als leger gekleidet in die Oper gegangen. Ich habe mich dabei gar nicht wohl gefühlt, da für mich zu einer Oper auch eine entsprechende Kleidung gehört.  Als ich dann gemerkt habe, dass wir gar nicht negativ auffallen, da sehr viele andere auch leger gekleidet sind, ging es mir besser.

Die Norweger haben den Ablauf rund um die Veranstaltung wirklich perfekt durchorganisiert. Auf der Eintrittskarte steht bereits die eigene persönliche Garderoben-Nr., an der man selbst seine Jacke aufhängen kann. Das lästige Anstehen entfällt. Zur Pause georderte Getränke stehen im Foyer mit Namensschildern alphabetisch sortiert zur Selbstbedienung bereit. Bei uns in Deutschland würde dass so nicht funktionieren – ich bin überzeugt, dass sich der eine oder andere „fremdbedienen“ würde – hier in Oslo scheint das Prinzip des Vertrauens zu funktionieren. Für Robert und mich war es auf jeden Fall eine ganz neue Erfahrung. Ich kann nur jedem –auch den Nicht-Liebhabern von klassischer Musik- ans Herz legen zu versuchen, Karten für eine der Aufführungen zu bekommen. Die Eintrittskarten sind im Vergleich zu München wirklich sehr preisgünstig. Ihr werdet es nicht bereuen.

Unseren Oslo-Aufenthalt, haben wir dann am späten Montagvormittag mit einen Spaziergang  durch den Vigeland Skulpturenpark abgerundet bzw. beendet. Der Vigelandspark ist eine von Norwegens meistbesuchten Touristenattraktionen mit 1. Mio Besucher jährlich. Wir haben allerdings den Zeitpunkt unseres Besuches falsch gewählt.

Zeitgleich mit uns waren mehrere Besuchergruppen von den Kreuzfahrtschiffen vor Ort.

Nachdem diese aber nie viel Zeit haben, haben sich die Massen dann nach einer Weile verflüchtigt. Es ist schon enorm, wie viele Skulpturen Gustav Vigeland geschaffen hat. Dass seine Inspiration bzw. Vorbild Auguste Rodin war ist unverkennbar. Der einzigartige Skulpturenpark mit mehr als 200 Skulpturen aus Bronze, Granit und Schmiedeeisen ist das Lebenswerk von Vigeland. Der Park selbst ist sehr groß und wunderschön – perfekt geschaffen für ein Picknick im Grünen. Also entsprechende Brotzeit bei einem Besuch nicht vergessen. Und am Besten die Besichtigung erst am Nachmittag starten, um dem Andrang der Kreuzfahrer zu entgehen.

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